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27. Januar 2016

Neu im Kino: „Ein Atem“: In der Öko-Diktatur

 Von 
Chara Mata Giannatou (l.) als Elena mit der ihr anvertrauten Lotte.  Foto: dpa

Christian Züberts sozialkritischer Genrefilm „Ein Atem“ ist ein aktueller Beitrag des Kinos zur Griechenlandkrise. Und gleichzeitig ein differenziertes Porträt zweier Frauen.

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Vielleicht sollte man Filme, die sich aktuellen Krisen widmen, erstmal ein wenig altern lassen. Insbesondere dann, wenn die Themen eine derartige Medienpräsenz beanspruchen, wie die Griechenlandkrise.

Christian Züberts Filmdrama „Ein Atem“ macht es einem nicht leicht, es der Tagesaktualität zu entreißen. Er hat ein Melodram über zwei Frauen, eine junge Griechin und ihre deutsche Arbeitgeberin, drum herum gebastelt. Die erste erfährt erst in Deutschland, dass sie schwanger ist, was ihre Vermittelbarkeit auf dem Arbeitsmarkt erschwert. Das bringt sie in Kontakt zur zweiten, einer reichen jungen Frankfurterin, die sie als Nanny für ihr Kleinkind anstellt.

Zunächst sind die Sympathien klar verteilt: Die Deutsche geizt nicht mit fürsorglicher Arroganz, man gibt sich großzügig und doch dogmatisch. Man befindet sich in der Öko-Schickeria, wo es einem an nichts fehlt, das gute Leben aber bloß kein Zuckerschlecken sein darf. Bio ist gut und das Bonbon böse, nur eines am Tag darf dem Kind verabreicht werden. Sonst gibt es ein Donnerwetter.

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Überraschend aber gelingt es Zübert dennoch, Sympathien für die von Jördis Triebel gespielte Frau zu wecken. Man muss nur ihren von Benjamin Sadler dargestellten Mann kennenlernen, einen heimlichen Patriarchen mit smartem Hipsterbart, der jedoch nichts lieber hätte als die Frau am Herd.

So platt ihr Milieu auf den ersten Blick gezeichnet ist, so glaubhaft wirkt das deutsche Paar zusehends dank seiner exzellenten Darsteller. Die schwangere Griechin hingegen, verkörpert von Chara Mata Giannatou, gewinnt leider weniger Profil. Das Drama entfaltet sich, als ihr in einem kurzen Moment das anvertraute Kind abhanden kommt. Sie flieht nach Griechenland, wohin ihr die Deutsche folgt: Sie glaubt, die Griechin habe ihr Kind gestohlen.

Voraussehbar auch die späte Annäherung der Hauptfiguren. Man kann sich fragen, was zuerst da war. Der Wunsch, einen kritischen Film über den arroganten Blick der deutschen Steuerzahler auf das überschuldete Griechenland zu drehen oder doch das Genrekino mit zu bedienen. Was am Ende übrigbleibt, ist das zusehends differenzierte Porträt einer berufstätigen Mutter. Das dürfte die Tagesaktualität überdauern.

Ein Atem. D 2015. Regie: Christian Zübert. 97 Minuten.

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