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04. Februar 2016

Neu im Kino: „Gänsehaut“: Der Spaß am Ende der Straße

 Von 
Auweia, ein abscheuliches Monster stürzt sich gleich auf seinen eigenen Autor: Gruselszene aus „Gänsehaut“.  Foto:  Sony Pictures Germany

„Gänsehaut“, der neue Film von Rob Letterman, ist eher etwas für das Zwerchfell – eine herrlich anarchische Gruselkomödie

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Lateinisch heißt sie Cutis anserina, ist weit verbreitet, und gleichwohl wissenschaftlich noch voller Fragezeichen: Eine echte Gänsehaut kommt meistens unerwartet. Nur Filmproduzenten glauben, dass sie sich auf Bestellung reichen lässt, wenn man nur alles richtig macht. Das ist schwer genug, noch seltener aber sind gute Gruselkomödien.

Dieser Verfilmung der gleichnamigen Jugendbuchreihe des US-Schriftstellers R. L. Stine ist auf eine so unbeschwerte und anarchische Weise grusel-komisch, wie man es seit den „Gremlins“-Filmen kaum erlebt hat. Und so wie Filmemacher Joe Dante damals die kleinen Quälgeister zum Beispiel in eine Filmvorführkabine schickte und ihnen den Film vorwarf, den man gerade sah, spielt auch Rob Lettermans „Gänsehaut“ am liebsten auf der Metaebene.

Natürlich, auch in jedem ernst gemeinten Horrorfilm kann man nicht anders, als die geheimnisvolle Villa am Ende der Straße erst einmal als ihr eigenes Klischee zu begrüßen um dann zu hoffen, dass sie einen nicht enttäuscht.

Der Teenager Zach Cooper (Dylan Minnette), der gerade aus New York in die Provinz gezogen ist, fühlt sich gleich zu Beginn des Films von einem derartigen Domizil magisch angezogen. Anders als das Publikum ahnt er nicht, dass es in dessen Innern nicht mit rechten Dingen zugeht. Er hat sich einfach in die jugendliche Bewohnerin verliebt, das sprichwörtliche Mädchen am Ende der Straße. Erst ein paar unheimliche Geräusche machen ihn misstrauisch. Wird die hinreißende Hannah (Odeya Rush) etwa von ihrem etwas unheimlich wirkenden Vater (Joe Black) misshandelt?

Monsterjagd in der Gruselkomödie "Gänsehaut".  Foto:  Sony Pictures Germany

Eine Polizeistreife, die er herbeiruft, findet nur eine aufgeräumte Feierabend-Atmosphäre vor. Erst ein nächtlicher Einbruch mit dem Schulfreund lässt ihn über das Geheimnis stolpern. Der unheimliche Nachbar ist niemand anderes als Schriftsteller R. L. Stine, der die Manuskripte seiner Bücher verschlossen hält wie andere ihr Tagebuch. Als die Jungens versehentlich eines öffnen, ist es schon passiert. Ein Gruselmonster schlüpft heraus: Wie dem Einband zu entnehmen, ist es der „abscheuliche Schneemensch von Pasadena“. Dabei bleibt es natürlich nicht.

Im wirklichen Leben schrieb Stine bislang über hundert dieser Gruselbändchen für Acht- bis Zwölfjährige, die ihn zum zweiterfolgreichsten Jugendbuchautor nach Harry-Potter-Erfinderin Joanne K. Rowling gemacht haben. Etwa dreißig der darin beschworenen B-Film-Monster werden im Verlauf des Films befreit und stiften ein ebenso vorhersehbares wie gleichwohl hinreißend enthemmtes Chaos.

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Über sein filmisches Alter Ego braucht er sich nicht zu beklagen. Joe Black verkörpert ihn mit der richtigen Balance aus Nerdigkeit und Unberechenbarkeit – und erhebt ihn fast zu einem Stephen King für Kiddies. Umso berechenbarer sind seine Kreaturen, was sie letztlich auch für mutige Teenager bezähmbar macht. Der Spaß dabei aber steckt wie in jeder guten Gruselkomödie in der Sympathie für die Beschränkungen der Schurken, der tragischen Lächerlichkeit von Frankensteins Höllenbrut.

Und wenn dazu noch die Traumata des selbstverständlich aus autobiographischen Motiven und den Urgründen des Unbewussten schöpfenden Autors beschworen werden, ist der selbstreferenzielle Spaß vollends bei sich. Wie einst, als die Gremlins den Film, in dem sie selber spielten, aus dem Projektor rissen.

Gänsehaut. USA 2015. Regie: Rob Letterman. 104 Min.

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