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Neu im Kino: Die Putzfrauen des Todes

"Sunshine Cleaning" ist eine abgründig humorige Familiengeschichte von Christine Jeff. Allein der Auftakt ist fulminant für einen Film, der sich nicht nur mit der amerikanischen Waffenlobby auseinandersetzt. Von Heike Kühn

Ich habe genau das, was Sie brauchen", sagt der Waffenhändler zu seinem Kunden. Der Kunde dreht sich um, steckt eine Patrone in das Gewehr und erschießt sich.

Ein fulminanter Auftakt für einen Film, der sich nicht nur mit der amerikanischen Waffenlobby auseinandersetzt, die Waffenbesitz als Recht auf ein selbstbestimmtes Leben vermarktet. Doch es kommt noch schwarzhumoriger in Christine Jeffs "Sunshine Cleaning", dem vorjährigen Gewinner des auf schräge Qualitäten setzenden Sundance Film Festivals.

Weltweit produzieren Actionfilme Film-Leichen. Ihr Blut bildet Lachen auf dem Marmorboden von Mafia-Villen oder tropft in Drogenlabors von kokainbestäubten Wänden. Ein Szenenwechsel - und die Schweinerei ist weg. "Sunshine Cleaning", schon der Titel ist Teil einer hochkomischen Arbeit am Mythos des sauberen Fang-Schusses, räumt buchstäblich auf mit den sterilen Kino-Vorstellungen vom Sterben.

Dabei geht es vordergründig nur darum, wie es Rose, der alleinerziehenden Mutter eines fantasiebegabten Achtjährigen, gelingen könnte, ihre notorisch unzuverlässige Twentysomething Schwester Norah und ihren Vater durchzufüttern. Roses Liebhaber ist verheiratet und verspricht die Scheidung. Wenigstens als Polizist spricht er die Wahrheit: Tatorte von den Resten etwaiger Opfer, Täter oder Selbstmörder zu reinigen, bringt viel Geld.

Amy Adams leiht der tapferen Rose ein unwirkliches Cheerleader-Lächeln; Emily Blunt versteckt Norahs Verletzlichkeit hinter aberwitziger Schnoddrigkeit. Ihre großartige Performance überträgt die Tragikomik der Situation auf eine tiefgründige Analyse des amerikanischen Traums. Bald werden die Putzfrauen des Todes professioneller und entladen den "Bio-Sondermüll" nicht mehr in öffentlichen Mülltonnen.

"Sunshine Cleaning" spiegelt den Verdrängungsprozess einer ganzen Nation, die den Tod ins Kino und die TV-Nachrichten ausgelagert hat. Als Hochdruckreiniger für traumatisierte, der unausweichlich tödlichen Konsequenz des Lebens entfremdete Seelen, setzt der Film auf die große Kunst, in zynischen Sprüchen oder Blickwinkeln hilflose Trauer zu erkennen. Und dann sind da noch die Kino-Bilder, die heilen können.

Sunshine Cleaning, Regie: Christine Jeffs, USA 2008, 91 Minuten.

Autor:  HEIKE KÜHN
Datum:  20 | 5 | 2009
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