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Film

09. Januar 2013

Oscar-Nominierungen 2013: Trophäenfieber in Hollywood

 Von Patrick Heidmann
Vielen hätten gerne einen: den Oscar. Foto: dpa

Morgen werden die Oscar-Nominierungen 2013 bekannt gegeben. Zu den Favoriten gehören unter anderem Prestige-Produktionen wie "Lincoln" und "Life of Pi", aber auch einige Überraschungserfolge.

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Wenn am 10. Januar die Oscar-Nominierungen des Jahres 2013 bekannt gegeben werden, dann ist das nicht der Startschuss für den alljährlichen Wettkampf um den wichtigsten Filmpreis der Welt, sondern eigentlich nur die letzte Etappe vor dem Ziel. Für Brancheninsider wurde die Oscar-Saison nämlich spätestens im vergangenen September bei den Festivals von Venedig und Toronto eröffnet. Seither kommen – begleitet von großen Kampagnen – beinahe im Wochentakt all jene Filme in die amerikanischen Kinos, die sich Hoffnungen darauf machen, nun in die Vorauswahl für die Oscars zu kommen.

Groß gegen klein, David gegen Goliath – solche Formeln sind der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich die Konkurrenz herunterbrechen lässt. Zu den Favoriten gehören auf der einen Seite aufwendige Prestige-Produktionen wie Steven Spielbergs Präsidentenbiografie „Lincoln“, Ang Lees Bestseller-Adaption „Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger“ oder Tom Hoopers Musical „Les Misérables“. Filme also, deren Opulenz wie gemacht zu sein scheint für den Geschmack der Oscar-Wähler. Auf der anderen Seite mischen aber auch wieder allerlei oft unabhängig produzierte Überraschungserfolge mit, die noch vor wenigen Monaten niemand auf der Rechnung hatte. Darunter David O. Russells Tragikomödie „Silver Linings“ und Ben Lewins „The Sessions“, oder auch der Festivalerfolg „Beasts of the Southern Wild“ von Benh Zeitlin. Zwischen diesen Polen des US-Kinos machen am Ende womöglich die beiden Geheimdienstgeschichten „Argo“ (Regie: Ben Affleck) und „Zero Dark Thirty“ (Kathryn Bigelow) das Rennen unter sich aus.

Genauso spannend wie die Frage, ob all diese Filme tatsächlich die meisten Nominierungen auf sich werden vereinen können, ist jene, wie viele überhaupt nominiert werden. 2010 erhöhte die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, deren Mitglieder über die Oscars abstimmen, in der Hauptkategorie Bester Film die Anzahl der Nominierungen von fünf auf zehn. Seit 2011 gilt nun die Ansage: mindestens fünf, höchstens zehn. Im Einzelnen berechnet sich das nach einem komplizierten Verfahren, bei dem ein Film auf mindestens fünf Prozent aller Stimmzettel auf Platz 1 gewählt werden muss. 2012 traf das auf neun Produktionen zu.

Eins steht auf jeden Fall fest, wenn man sich die diesjährigen Oscar-Favoriten ansieht: Mehr denn je dürfte die Academy – deren Durchschnittsmitglied weiß, männlich und über 60 Jahre alt ist – auf Bewährtes setzen.

In den vergangenen Jahren hatte man sich auf Neuland vorgewagt und einen französischen Schwarzweiß-Film („The Artist“, 2012“), einen überwiegend TV-erprobten Regisseur (Tom Hooper mit „The King’s Speech“, 2011) und eine Geschichte aus den Slums von Mumbai (Danny Boyles „Slumdog Millionär“, 2009) prämiert. Die meisten Preisanwärter 2013 sind dagegen alte Bekannte, allesamt bereits Oscar-Preisträger und etablierte Meister des englischsprachigen Kinos. Selbst Ben Affleck, der bei „Argo“ zum dritten Mal Regie führte, hat schon einen Oscar. Unter den favorisierten Darstellern sind von Denzel Washington, Philip Seymour Hoffman und Robert De Niro bis Helen Hunt, Maggie Smith und Marion Cotillard gleich reihenweise frühere Gewinner zu finden.

Überraschende und ungewöhnliche Entscheidungen bei den diesjährigen Nominierungen sind dennoch denkbar. Manche der mal selbst ernannten, mal hauptberuflichen Experten, die seit Wochen im Internet ihre Oscar-Prognosen aufstellen, halten es beispielsweise für nicht ausgeschlossen, dass „Skyfall“ von Sam Mendes in der Kategorie Bester Film auftaucht. In der Tradition der Academy käme das einer kleinen Sensation gleich: Mit massentauglichen Action-Blockbustern hat man es sonst nicht so, und gerade den Bond-Filmen wurde in 50 Jahren nie die Ehre eine Nominierung in den Hauptkategorien zuteil.

Geschichte schreiben könnte auch Kathryn Bigelow („Zero Dark Thirty“). Wird sie – was wahrscheinlich ist – für die Beste Regie nominiert, ist sie die erste Frau der Oscar-Geschichte, die in dieser Kategorie ein zweites Mal zum Zuge kommt. Auch bei den Hauptdarstellerinnen liegt ein Novum in der Luft: Womöglich werden mit Marion Cotillard („Der Geschmack von Rost und Knochen“) und Emmanuelle Riva („Liebe“) erstmals zwei Französinnen gleichzeitig nominiert. Unterdessen darf sich Michael Hanekes Cannes-Gewinner „Liebe“ auch in anderen Kategorien Chancen ausrechnen, etwa beim Drehbuch, was keine Selbstverständlichkeit ist. Als bester nicht-englischsprachiger Film ist „Liebe“, neben „Ziemlich beste Freunde“, ohnehin Favorit. Für Deutschland war „Barbara“ in dieser Kategorie ins Rennen gegangen. Dass dieser Titel morgen bei der Verkündung der Nominierung nicht zu hören sein wird, steht schon jetzt fest. In die Vorauswahl, die die ausländischen Kandidaten von 71 auf 9 reduzierte, hat es der Film von Christian Petzold nicht geschafft.

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