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Film

06. Dezember 2012

Oscars 2013: Rezension "Ralph reicht's!"

 Von Daniel Kothenschulte
Nach einer Gruppensitzung der Anonymen Computerschurken beschließt Ralph: Jetzt reicht's!Foto: Walt Disney Motion Pictures

Der Animationsfilm "Ralph reicht's!" von Disney und Pixar ist eine liebenswerte Zeitreise in die Spiele-Steinzeit von Pacman und Co. - und rührt nicht nur Männerherzen.

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Seit sich das Disney-Studio 2006 die digitale Trickfilmschmiede Pixar einverleibte, überwacht deren kreativer Kopf John Lasseter die gesamte Animationsfilmproduktion des Konzerns. Trickfilmfans beobachten das mit ebenso viel Spannung wie Bangen. Denn einerseits war Lasseter schon immer ein bekennender Disney-Fan, der vor allem die Erzähltechniken von Walt Disney aufs Pixar-Studio übertrug. Andererseits sind ihm Zuckerbäckerstil und falscher Feenstaub ebenso ein Graus wie überbordende Musical-Nummern. Die meisten Pixar-Filme wirken daher wie entstaubter Disney. „Ralph reicht’s!“ ist dagegen der erste Disney-Film, der wie eine Pixar-Produktion anmutet. Und das nicht, weil der Film im Inneren eines Computerspiels angesiedelt wäre (der Disney-Konzern hatte diesen Einfall bereits 1982 bei „Tron“), sondern im wirkungsvollen Umgang mit der Emotion.
Die Titelfigur Ralph ist einer jener nicht gerade mit Esprit gesegneten, hemdsärmligen Kerle, wie man sie oft in Pixar-Filmen gesehen hat: Als Computerspielfigur würde er sich gut mit der Plastikpuppe Buzz Lightyear aus „Toy Story“ verstehen, die vom Kinderzimmer aus die Welt retten will. Ralphs Problem: Seit 30 Jahren darf er im Konsolenspiel „Fix it Felix“ nur einen tumben Kraftprotz geben, der zerstört, was ein arroganter Jüngling reparieren muss. Disney-Fans werden in Ralph den legendären Riesen Willie wiederkennen, den Micky Maus 1947 über den Umweg einer Bohnenranke kennen- und besiegen lernte.

Das ist das Schöne, wenn man einen Fan zum König über das geliebte Spielzeugland ernennt: Lasseter fühlt sich wirklich ein in die Materie. Wie fraglos auch der von den „Simpsons“ kommende Regisseur und Autor Rich Moore. Die Frustration, die sie dem ewigen Verlierer zusprechen, ist vielleicht auch die des Gamers, der seinem Lieblingsspiel gern die Treue halten würde, aber feststellen muss, dass er es leider durchgespielt hat. Was also könnte interessanter sein, als das Spiel ein wenig zu tunen und der Figur ein zweites Leben zu gönnen?

Gruppentherapie der Anonymen Spieleschurken

Bei einer Gruppentherapie-Sitzung der Anonymen Spieleschurken trifft Ralph auf Pacman und Co, Leidensgenossen aus echten und erfundenen Spiele-Klassikern. Das Spiel „Fix it Felix“ hat es nie gegeben, aber in seiner primitiven Optik und Dramaturgie sowie der monophonen Piep-Akustik weckt es Erinnerungen an die Spiele-Steinzeit: jene Ära, als die Pixel laufen lernten. Wie bei „Toy Story“ und „Cars“ rührt Lasseter wieder mal Männerherzen. Keine schlechte Strategie für einen Familienfilm.

Behutsam wird das im klassischen Trickfilm kaum je hinterfragte Verhältnis der Geschlechter umgekrempelt, wenn sich Ralph in eine Leidensgefährtin verliebt. Die Rennspiel-Königin Venellope von Schweetz wurde wegen eines Pixel-Fehlers ausgemustert aus „Need for Speed“.

Jingle-und-Klingel-Sinfonie

Rund vier Jahre arbeitet man bei Disney an einem Animationsfilm, und nicht immer gelingt es dann beim Kinostart, den Zeitgeist so zu treffen wie bei diesem Fall. Wir leben im Zeitalter des Retro; längst ist vieles hip, was mal uncool war, auch die lange verschmähten Konsolenspiele. Meisterhaft ergründen die Animatoren die Ästhetik von Computerspielen: die Primärfarben und das einfache Belohnungssystem auf der Geräuschebene. Der Soundtrack dieses liebenswerten Films ist eine wahre Jingle-und-Klingel-Sinfonie.

Anders als der Titelheld kriegt man kaum genug von dieser Reise in die Game-Archäologie. „Ralph reicht’s“ reicht uns noch lange nicht.

Ralph reicht’s USA 2012. Regie: Rich Moore. 101 Min., Farbe. FSK o. A.

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