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Ossi-Roadmovie "Friendship": Wie ein verordneter Bruderkuss

Ost und West - in Brüderlichkeit versöhnt. Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Das Roadmovie "Friendship" bringt uns mit seinen Ideen von der Stange da keinen Schritt weiter, findet Daniel Kothenschulte

Auch dieses Roadmovie glaubt, nicht auf eine Verfolgungsjagd mit Ordnungskräften verzichten zu können.
Auch dieses Roadmovie glaubt, nicht auf eine Verfolgungsjagd mit Ordnungskräften verzichten zu können.
Foto: Sony Pictures

Der eiserne Vorhang war zumindest auf der einen Seite etwas durchsichtig: Im Osten wusste man von der westlichen Popkultur eine ganze Menge, umgekehrt dagegen fast nichts. Wie selbstverständlich ging man bei ARD und ZDF davon aus, dass ihre Produkte "dort drüben" reichlich Anklang fanden. Was aber natürlich nicht bedeutete, regelmäßig DEFA-Filme ins Programm zu nehmen. Das osteuropäische Kino jenseits der Kunstnische war in Westdeutschland völlig unbekannt. Wen mochte es da wundern, dass sich nach der Maueröffnung Fremdheit nur zögerlich in "Friendship" wandelte, von Brüderlichkeit ganz zu schweigen.

Wie ein von höchst-filmförderlicher Instanz verordneter Bruderkuss kommt nun ein Film daher, wie man ihn vor zwanzig Jahren vielleicht gut hätte gebrauchen können. Einiges von den Abenteuern zweier junger Ossis, die in diesem Historien-Road-Movie im Sommer des Jahres 1990 mittellos die USA bereisen, basiert auf den Erinnerungen des Filmemachers Markus Goller. Möglicherweise sind dies jene hübschen Momente, in denen die Reisenden versuchen, ihre Amateur-Super-8-Filme in amerikanischen Fernfahrerkneipen zu Geld zu machen. Da sieht man eine herrlich stümperhafte Nosferatu-Parodie und einen durchaus anrührenden kleinen Heimatfilm.

Diese Augenblicke gehören zum wenigen an diesem Film, das nicht von der Stange des Erwartbaren kommt - und tatsächlich an eine wenig besungene Kunstnische der DDR erinnert: Die blühende Schmalfilmszene. Was für einen schönen Spielfilm könnte man sich darüber vorstellen?

Hier aber muss einmal mehr alles aussehen wie aus dem westlichsten Westen, aus Hollywood: Dabei waren Road-Movies ja einmal selbst ein Ausdruck künstlerischer Ausbruchsutopien. "Easy Rider", der schließlich auch in der späten DDR gezeigte Klassiker des Straßenfilms, flüchtete buchstäblich aus den Mauern der Studios und Drehbuchschmieden. Heute aber scheinen Filmemacher das Roadmovie für ein Genre mit zwingenden Konventionen zu halten.

So gibt es auch in "Friendship" die obligatorische Verfolgungsjagd mit Polizisten, lüsterne Chicks, die leichte Beute wären, wenn ihnen nicht ein Daddy mit Schrotflinte zur Seite stünde. Und es gibt ein geheimes, sentimentales Reiseziel, wie es heute eben so Brauch ist im touristischen Road-Movie à la "My Blueberry Nights": Einer der Jugendlichen hofft auf die Begegnung mit dem verlorenen Vater, einem in San Francisco untergekommenen DDR-Flüchtling.

So kommt alles wie es kommen muss. Dabei wurde das Roadmovie doch einmal erfunden, um dem Überraschenden eine Form zu bieten. Warum muss immer alles so schrecklich erwartbar sein? Natürlich haben die beiden, Friedrich Mücke und Matthias Schweighöfer, genügend Un-Gemeinsamkeiten, um sie zwischen der Ost- und der Westküste der USA auch gründlich abzuarbeiten. Dass sie - in Unkenntnis des dazugehörigen Films - ein Darth-Vader-Kostüm mit sich herumschleppen, ist allerdings nur aufgesetzte Symbolik: Der Rucksack-Skywalker mit dem unbekannten Vater im Nacken, darauf muss man erst einmal kommen. Doch ehe es zur finalen Abarbeitung kommt, ist man als Zuschauer vielleicht schon republikflüchtig geworden.

Friendship, Regie: Markus Goller, Deutschland 2009, 110 Minuten.

Autor:  Daniel Kothenschulte
Datum:  14 | 1 | 2010
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