Pünktlich zum 40. Jahrestag der DDR zieht Franzi nach Berlin. Mehr als ein West-Zimmer mit Mauerblick ist für das von Felicitas Woll gespielte Erstsemester nicht drin, dafür sind die kleinen Preise nur einen Grenzübergang entfernt. Schrippen, Butter, Wurst und Käse: Alles spottbillig, da lohnt sich sogar der Zwangsumtausch. Auf dem Rückweg aus dem sozialistischen Einkaufsparadies reißt Franzi eine ihrer prall gefüllten Tüten, woraufhin ein galanter Grenzsoldat mit dem Besen herbei eilt und mit einem Bein im Westen Franzis Herz gewinnt.
Obwohl Sascha anschließend brav zurückkehrt, nimmt die Stasi seine flüchtige Romanze ziemlich krumm. Nach dem Mauerfall war Peter Timm einer der ersten, der im deutsch-deutschen Happy End den Stoff für eine Komödie sah, und so ist es nur recht und billig, dass er auch jetzt wieder zur Stelle ist. Nachdem er in "Go Trabbi Go" die Aufbruchsstimmung der Wendezeit auf die Straße brachte, ist sein Film über die "Liebe Mauer" jetzt der nostalgischen Erinnerung an einen einmaligen historischen Moment gewidmet.
Liebe Mauer, Regie: Peter Timm, Deutschland 2009, 107 Minuten.
Franzi macht tageweise in den Osten rüber, um Sascha nach Dienstschluss sehen zu können, und tauscht sogar mit Saschas bester Freundin die Pässe. An dieser Stelle schlägt die Romanze in eine Komödie der Irrungen und Wirrungen um: Franzi wird von der Stasi mit ihrer Stellvertreterin verwechselt und als IM rekrutiert, während CIA und BND in Franzis Wohnung nacheinander eine vor Schreck verstummte Sächsin für den Dienst am Vaterland verpflichten.
"Liebe Mauer", Trailer. Deutschland 2009
In den ernsten Momenten ist Timm leider nicht ganz so einfallsreich, zumal was das Rollenfach des typischen DDR-Bürgers angeht. Da gibt es den vierschrötigen und den duckmäuserischen Stasi-Offizier, den überzeugten Kommunisten und die Oma mit Herz, den Angepassten und den Aufbegehrenden, und zu allem Überfluss entkommt dann auch noch ein symbolisch eingefärbter Papagei aus seinem Ost-Berliner Käfig und fliegt durch die Nacht in eine ungewisse Zukunft.
Am Ende bleibt vor allem der Augenblick, in dem ein Kuss den Mauerfall versüßt - und umgekehrt.