Autoren von Agentengeschichten haben einen so herrlichen Beruf, dass sie sogar von echten Agenten darum beneidet werden. John Le Carré zum Beispiel tauschte seinen Job beim britischen Geheimdienst gegen ein sicheres und behagliches Plätzchen am Schreibtisch.
Man muss es Patrick O’ Neill, dem Drehbuchautor des Agentenfilms „Knight and Day“ zu Gute halten, dass er zu keinem Zeitpunkt so tut, als sei er John Le Carré. Dafür überrascht er mit einer Vereinfachung des literarischen Handwerks, von dem auch der erfahrenste Autor noch lernen könnte: Wann immer die unfreiwillige Reisegefährtin (Cameron Diaz) eines um die Welt gehetzten Agenten in eine wirklich ausweglose Situation gerät, gibt es einen Schnitt und sie wacht an anderer Stelle wieder auf. Fragen werden nicht gestellt, denn June Havens ist verliebt in ihre Zufallsbekanntschaft, die aussieht wie Tom Cruise. Nur wir als Publikum fragen uns, warum wir nicht einfach weiterschlafen.
Dabei hat „Knight and Day“ durchaus Charme, aber es ist die Sorte Charme, die man auch bei Menschen, die nichts im Kopf haben, nur eine begrenzte Zeit genießt. Es ist charmant, wie sich das Paar auf einem Flughafen kennen lernt. Selbst wenn der Agent die arglos wirkende Frau benutzt, um einen begehrten Gegenstand zu schmuggeln, gönnen wir ihm seinen Erfolg. Während die Frau noch auf der Flugzeugtoilette über die Entscheidung brütet, sich auf den Flirt auch einzulassen, hat der schon alle Passagiere und die beiden Piloten erschossen. Nicht schlimm, der Flieger war gekapert und die folgende Bruchlandung in einem Acker kann man romantisch finden.
Früher hätte man sich eine Filmromanze mit Audrey Hepburn und Cary Grant zu diesem Anfang vorgestellt. Dass Diaz und Cruise hier wie Zweitbesetzungen wirken, verübeln wir ihnen nicht. Ihm steht das Abgehalfterte so gut wie ihr das nicht ganz Aufgetakelte. Man glaubt gern, dass hier Pott und Deckel trotz Schönheitsfehler zueinander finden. Doch anstatt dem Charme zu folgen, hetzten beide nur so durch den Film.
Das Special-Effect-Feuerwerk über ihren Köpfen interessiert kein Bisschen. Ebenso wenig die Komplikationen, die zwar zum Agentengenre dazu gehören, aber normalerweise bessere Auflösungen finden als plötzliche Nickerchen. „Knight and Day“, immerhin inszeniert von James Mangold („Walk the Line“), sieht aus wie ein kleiner Film, den man so lange aufgeblasen hat, bis er seinen Reiz verloren hat. Auch die Plots der „Bourne“-Reihe, auf die hier Bezug genommen wird, erscheinen einem absurd. Aber selbst in einer Parodie – das schönste Beispiel ist Stanley Donens Klassiker „Charade“ – kann Spannung entstehen oder zumindest eine dramatische Steigerung. Doch von dieser Kunst unterscheidet sich „Knight and Day“ wie die Nacht vom Tag.
Knight and Day, Regie: James Mangold, USA 2010, 109 Minuten.