Nach dem Vorspann, der aussieht, als habe jemand weiße Mäuse oder zu oft „Stuart Little“-Filme gesehen, sind wir mitten in der Finanzkrise. Drei Angestellte einer Private-Equity-Gesellschaft schauen einem gefeuerten Kollegen hinterher, bemühen sich vergeblich um ein Mindestmaß an Mitgefühl und rangeln munter um den frei gewordenen Posten. Tim prescht am schnellsten vor: Er hat entdeckt, dass ein Schweizer Multimillionär eine Schwäche für Geschmacklosigkeiten jeder Art pflegt und ködert ihn mit einer ausnehmend hässlichen Lampenkreation. Sein Boss ist angetan und lädt ihn zu einem Dinner für Führungskräfte und deren Gäste ein. Der Haken daran: Die Gäste sollen möglichst dämliche Idioten sein, auf deren Kosten sich die Gastgeber amüsieren können.
Egal, welche Skrupel Tim beiseite räumen muss, zum Feierabend ist sein Entschluss gefasst: Er will mit den Haien schwimmen und endlich in der Lage sein, seiner Freundin das Leben zu bieten, das sie seiner Meinung nach verdient. Bleibt nur die Frage, wo er den zum beruflichen Aufstieg dringend benötigten Spinner auftreiben soll, schließlich wachsen die nicht auf Bäumen – sollte man meinen. Doch schon am nächsten Morgen fällt Tim das Gesuchte in den Schoss. Der von Steve Carrell gespielte Barry stopft mit Vorliebe tote Mäuse aus, um sie in selbstgebastelten Kitschwelten zu drapieren. Zudem ist er so gutgläubig und weltfremd, dass es beim bloßen Zuschauen schmerzt, und vor allem zu dämlich, seine Unzulänglichkeiten zu bemerken. Tim frohlockt, lädt Barry zum in zwei Tagen anstehenden Dinner ein, und ahnt nicht, was er sich damit aufhalst. Einige Stunden später hat ihn „sein“ Spinner beruflich wie privat ins Chaos gestürzt.
Jay Roachs Komödie „Dinner für Spinner“ fällt im Wesentlichen mit ihrem sprechenden Titel in eins. Roach lässt nach dem Vorbild des gleichnamigen französischen Originals eine lange Reihe von Sonderlingen über die Leinwand defilieren, damit wir über sie lachen können. Neben Barry sind das ein Finanzbeamter, der glaubt, er könne Gedanken lesen und Hirne kontrollieren, ein Künstler, der sich für den griechischen Gott Dionysos zu halten scheint und damit weltweit Erfolge feiert, der affektierte Schweizer Multimillionär samt Ehefrau, eine sexbessene Stalkerin und natürlich das zum Dinner bestellte Spinner-Aufgebot.
Einige dieser Einlagen sind verdammt komisch, und sich über die Idiotien des Kunstmarkts lustig zu machen, ist zudem nie verkehrt. Aber so ganz will das doppelte Spiel der Autoren nicht verfangen: Einerseits sind die Spinner reine Lachnummern, andererseits sollen wir sie lieb gewinnen, uns an ihrem rührenden Idealismus ein Beispiel nehmen und in den neunmalklugen Finanzakrobaten die wahren und überdies gemeingefährlichen Trottel erkennen. Das ist zwar nett ausgedacht, aber vielleicht doch etwas zu viel des Guten. Schließlich bleibt auch hier ein armer Tropf, wer nicht geschäftstüchtig genug ist, seinen Spleen zur Marke zu verklären.
Dinner für Spinner, Regie: Jay Roach, USA 2010, 114 Minuten.