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Film

20. März 2013

Spring Break Film: Alkoholexzesse, Drogen und jede Menge Sex

 Von Sebastian Moll
Bis zum Umfallen: An den kalifornischen Stränden fließt beim Springbreak Hochprozentiges. Foto: rtr

Zwischen Realismus und Voyeurismus: Der Kinofilm „Spring Breakers“ provoziert in den USA eine neue Diskussion über die wilden Partys, die College-Studenten in den Semesterferien feiern.

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Das Phänomen des Spring Break fasziniert den Filmemacher Harmony Korine schon seit Jahren. Es geht um jene rituelle Migration Hunderttausender amerikanischer Studenten an die Strände von Florida, wo sie die Frühjahrs-Semesterferien zu einer gigantischen kollektiven Orgie aus Alkohol, Drogen und beliebigem Sex nutzen. Wie extrem es dort zugeht, konnte Korine allerdings selbst nicht fassen.

„Ich habe in mein Hotel eingecheckt und am Pool lagen Dutzende von Jugendlichen, die offen Sex miteinander hatten. Alles war vollgekotzt, die Kids haben überall Sachen angezündet, und die ganze Zeit dröhnte Taylor Swift aus den Anlagen. Das war verrückt.“

In seinem Film „Spring Breakers“, der pünktlich zum Beginn der Unterrichtspause in den Colleges am vergangenen Wochenende in den amerikanischen Kinos angelaufen ist, hat Korine seine Beobachtungen auf die Leinwand gebracht. Gleich zur Eröffnung sehen wir einen Strand in Florida Anfang März, übersät mit jungen, beinahe nackten Körpern, die sich schwitzend zu den Klängen von Skrillex in der Sonne winden. Das Bier fließt in Strömen, wird per Trichter in die Kehlen 17-jähriger Mädchen gefüllt und über ihre Leiber gegossen. Kokain wird von entblößten Brüsten geschnupft, deren Besitzerinnen bewusstlos im Sand liegen. Allein vom Zuschauen wird einem übel.

Feuersturm der Entrüstung

Und dennoch ergoss sich über Korines Film zum Start ein Feuersturm der Entrüstung. Korine, so die Kritik, verherrliche die alljährliche Studentensause. Die schönen Körper, die floridianischen Pastelltöne, in denen das alles gezeigt wird, der Soundtrack, der exakt die Zielgruppe der 17- bis 21-Jährigen anspricht, all das würde die amerikanische Jugend noch mehr dazu animieren, sich für zwei Wochen im März dem völligen Nihilismus hinzugeben.

Dementsprechend sind die Reaktionen auf den Film, der an seinem Eröffnungswochenende in New York und Los Angeles die Kassenrekorde brach. Der Fernsehsender ABC strahlt seit Tagen einen ausführlichen Beitrag über die Gefahren aus, die auf die amerikanische Jugend in Florida lauern. Vor Alkoholexzessen wird gewarnt und an die zahlreichen Todesfälle durch Alkoholvergiftung und durch Alkohol am Steuer erinnert. Vor allem jedoch wird jungen Mädchen eindringlich die enthemmende Wirkung von Drogen vor Augen geführt, die zu unerwünschten sexuellen Aktivitäten und zu verfrühten Schwangerschaften führen kann.

Diese puritanische Besorgnis ist freilich nicht neu. Schon 1959 fuhren Mitarbeiter des Time-Magazines im März nach Florida, um einen investigativen Bericht über das damals neue Phänomen Spring Break zu schreiben. „Beer and the Beach“ hieß der Text, in dem ein Student gestand, „wir trinken hier den ganzen Tag.“ In den 70er-Jahren war Spring Break dann bereits zur Massenmigration gen Süden mutiert. Mehr als 300.000 Studenten fluteten Fort Lauderdale und verwandelten den Ort in ein einziges Partygelände. Nach South Padre Island in Texas, wo gewöhnlich nur 2.000 Menschen leben, kamen in den ersten beiden Märzwochen 180.000 Studenten.

Schon zu diesem Zeitpunkt waren die Sitten an den Frühlings-Stränden in jeder Hinsicht entgleist. Dutzende von Dokumentarfilmen aus den 70er- und 80er-Jahren zeigten junge Mädchen, die sich in Florida hemmungslos betrinken, sich tätowieren lassen und sich männlichen Kommilitonen – oder noch schlimmer – örtlichen Taugenichtsen hingeben.

Film
Handlung
Der Schurke
Party

Spring Breakers ist ein US-amerikanischer Spielfilm, der ab Donnerstag auch in den deutschen Kinos läuft. Regie führte Harmony Korine, die Hauptrollen spielen Selena Gomez, Vanessa Hudgens, Ashley Benson und Rachel Korine.

Die Handlung dreht sich um vier Freundinnen aus gutem Hause, die sich seit der Grundschule kennen. Sie gehen gemeinsam aufs College und während der Semesterferien wollen die vier nach Florida reisen, um dort ihre Ferien zu verbringen. Kaum in Florida angekommen, geraten sie in einen Sumpf aus Drogen und werden festgenommen.

Von einem Drogen- und Waffenhändler, der sie bei der Verhandlung beobachtet hat, werden sie freigekauft. Doch gleichzeitig zieht er sie noch tiefer ins Verderben.

Die Partys in Florida sind für die Mädchen das Paradies, für den Zuschauer wird es im Verlauf des Films jedoch zunehmend zum Alptraum. Zu einem Alptraum aus Alkohol, Drogen, Waffen und einem permanenten Konsumkapitalismus.

Natürlich hatten alle diese Filme neben dem aufklärerischen Anspruch auch einen deutlich voyeuristischen Unterton. Streifen wie „Spring Break Uncensored“ waren nichts anderes als der amerikanische „Schulmädchenreport“. Zu den „Girls Gone Wild“-Videos der 90er-Jahre, die den aufklärerischen Anspruch komplett wegfallen ließen, war es nur noch ein kleiner Schritt.

Zwischen Realismus und Voyeurismus

Der Vorwurf an „Spring Breakers“, kaum mehr als eine 90-Minuten-Version von „Girls Gone Wild“ zu sein, wird allerdings Harmony Korine nicht gerecht. Korine interessiert sich bei genauem Hinschauen nämlich vielmehr dafür, was das Spring Break-Phänomen über den Zustand der amerikanischen Gesellschaft aussagt. Das Ergebnis ist, wie Manohla Dargis in der New York Times schreibt, „eher ein Horrorfilm als eine Komödie.“

Der Realismus von Korine kann ihm zwar, wenn man böse sein will, als Voyeurismus ausgelegt werden. Er dient aber unmissverständlich vor allem dazu, sein beißendes kulturkritisches Argument zu unterstreichen. In Korines Film ist Spring Break keine Verirrung. Es ist vielmehr die Verwirklichung des amerikanischen Traums oder wenigstens dessen, was daraus geworden ist: Ein Dauerzustand der hedonistischen Dröhnung.

Spring Breakers. Thriller von Harmony Korine. Mit James Franco, Selena Gomez, Vanessa Hudgens. USA '12, FSK: ab 16. Start: 21.03.13

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