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Steven Soderberghs "Der Informant!": Nachrichten aus der Wirtschaftswelt

Soderbergh stößt sein Publikum in "Der Informant!" mit der Nase darauf, dass mit dem Wirtschaftsspion Whitacre etwas nicht stimmt. Das Tragische bleibt zugunsten von Stil und billigen Lachern auf der Strecke. ( mit Trailer)

Matt Damon spielt den Informanten - leider als total unkomischen Clown.
Matt Damon spielt den Informanten - leider als total unkomischen Clown.
Foto: Warner Bros.

In letzter Zeit haben Farcen aus dem realen Wirtschaftsleben wieder Konjunktur, gerne auch mit kriminellen Untertönen. Einen besonders pikanten Fall greift Steven Soderbergh in seinem neuesten Film auf: Anfang der 90er Jahre erleichterte ein Manager von Archer Daniels Midland, einem mit Agrarprodukten reich gewordenen Unternehmen, sein Gewissen und beichtete dem FBI die illegalen Preisabsprachen seines Arbeitgebers mit der multinationalen Konkurrenz.

Der Schaden ging in die Milliarden, und so überredeten die Ermittler ihren zunächst widerstrebenden Informanten, sich in fortgeschrittenen Geheimdiensttechniken zu versuchen. Über zwei Jahre lang schnitt Mark Whitacre heimlich Firmeninterna mit und arrangierte schließlich eine Kartellabsprache vor laufender Kamera. Als im Film die Falle zuschnappt, glaubt sich das FBI am Ziel und ahnt nicht im Entferntesten, worauf es sich mit seinem Kronzeugen eingelassen hat.

Soderbergh stößt sein Publikum hingegen mit der Nase darauf, dass mit seinem Off-Erzähler etwas nicht stimmt. Whitacre macht das von ihm tölpelhaft betriebene Agentenspiel einfach zu viel Spaß, und mit Kassenbrille, Schnurrbart und Toupet wirkt er ohnehin wie jemand, der etwas zu verbergen hat. Tatsächlich füllt sich Whitacre nicht nur beherzt die eigene Tasche, er kann auch nicht die Wahrheit sagen, ohne gleichzeitig zu lügen - und umgekehrt.

"Der Informant", Trailer. USA 2009

Bald verzweifeln die FBI-Beamten angesichts immer neuer Enthüllungen über ihren Informanten, während Whitacre allen Ernstes zu glauben scheint, dass er, sobald seine Vorgesetzten erst einmal im Gefängnis sitzen, automatisch Leiter der von ihm verratenen Firma wird. Mit anderen Worten, Whitacre glaubt nicht nur, schlauer als das FBI zu sein, sondern auch noch, das ganz große Geschäft zu machen.

Im Grunde ist "Der Informant!" die tragikomische Geschichte eines gleichermaßen durchtriebenen wie rührend naiven Menschen, dem die Geltungssucht irgendwann den Sinn für die Realitäten raubt. Bei Soderbergh bleibt das Tragische allerdings weitgehend zugunsten von Stil und teils billigen Lachern auf der Strecke: Er setzt das Ausrufezeichen nicht nur hinter den Titel seiner haarsträubenden Geschichte, sondern auch hinter jede Szene seines aus unerfindlichen Gründen (außer dass es gut aussieht) im Look der 70er Jahre gedrehten Films. Der von Matt Damon gespielte Whitacre ist bei ihm ein lächerlicher Clown, über den wir uns auf Kommando amüsieren sollen: Ständig geben entgeisterte Anwälte und Ermittler die entsprechenden Reaktionen vor, und Marvin Hamlisch zitiert in seinem virtuosen Soundtrack sicher nicht zufällig die leicht schräge Musik aus den Sitcoms der 70er. Es fehlt nur noch die Lachkonserve und die Fernsehfarce wäre perfekt.

In diesem Fall haben nicht nur Lügen kurze Beine, sondern auch Soderberghs auf die Oberfläche bedachter Komödienstil. Dabei genügt eine einzige Szene, um zu ahnen, was aus dem Film hätte werden können: Der traurige Held muss wieder einmal Rede und Antwort stehen, als sein Off-Kommentar plötzlich nicht mehr wild herumgeistert, sondern ihm seine Aussage souffliert. Für einen flüchtigen Augenblick begegnen sich die beiden Persönlichkeiten Whiteacres, und genau diese Selbsterkenntnis scheint er mehr zu fürchten als alle Strafen dieser Welt.

Der Informant!, Regie: Steven Soderbergh, USA 2009, 108 Minuten.

Autor:  Michael Kohler
Datum:  4 | 11 | 2009
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