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Terminator 4: Nur noch Spurenelemente

Höchstens die Cyborgs sind dem Zuschauer zu empfehlen: "Terminator - Die Erlösung" ist ein einfallsloser Aufguss. Zwar steht Terminator drauf, Schwarzenegger ist aber keiner drin. Von Daniel Kothenschulte ( mit Video)

Im postapokalyptischen Jahr 2018 ist John Connor vom Schicksal dazu auserkoren, den Widerstand der Menschen gegen Skynet und seine Armee von Terminatoren anzufuehren.
Im postapokalyptischen Jahr 2018 ist John Connor vom Schicksal dazu auserkoren, den Widerstand der Menschen gegen Skynet und seine Armee von Terminatoren anzufuehren.
Foto: ddp

Wenn sie hingehen und General Motors verschrotten, sieht es schlecht aus um die Seelen der Maschinen. In Detroit war der Stecker noch nicht einmal gezogen, das künstliche Koma kontrollierter Insolvenzen noch gar nicht eingeleitet, da spuckte die Schrottpresse schon ihren ersten Bastard aus. Bitte, alle mal kaufen! "Terminator 4"! Von wegen.

Die Amerikaner verweigern sich dem stolzen Produkt aus dem Schmelzofen, auf dem zwar Terminator steht, in dem aber kein Schwarzenegger mehr drin ist. Abgesehen von ein paar winzigen Spuren in einer kurzen Videoanimation. So wie auch in einer Tafel Vollmilchschokolade manchmal noch kleinste Nussstückchen vorkommen. Nein, es geht nicht. Es ging bei AC/DC, diesem musikalischen Äquivalent in schwerem Metall, das auch ohne seinen früh verstorbenen Sänger Bon Scott prächtig weiter gedieh. Aber Schwarzenegger ist eben nicht gestorben, es gibt ihn noch, nur fehlte er uns nie - bis zum Tag der Premiere von "Terminator 4". Wo bleibt nur sein "hasta la vista, baby"?

Man muss nicht auf das Filmende warten, das schamlos weitere Fortsetzungen ankündigt, um sich gründlich zu ärgern über den Etikettenschwindel. Dabei ist ja niemand wirklich unersetzlich, nicht einmal Arnold Schwarzenegger als Terminator. Irgendein menschliches Element hätte schon gereicht, und wir wären zufrieden gewesen. Doch wie es scheint, werden nicht erst im Jahre 2019, der Spielzeit dieses Films, die Roboter die Menschheit beherrschen. Mit dem Drehbuchschreiben haben sie schon jetzt angefangen. Oder was sie dafür halten.

Christian Bale, ein veritabler Filmstar also, spielt John Connor, den Anführer der Widerstandsgruppe im Kampf Mensch gegen Maschine. Der jugendliche Held voller Versprechungen aus den Teilen 2 und 3 ist leider recht langweilig gealtert. Sein verbissener Ernst passt zum humorlosen Ton des Ganzen. Sein Überlebenskampf im Namen der Menschheit lastet ganz offenbar schwer auf seinen Schultern.

Auch Regisseur McG war in jüngeren Jahren, als er noch innovative Videoclips drehte, ein Mann mit Versprechungen. Nun aber hat er sich einer großen Rettungsmission verschrieben - und dabei alle Fantasie verloren. Man glaubt gar nicht, wie uninteressant es aussehen kann, wenn Menschen von Hochhaus-großen Robotern gejagt werden. Die interessantere Figur spielt Sam Worthington: Aus unbekannten Umständen wegen Mordes hingerichtet, erlebt er als Cyborg vielleicht seine "Erlösung", wie es im Filmtitel heißt. In jedem Fall freut sich sein Körper über eine neue Batterie.

Vielleicht reicht schon das Rätseln über die unbekannte Vorgeschichte dieser Nebenfigur, um ihr weit lieber zu folgen als Christian Bales John Conner und dem ganzen digitalen Spektakel, das ihn umgibt. Vielleicht ist es aber auch nur das Hoffen darauf, dass mit einer Wiederaufnahme dieses altmodischen Erzählstrangs überhaupt noch ein wenig erzählt werde. Doch alles, was es zu erleben gibt, ist das Gefühl, seinem Kind beim Computerspielen zuzusehen. Vielleicht markiert die Frustration dieses Filmerlebnisses ja einen Wendepunkt. Vielleicht bemerkt jetzt ja jemand, dass sich der Erfolg eines Films nicht proportional am Anteil seiner Computeranimationen errechnen lässt. Auch wenn es bis jetzt so erscheinen mochte.

Umso mehr erstrahlt James Camerons "Terminator 2 - Tag der Abrechnung" in der Erinnerung. Wie bei den frühen Frankenstein-Filmen, wie bei "Star Wars", übertrumpfte damals, im Jahre 1991, ein zweiter Teil eine ganze Serie. Es war das letzte Aufflackern der Technologie-Kritik der Science Fiction aus den sechziger und siebziger Jahren, gewissermaßen ein Hippie-Film für eine neue, eine gewandelte, nicht mehr ganz so naturselige Zeit.

In seiner Ästhetik war dieser "Terminator" zugleich der Höhepunkt der Kino-Postmoderne. Wer damals den "Tod des Autors" in der Kunst diagnostizierte, der mochte den idealen Filmregisseur im Cyborg ausmachen: Ein romantisches Restchen Mensch; darum herum: Simulakra und Zitate. Hinzu kam eine überaus raffinierte, sich lustvoll in Paradoxien entfaltende, vor allem immer wieder sich selbst in Frage stellende und doch nie bemüht wirkende Erzählweise - ein schönes Spiel, ein Fest der Zeichen.

Doch auch mit geistvollen Referenzen kann dieser Neuaufguss nicht aufwarten. Der Spielort ist nur eine gesichtslosere Variante der Lieblingsszenerie japanischer Zukunfts-Anime - ein endloses Ruinenmeer. Nur eine "Erlösung" scheint jetzt sinnvoll: Auf weitere Fortsetzungen nobel zu verzichten.

Terminator - Die Erlösung, Regie: McG, USA 2009, 115 Minuten.

Autor:  DANIEL KOTHENSCHULTE
Datum:  3 | 6 | 2009
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