Mit wilden Augen, high vom Adrenalin, das durch seinen Körper pumpt, reißt der Soldat seine Arme hoch wie ein imaginäres Maschinengewehr. "Fuck, war das fett! Da lagen vier und röchelten. Taktaktaktak, wir halten drauf, 30, 40 Schuss in den einen. Da kriecht keiner mehr weg, wenn wir da waren. Fucking fett! Jetzt ist man im Krieg gewesen!" Das ist keine Szene aus einem Kriegsfilm, das ist Wirklichkeit in Afghanistan. Der dänische Filmemacher Janus Metz ist wochenlang den Operationen einer Elitetruppe gefolgt, die in der heftig umkämpften Helmand-Provinz im Einsatz ist.
Sein Dokumentarfilm "Armadillo", benannt nach der dortigen Militärbasis, hat jetzt nach der Premiere bei den Filmefestspielen in Cannes in Dänemark starke Gefühle und Reaktionen ausgelöst: ist die Verrohung, die in dem Film zum Ausdruck kommt, eine notwendige Begleiterscheinung in einem notwendigen Krieg? Oder zerreißen die Bilder unwiderruflich das dänische Trugbild, dass man in Afghanistan sei, um den Menschen dort zu helfen?
Trailer zu "Armadillo" von Janus Metz, Dänemark 2009. Premiere am 16. Mai 2010 beim Filmfestival in Cannes.
Wegen der umstrittensten Szene des Filmes hat das dänische Militär nun eine Untersuchung eingeleitet, die klären soll, ob die Truppe die Konventionen über die Kriegsführung verletzte, als sie offensichtlich wehrlose Gegner tötete. Die Soldaten waren von Taliban-Kriegern beschossen worden, zwei wurden verletzt. Mit einer Handgranate in deren Schützengraben setzten die Dänen die Partisanen außer Gefecht, setzten nach und "liquidierten" die vier "prustenden und stöhnenden" Männer, wie einer der Soldaten erklärte.
Beim Aufarbeiten stellte der Truppführer klar: von "Liquidierung" könne keine Rede sein: "Solange der geringste Zweifel besteht, ob der Feind noch gefährlich sein kann, darf man kein Risiko eingehen." Völkerrechtsexperten stützen diese Deutung. "Die Grundregel lautet, dass man auf feindliche Kombattanten schießen darf", sagt auch Anders Ladekarl vom Roten Kreuz.
Dennoch schockiert der Film die dänische Öffentlichkeit. Sie will keine Soldaten sehen, die triumphierend mit den eroberten Waffen getöteter Gegner posieren, die sich mit Pornos aufgeilen, während sie ungeduldig darauf warten, in Kampf mit den "Taliban-Schweinen" zu kommen, und die sagen, es fiele ihnen schwerer, einen der streifenden Hunde zu erschießen, als "diese Arschlöcher". "Was kümmert mich, wenn hier ein Mädchen stirbt. Pech, wie verschüttete Milch. Es sterben so viele Leute", sagte einer der Soldaten, als bei einer Raketenattacke versehentlich ein Kind getötet wurde. Sein Film möge helfen, den Menschen daheim klarzumachen, was Krieg bedeutet, hofft Janus Metz.
"Das hier entwickelt sich zu einem dänischen Vietnam", sagt die sozialistische Abgeordnete Pernille Frahm. Ihr rechter Kollege Søren Espersen hält hingegen die dänische Afghanistan-Truppe weiterhin für das "humanste Heer der Weltgeschichte". Verteidigungsministerin Gitte Bech ist "überrascht über den Sprachgebrauch", will aber vorerst die interne Untersuchung des Militärs abwarten. Doch das offizielle Kriegsziel, der afghanischen Bevölkerung zu helfen, wird durch die barschen Bilder der Wirklichkeit erneut in Frage gestellt. "Helfen? Das hier hilft niemandem", erkennen die Soldaten, die ihr Leben aufs Spiel setzen, und ein afghanischer Dorfältester lehnt resignierend die Zusammenarbeit mit den Dänen ab: "Ihr kommt mit euren Waffen, und dann seid ihr wieder weg, und in der Nacht kommen die Taliban und schneiden uns die Kehlen durch."