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Animationsfilm: Zum Finstersten entschlossen

Das klassische Cartoon-Schurkentum: Im furiosen Animationsfilm „Ich – Einfach unverbesserlich“ dürfen wir hinter die Kulissen einer einfallsreichen Waffenschmiede schauen. Sie wird von einem Arbeitsheer gelber Minions betrieben.

Ein Heer gelber Minions betreibt die Waffenschmiede in Ich - Einfach unverbesserlich.
Ein Heer gelber Minions betreibt die Waffenschmiede in "Ich - Einfach unverbesserlich".
Foto: Universal

Es gibt zwei Dinge, um die die Menschheit die Trickfilmwelt mehr als alles andere beneidet: Das schlaue Buch des Fähnlein Fieselschweif und die Firma ACME. Letztere versorgt die Helden der Warner-Cartoons mit allem, was man zum Leben braucht, und darüber hinaus mit einem imposanten Waffenarsenal. Die gigantische Laserkanone wird ebenso frei Haus geliefert wie die handliche Atomisierpistole und geht dann im entscheidenden Moment garantiert nach hinten los.

Im furiosen Animationsfilm „Ich – Einfach unverbesserlich“ dürfen wir hinter die Kulissen einer ähnlich einfallsreichen Waffenschmiede schauen. Sie gehört dem liebenswert-fiesen Möchtegern-Superschurken Gru und wird von einem schwerhörigen Chefingenieur sowie einem Arbeitsheer gelber Minions betrieben. Diese drolligen Wesen scheinen selbst Geschöpfe eines missglückten Experiments zu sein und ähneln am ehesten übergroßen Arzneikapseln. Selbst wenn sie nicht gerade mit treudoofem Gejauchze an Furzkanonen basteln, haben sie ständig was zu Kichern.

„Ich – Einfach unveresserlich“ beginnt mit dem Diebstahl der Cheops-Pyramide. Diese Schandtat wäre ganz nach Grus Geschmack, wenn ihm nicht schon wieder ein anderer Superschurke damit die Schau gestohlen hätte. Obwohl fest zum Finstersten entschlossen, ist Gru mehr ein technisch hochgerüsteter Griesgram von nebenan, der sich mittels eines Gefrierstrahls an Warteschlangen vorbeimogelt, Kindern die Eiskugel aus dem Hörnchen schubst und mit seinem mehrstöckigen Auto lustvoll die Luft verpestet. Jetzt will er endlich ganz oben auf der im Fernsehen täglich aktualisierten Schurkenrangliste stehen und dazu den Mond vom Himmel holen.

Gemeiner Schlingel, hehehe

Im amerikanischen Original heißt der Film „Despicable Me“, was frei übersetzt so viel wie „Ach, was bin ich ein gemeiner Schlingel, hehehe“ bedeutet. Die Produktionsfirma Illumination Entertainment gibt mit ihm ihr glänzendes Debüt und besetzt mit sicherem Blick eine Marktlücke: Zwar gehören Finsterlinge zum Animationsfilm wie der böse Wolf zum Märchen, allerdings werden sie höchst selten zu Hauptdarstellern befördert. „Shrek“ war ein eher halbherziger Versuch, die Branchengesetz gewordene Disney-Dramaturgie zu brechen. Dagegen kommen die Regisseure Chris Renaud und Pierre Coffin der hinterhältigen Fantasie des klassischen Trickfilm-Cartoons so nahe, wie es im abendfüllenden Mainstreamkino gerade noch möglich ist. Besonders unter den beliebtesten Trickfiguren herrscht hier das evolutionäre Gesetz des Schlaueren; von Bugs Bunny bis Homer Simpson schenken sich die Helden in Sachen Slapstick-Bosheiten nichts.

Auch für Gru ist das Leben ein ewiger Kampf. Erst sperrt ihm die Evil Bank die Kreditlinie, dann schnappt ihm ein Superschurkenschnösel den zum Mondklau benötigten Schrumpfstrahler vor der Nase weg. Um trotzdem an das Gerät heranzukommen, braucht Gru die Mithilfe dreier Kekse verkaufender Waisenkinder. Also setzt er sein sonnigstes Kirchgangs-Gesicht auf, adoptiert das widerspenstige Mädchentrio – und wird im Laufe der folgenden Abenteuer selbstverständlich zum liebenden Familienoberhaupt bekehrt. Diese Wendung ist kein Verrat an den Cartoons, sondern dessen Erfüllung: Auch Tom & Jerry sind ja nicht böse, sondern folgen nur ihrer Natur. Und die ist – zumal in einem Kinderfilm – bei menschlichen Trickfiguren im Herzen immer gut.

„Ich – Einfach unverbesserlich“ macht sich weder mit neunmalklugen Anspielungen wichtig noch wollen einem die Regisseure die Welt erklären. Renaud und Coffin haben stattdessen einen kleinen Kosmos für sich entworfen, in dem sich zwei im Grunde ziemlich trottelige Schurken nach Herzenslust bekriegen dürfen, und Kinder das tun, was sie am besten können, nämlich Erwachsene zu deren eigenem Besten an den Rand des Wahnsinns treiben. Überhaupt können Kinder und Erwachsene hier endlich wieder gemeinsam lachen, weil die meisten Gags auf einer Ebene funktionieren, die alle Altersklassen unterhält.

Ich - Einfach Unverbesserlich. Regie: Pierre Coffin, Chris Renaud, USA 2010, 94 Minuten.

Autor:  Michael Kohler
Datum:  29 | 9 | 2010
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