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Flucht und Zuwanderung

20. Februar 2016

Clausnitz: Geschichtsvergessene Volksverhetzer

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Herzlich willkommen in Clausnitz?  Foto: dpa

Im kleinen sächsischen Dorf Clausnitz tobt der Mob und behauptet dabei, das Volk zu sein. Geschmackloseres kann es nicht geben. Man sollte es denen, die mit ihrem Hass auf die Straße gehen, so schwer wie möglich machen. Ein Kommentar.

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Es gibt nichts Feigeres für einen erwachsenen Menschen, als Kinder mit Absicht zum Weinen zu bringen. Es gibt nichts Geschmackloseres für einen erwachsenen Deutschen, als andere Menschen mit dem Ruf „Wir sind das Volk“ zu bedrohen.

Beides zusammen ist eigentlich unvorstellbar, aber es ist passiert; und wir reden jetzt nicht von den frühen 90er Jahren in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen. Wir reden vom 18. Februar 2016, an dem im sächsischen Clausnitz die Leute gezeigt haben, wie widerwärtig sie sich vorstellen, das Volk zu sein. 

Sie haben Flüchtlinge bei der Ankunft in einem Reisebus bedroht und beschimpft; Kinder zum Weinen gebracht, die gerade einem Krieg entkommen sind. Und dabei behauptet, sie seien das Volk, wie damals bei den Demonstrationen gegen das DDR-Regime. Wahrscheinlich könnten sie nicht mal die Nationalhymne textsicher singen, geschweige denn das Grundgesetz zitieren. 

Sie sind nicht das Volk. Aber das allein hilft nichts: denn leider, sie sind auch das Volk. Und sie stehen nicht allein. Dabei ist es vergleichsweise uninteressant, ob der Betreiber des Flüchtlingsheimes AfD-Mitglied ist und den Demonstranten einen Tipp gab, wann der Flüchtlingsbus ankommen sollte. Sollte das das Wichtigste sein, dürfte man Flüchtlinge in Zukunft ja nur noch heimlich in die Unterkünfte bringen - was wahrscheinlich in Deutschland schon oft genug geschieht, weil Lokalpolitiker ihr Volk kennen. 

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In Sachsen und anderswo wird man, machen wir uns nichts vor, auch mit diesem Volk leben müssen. Aber man sollte es denen, die mit ihrem Hass auf die Straße gehen, so schwer wie möglich machen. Denn das, was sie tun, ist nicht nur geschichtsvergessen: Einst riefen die DDR-Bürger ja „Wir sind das Volk“, um Grenzen zu öffnen. Die Leute in Clausnitz, die Kinder zum Weinen bringen, sind vor allem eins: Volksverhetzer.  

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