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Flucht und Zuwanderung

04. Januar 2016

Flüchtlinge : Neue Schlangen vor dem Lageso

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Die Wartenden müssen trotz der eisigen Temperaturen vor dem Lageso nicht frieren - das Amt hat Zelte bereit gestellt.  Foto: dpa

Tagelange Wartezeiten, Willkür, Chaos: Das Berliner „Landesamt für Gesundheit und Soziales“ wurde zum Symbol des Versagens in der Flüchtlingskrise. Hat sich an der desaströsen Lage etwas geändert? Ein Faktencheck.

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Seit Montagmorgen um sechs Uhr hat das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin-Moabit wieder geöffnet. Das Amt ist zuständig für die Registrierung von Flüchtlingen und war über die Weihnachtsfeiertage geschlossen worden. Das hatte der später geschasste Lageso-Chef Franz Allert noch angeordnet.

Rund 70 000 Flüchtlinge waren im vergangenen Jahr nach Berlin gekommen. Fast wöchentlich machte das Lageso wegen chaotischer Zustände, fehlendem Personal, langen Wartezeiten und den kaum zu durchschauenden Registrierungsabläufen Schlagzeilen. Ende des Jahres berichteten Lageso-Mitarbeiter anonym über die unzumutbaren Arbeitsbedingungen.

Nun soll alles besser werden. Doch mit der klirrenden Kälte mit bis zu minus elf Grad in Berlin kommen erst einmal neue Probleme auf das Lageso zu. Zwischen dem 20. und 31. Dezember 2015 reisten rund 1100 Flüchtlinge mit Sonderzügen nach Berlin. Viele von ihnen standen nun am Montagmorgen bei diesen eisigen Temperaturen in den Schlangen vor dem Lageso, um sich registrieren zu lassen. Sie mussten allerdings nicht lange warten und kamen sofort in die beheizten Zelte.

Eine Mutter wärmt ihrem Kind die Hände. 17 Grad warm sind die Zelte vor dem Lageso.  Foto: dpa

Lageso-Sprecherin Silvia Kostner sagt, momentan müsse kein Flüchtling frieren. In den Zelten sei es etwa 17 Grad warm. „Die Kapazität reicht aus“, sagte die Sprecherin dieser Zeitung. Mütter mit Kindern und Rollstuhlfahrer wurden vorgelassen. Im Essenszelt gab es am Mittag heiße Suppe, warme Getränke stehen den ganzen Tag zur Verfügung. Sollten weitere Zelte benötigt werden, will das Lageso sofort welche zur Verfügung stellen.

Heizung ausgefallen

Anders sah die Situation vor dem Haus D aus, wo freiwillige Helfer vom Berliner Hilfsbündnis „Moabit hilft!“ Kleiderspenden und Hygieneartikel verteilen. Am Montagmorgen standen rund Hundert Flüchtlinge vor dem Haus in der Kälte herum. Die Helfer schenkten heißen Tee, Kakao und Kaffee aus.

Helfer versorgen Flüchtlinge mit Tee, Kaffee und Kakao.  Foto: dpa

Dringend gebraucht wurden warme Jacken und Schuhe. „Es ist fürchterlich hier, auch Babys und kleine Kinder müssen in der Kälte warten“, sagte Diana Henniges von „Moabit hilft!“. Bis zu anderthalb Stunden mussten viele Flüchtlinge draußen verharren, bevor sie das Nötigste wie Windeln und warme Kleidung erhielten.

In dieser Woche wollen die Helfer ein Zelt mit einer Heizlüftung aufstellen, ebenfalls eine Spende. Auch in einem der Zelte vor dem Haus A gab Probleme. Eine Heizung war ausgefallen. Techniker seien aber sofort vor Ort gewesen, um sie zu reparieren, sagte Sascha Langenbach, Sprecher von Gesundheits- und Sozialsenator Mario Czaja (CDU).

Mehr dazu

Um die Situation am Lageso zu verbessern, haben am Montag 60 neue Mitarbeiter in dem Berliner Amt ihren Dienst begonnen. Sie werden in allen Bereichen eingesetzt, also sowohl bei der Erstregistrierung der Flüchtlinge als auch in der Leistungsabteilung. „Es dauert natürlich, bis die alle eingearbeitet sind“, sagte Langenbach. In diesem Jahr sollen noch weitere Stellen geschaffen werden.

Zu einer Entspannung der Lage am Berliner Lageso soll auch die neu eingeführte, elektronische Gesundheitskarte führen. Sie ist seit Montag erhältlich und soll Asylbewerbern ermöglichen, ohne bürokratischen Aufwand zum Arzt zu gehen. Langfristig will Berlin auch mehr Unterkünfte für Flüchtlinge bauen, damit die Asylbewerber nicht länger in Turnhallen untergebracht werden müssen. Insgesamt leben rund 9500 Menschen in Berlin in 47 Turnhallen.

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