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Flucht und Zuwanderung

06. Februar 2016

Flüchtlinge: Teure Grenzkontrollen

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Das Aus für Schengen würde 110 Milliarden Euro kosten.  Foto: dpa

Ungarn hat einen Zaun, Frankreich kontrolliert Grenzübertritte, Österreich denkt über Tageskontingente nach. Schließen die Länder im Schengenraum die Grenzen, wird es teuer. Ein Aus des Abkommens würde 110 Milliarden Euro kosten.

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Paris. –  

Im ganzen Schengenraum ist die Rede von der Schließung heute offener Grenzen. Ungarn hat bereits einen Zaun, Frankreich kontrolliert die Grenzübertritte wegen des Ausnahmezustandes infolge der Terroranschläge, und in Österreich denkt die Regierung an „kapazitätsorientierte Tageskontingente.“

Nur an die Kosten dachte bisher kaum jemand. France-Stratégie, das Studienbüro des französischen Premierministers, füllt die Lücke mit Zahlen, die aufhorchen lassen. „Auch wenn die Sorgen um die Wirksamkeit und Sicherheit im aktuellen Kontext natürlich Vorrang haben, lassen sich die ökonomischen Folgen eines allfälligen Verzichts auf das Schengener Abkommen nicht übersehen“, heißt es in einem elfseitigen Bericht, der diese Woche in Paris erschienen ist.

In einer ersten Phase hielten sich diese Folgen demnach in Grenzen. Für die französische Wirtschaft beliefen sie sich je nach Intensität der Kontrollen auf „eine bis zwei Milliarden Euro“, wie die Denkfabrik errechnet hat. Das wäre kaum ein Promille des nationalen Bruttoinlandproduktes. Langfristig würde der grenzüberschreitende Handel schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Grenzkontrollen namentlich von Lastwagen und Frachtzügen würden den Warenverkehr aus und nach Frankreich laut der Studie um 11,4 Prozent mindern. Laut France-Stratégie würde das die Landeswirtschaft mindestens zehn Milliarden Euro und damit ein halbes Prozent Wachstum kosten. Das liefe für Transportunternehmen auf das Gleiche hinaus wie eine dreiprozentige Zollsteuer, warnt Studienleiter Jean Pisani-Ferry.

Frankreich im Fokus

Im ganzen Schengenraum wäre der Verlust noch höher, da die Mehrheit der Partnerstaaten – darunter auch Deutschland – auf einen höheren Exportanteil als Frankreich kommen. Die Studie, die neben Frankreich keine anderen Länder speziell untersucht hat, schätzt den Verlust an Handelsvolumen innerhalb des ganzen Schengenraums auf deutlich über zehn Prozent. Indirekt hätte dies auch negative Auswirkungen auf Investitionen und Finanzflüsse aus dem Ausland, meint der Pariser Thinktank, ohne diesbezüglich Zahlen nennen zu können. Die Einbuße für den ganzen Schengenraum schätzt er auf 0,8 Prozent Wirtschaftsleistung oder 110 Milliarden Euro.

Die wirtschaftlichen Kosten eines definitiven Schengen-Verzichts wären damit „höher als die geschätzten Handelsvorteile der Euro-Einführung“, heißt es in dem Bericht.

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