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Flucht und Zuwanderung

25. Januar 2016

Freiburg: Kein Zutritt für Flüchtlinge

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Eingang des "White Rabbit": Der eher linke Club in Freiburg fühlt sich von einer Regionalzeitung verunglimpft.  Foto: rtr

Ein Club in Freiburg beschließt, Flüchtlingen den Eintritt zu verwehren - und beschwert sich hinterher über den "reißerischen" Bericht einer Regionalzeitung. Mit dem selbst festgesetzten Hausverbot fühle man sich gar "nicht richtig wohl". Ein Clubausweis soll Abhilfe schaffen.

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Hinterher haben sie sich im „White Rabbit“ etwas erschrocken. Der eher linke Club in Freiburg im Breisgau hatte eine Mail rausgeschickt. Darin stand: „Wir haben am Montag beschlossen, dass wir vorerst keine Menschen mehr reinlassen werden, die nur eine Aufenthaltsgestattung besitzen.“ Damit waren Flüchtlinge gemeint. Die „Badische Zeitung“ hat bei Recherchen dann herausgefunden, dass andere Diskotheken in der Stadt ähnlich vorgingen, und entsprechend berichtet. Ursache waren Übergriffe verschiedener Art, die an die Ereignisse in der Kölner Silvesternacht erinnerten.

Nun freilich war im „White Rabbit“ plötzlich von einem „reißerischen und polemischen Artikel“ die Rede, der wiederum von rechtspopulistischen Kreisen instrumentalisiert worden sei, hieß es. Dabei war es der Club selbst, der den Stein ins Rollen brachte.

Am 13. Januar versandte das „White Rabbit“ die besagte Mail. Es habe viele Vorfälle gegeben, die dazu geführt hätten, „dass sich viele unserer weiblichen Besucher nicht mehr wohlfühlen“. Auch blieben Stammgäste weg. Schließlich werden die Vorfälle mit den Geflüchteten detailliert beschrieben: „Eindringen in die geschlossenen Kabinen auf dem Frauen-WC und sexuelle Belästigung; Wurf eines Fahrrades von oben auf einen unten stehenden Türsteher; sexuelle Belästigungen (von Anmache trotz Nein bis zu Griff in den weiblichen Intimbereich); Verabreichung von KO-Tropfen; Taschendiebstähle; Messerangriff auf einen unserer Türsteher; versuchte Vergewaltigung eines weiblichen Gastes in der Nähe des Bertoldsbrunnens.“

Das „White Rabbit“ kündigte an, dass es Mitte Februar einen obligatorischen Clubausweis einführen werde, den auch Flüchtlinge erwerben könnten. Diese werde man vorher über die Grundsätze des Clubs aufklären. Zudem fühle man sich mit dem Hausverbot schon jetzt „nicht richtig wohl“.

Nachdem die „Badische Zeitung“ dies und anderes geschildert hatte, bekamen die Ereignisse bundesweite Aufmerksamkeit. Von der Polizei verlautete, das Problem sei so nicht bekannt gewesen. Der Freiburger Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) sagte der „FAZ“, er wolle die Vorfälle nicht verharmlosen. Es handele sich bei den mutmaßlichen Tätern aber wohl um junge Männer aus den Maghreb-Staaten. „Mit Flüchtlingen aus Syrien hat das wenig zu tun.“ Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD) erklärte, dass pauschale Verbote wie jene von Freiburg unzulässig seien.

Das „White Rabbit“ gab unterdessen der Regionalzeitung die Schuld an dem Aufsehen. Anliegen des Clubs sei nämlich nicht etwa, Flüchtlinge auszugrenzen, sondern sie zu integrieren.

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