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Flucht und Zuwanderung

08. März 2016

Idomeni: Schicksal der Flüchtlinge ungeklärt

Unmenschliche Zustände im Flüchtlingscamp von Idomeni.  Foto: dpa

Im Flüchtlingscamp an der griechisch-mazedonischen Grenze wird die Lage immer dramatischer. Seit Wochen harren Tausende in Idomeni aus. Für sie besteht wenig Hoffnung auf Asyl.

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Die Nachrichten aus Brüssel geben den Tausenden gestrandeten Flüchtlingen bei Idomeni an der griechischen Grenze zu Mazedonien kaum Hoffnung. "Die Tage irregulärer Migration nach Europa sind vorbei", sagte der Präsident des Europäischen Rates, Donald Tusk, am Dienstagmorgen. Der EU-Gipfel am 17. und 18. März werde deutlich machen, dass es keinen Weg mehr nach Europa für jene Menschen gebe, die ein besseres Leben suchten.

Für die in einem provisorischen Lager bei Idomeni kampierenden Menschen gibt es dennoch keinen Weg zurück. "Wir werden bleiben, selbst wenn wir sterben", sagt die 25-jährige Kadrija Dschasem aus dem syrischen Aleppo. Sie hält ein vier Monate altes Baby auf dem Arm. Das Kind brauche ärztliche Hilfe, sagte sie. "Öffnet bitte die Grenze, wenn auch nur für die Kinder."

Tausende drängen sich an dem Zaun, der den Weg auf der sogenannten Balkanroute versperrt. Die mazedonischen Polizisten hätten in den vergangenen 24 Stunden niemanden mehr reingelassen, teilten die griechischen Kollegen mit. Doch die Männer, Frauen und Kinder harren aus, trotzen dem Regen und klammern sich an die kleinste Hoffnung. Der Druck auf der griechischen Seite wächst dabei mit jedem Tag, an dem weitere Flüchtlinge ankommen. Bislang hält der Zustrom der Migranten von der Türkei aus auf die griechischen Inseln unvermindert an. Fast 400 kamen in den vergangenen 24 Stunden, teilten die griechischen Behörden am Dienstag mit. Rund 13.000 kampieren derzeit bei Idomeni, etwa 30.000 in ganz Griechenland.

Die Türkei hat der Europäischen Union (EU) angeboten, künftig alle in Griechenland ankommenden Migranten wieder zurückzunehmen. Im Gegenzug erwartet die Regierung in Ankara mehr Geld von der EU, Visafreiheit für seine Bürger und deutlich schnellere Beitrittsverhandlungen.

Selbst wenn es auf dieser umstrittenen Basis eine Einigung geben sollte, bleibt das Schicksal der schon in Griechenland gestrandeten Menschen ungeklärt. Zugleich wird deren Lage immer schwieriger. Die kleinen Zelte schützten kaum vor dem Regen der vergangenen Tage. Die Menschen sind durchnässt und erkältet. Viele husten. "Ich befürchte, wir werden hier sterben, wir sind alle krank", sagt die 20-jährige Amina Chalil aus Aleppo. "Wir leben hier wie wilde Tiere." Aber niemand will gehen und sich wieder hinten anstellen müssen, wenn Mazedonien die Grenze doch noch mal öffnen sollte. (rtr)

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