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Flucht und Zuwanderung

27. Januar 2016

Lageso: Verwirrung um Bericht über toten Flüchtling

 Von S. Perdoni, A. Kopietz und T. Treichel
Flüchtlinge vor dem Lageso: Seit langem steht die Behörde in den Schlagzeilen.  Foto: AFP

In Berlin soll ein Syrer gestorben sein, weil er beim tagelangen Warten am Lageso krank wurde. Zumindest behaupten das Flüchtlingshelfer auf Facebook. Die Polizei hält die Geschichte für frei erfunden.

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Es ist ein Alptraum-Szenario: Ein 24-jähriger Flüchtling aus Syrien soll in der Rettungsstelle eines Krankenhauses gestorben sein. Vor seinem Tod soll er tagelang vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Moabit angestanden haben. Das berichtete die Initiative „Moabit hilft“ auf Facebook am frühen Mittwochmorgen. In sozialen Netzwerken verbreitete sich die Meldung von dem Todesfall wie ein Lauffeuer. Doch mittlerweile geht die Polizei davon aus, dass sie frei erfunden wurde.

„Wir haben keinen toten Flüchtling“, erklärte eine Behördensprecherin am Mittwochabend nach der Befragung des Mannes, der den Fall im Internet publik gemacht hatte. „Es gibt derzeit keine Anhaltspunkte, dass an dem Sachverhalt, den er veröffentlicht hat, etwas dran ist.“ Schon am Nachmittag war aus Senatskreisen verlautet, es gebe keinen toten syrischen Flüchtling. Der Facebook-Eintrag über den angeblichen Todesfall war da längst gelöscht.

Die Geschichte, die „Moabit hilft“ zuvor berichtet hatte, ging so: Der ehrenamtliche Helfer habe den stark fiebernden Mann am Dienstagabend zu sich nach Hause mitgenommen. Wegen seines Zustands sei dieser dort von einem Rettungswagen abgeholt worden. Auf dem Weg habe er einen Herzstillstand erlitten – im Krankenhaus habe nur noch der Tod festgestellt werden können.

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Noch war der Todesfall nicht bestätigt, da gab Diana Henniges, die Sprecherin von „Moabit hilft“ bereits Interviews: Der Tod des Syrers sei eine „direkte Folge von der Wartesituation am Lageso“, sagte sie „Spiegel online“. Der junge Mann habe seit Wochen immer wieder beim Lageso vorstellig werden müssen, um Krankenscheine und andere Leistungen abzuholen. „Er war vom Warten in der Kälte ausgelaugt, hatte einen grippalen Infekt. Am Ende hat er sich auch mit Fieber am Lageso anstellen müssen.“

Seit langem steht das Lageso in den Schlagzeilen. Das Drama vom Mittwoch wirft ein Schlaglicht auf die große Nervosität. Auch auf Facebook hatten die Helfer schwere Vorwürfe gegen Sozialverwaltung und Senat erhoben und sogar eine Todesanzeige veröffentlicht: „Wir trauern um Dich. Du wurdest 24 Jahre alt. Du kamst aus Syrien. Du hast so viel überlebt. Du hast das Lageso nicht überlebt.“ (mit dpa)

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