Aktuell: Fußball-EM 2016 | US-Wahl | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Flucht und Zuwanderung

06. Januar 2016

Migrationsbericht: Kaum Flüchtlinge vom Balkan, mehr aus Nordafrika

 Von 
Thomas de Maizière (CDU) stellt den Migrationsbericht vor.  Foto: AFP

2015 wurden fast 1,1 Millionen Asylsuchende in Deutschland aufgenommen – so viele wie nie zuvor. Bundesinnenminister Thomas De Maizière (CDU) zeigt sich besorgt über die steigende Zahl der Flüchtlinge aus Algerien und Marokko.

Drucken per Mail

Eines ist klar: Deutschland ist für Migranten mittlerweile eines der begehrtesten Länder innerhalb der Europäischen Union. „Für 2015 werden wir die höchsten Zuwanderungszahlen seit 1950 verzeichnen“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch bei der Vorstellung des Migrationsberichts für das Jahr 2014.

Die Zahl der Zuzüge nach Deutschland stieg demnach auf mehr als 1,46 Millionen. So viele waren es zuletzt 1992, also vor mehr als zwei Jahrzehnten. Es wanderten zwar auch mehr Menschen ab – genau: über 900 000. Unterm Strich ergab sich jedoch ein „Wanderungsgewinn“ von rund 550 000 Menschen. Endgültige Zahlen für 2015 liegen noch nicht vor.

Sieht man von dem Gesamtbefund ab, ist das Bild durchaus differenziert. Zuwanderung ist nicht gleich Zuwanderung. Und es gibt aus Sicht der Regierung erwünschte und unerwünschte Migranten.

Die größte Gruppe bilden die Flüchtlinge. 2015 wurden fast 1,1 Millionen Asylsuchende in Deutschland aufgenommen – so viele wie nie zuvor. De Maizière relativierte, es gebe Flüchtlinge, die doppelt registriert worden seien, und andere, die weiterzögen, beispielsweise nach Skandinavien.

Unproblematischer Familiennachzug

Tatsächlich werde die Gesamtzahl deshalb voraussichtlich unter einer Million liegen. Doch auch dann sei sie definitiv zu hoch. Die Zahl der Flüchtlinge müsse darum nachhaltig verringert werden. Im Übrigen müsse sich Deutschland entschlossen der Integration jener Asylsuchenden zuwenden, die eine Bleibeperspektive hätten.

Der Anteil der Balkan-Flüchtlinge ist derweil von 40 auf zwei Prozent zurückgegangen. „Ein besonderer Anlass zur Sorge“ sei zudem, dass die Zahl der Flüchtlinge aus Algerien und Marokko stark wachse. Vergleichsweise unproblematisch sei wiederum der Familiennachzug gewesen. 2014 kamen auf diese Weise 64 000 Menschen ins Land.

Legt man allein die Zahlen des Jahres 2014 zugrunde, als der Flüchtlingsstrom noch wesentlich kleiner war, zogen die meisten Zuwanderer aus anderen EU-Staaten, vorrangig aus Bulgarien, Polen und Rumänien, nach Deutschland.

Das Ziel des Ministers für 2016 ist offensichtlich. Er begrüßt qualifizierte Zuwanderer, sieht aber Zuwanderer, die in Deutschland auf Sozialleistungen spekulieren, ebenso ungern wie anhaltend hohe Flüchtlingszahlen. Ob es der Bundesregierung gelingen wird, Letztere spürbar zu senken, ist die zentrale Frage des neuen Jahres. Das wird allerdings erst im übernächsten Migrationsbericht stehen.

[ Lesen Sie jetzt das EM-Spezial der FR - digital oder gedruckt sechs Wochen lang ab 27,30 Euro. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

Anzeige

Dossier

Flucht und Zuwanderung



Millionen Menschen sind auf der Flucht vor Krieg und Terror, viele sterben auf dem Weg nach Europa. Dort steht die Politik vor Herausforderungen. Wenige protestieren, viele Menschen helfen.

Dossier-Übersicht - alles auf einen Blick
Kommentare und Leitartikel - Meinung der FR
Zuwanderung in Rhein-Main - Lage vor Ort

Videonachrichten Flucht und Zuwanderung

Asyl-Quoten

Verteilung der Asylsuchenden auf die Bundesländer nach dem "Königsteiner Schlüssel"

Daten: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Stand: 2015, Karte: Monika Gemmer

Flüchtlinge in Ungarn

Und sie kommen trotzdem

Drei Rollen Nahtodraht können die Menschen nicht aufhalten.

Eine Barriere aus Stacheldraht soll Flüchtlinge daran hindern, nach Ungarn zu kommen. Trotzdem schaffen es jeden Tag Tausende. Thomas Schmid ist ein Stück mit ihnen gegangen. Mehr...

Europa und die Flüchtlinge

Ein mörderisches Versagen

Flüchtlinge (Symbolfoto)

Die Flüchtlingstragödie in Österreich hat ihre Ursache auch in der Politik der EU. Sie ist es, die die Asylsuchenden, kaum haben sie den Kontinent erreicht, wieder auf tödliche Routen schickt. Der Leitartikel. Mehr...