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Flucht und Zuwanderung

02. Februar 2016

Minderjährige Flüchtlinge : 4749 Kinder in Deutschland vermisst

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Jugendliche Transitflüchtlinge in Rostock. „Die erste Möglichkeit, dem Missbrauch von Flüchtlingskindern zu begegnen, ist eine geordnete Flucht“, erklärt Kinderschutzbund-Präsident Hilgers.  Foto: dpa

Kinder, die allein auf der Flucht sind, sind recht- und schutzlos, wenn sie nicht in Obhut genommen werden, kritisiert der Präsident des Kinderschutzbunds - und macht der Bundesregierung schwere Vorwürfe.

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Der Präsident des Kinderschutzbundes macht sich Sorgen. „Es sind durch die Umstände sehr leichte Opfer“, sagte Heinz Hilgers am Dienstag der Frankfurter Rundschau. „Denn Kinder, die allein unterwegs sind, sind nicht registriert. Und solange sie nicht in Obhut genommen werden, sind sie recht- und schutzlos.“ Außerdem seien die Kinder verängstigt. Dass sie besonders ausgenutzt werden könnten, darunter von Kriminellen – davon ist Hilgers überzeugt. Denn: „Diese Täter sind ja nicht pädophil. Die haben eine Krankheit, die viele in der Welt haben: Denen ist vollkommen egal, mit was sie Geld verdienen.“ Notfalls auch mit dem Elend von Kindern.

Die Besorgnis kommt nicht von ungefähr. Nach Erkenntnissen der europäischen Polizeibehörde Europol sind in den vergangenen 24 Monaten mindestens 10 000 allein reisende Flüchtlingskinder nach ihrer Ankunft in Europa spurlos verschwunden. „Dies bedeutet nicht, dass allen etwas passiert ist“, erklärte ein Sprecher. „Ein Teil der Kinder könnte sich tatsächlich mittlerweile bei Verwandten aufhalten. Aber es bedeutet, dass diese Kinder zumindest potenziell gefährdet sind.“ Etwa durch sexuellen Missbrauch.

Nun betonte die Bundesregierung zwar zuletzt, man habe keine Hinweise darauf, dass auch in Deutschland allein reisende Flüchtlingskinder verschwunden sein könnten. Das Bundeskriminalamt (BKA) hat hingegen einschlägige Erkenntnisse. Und die lassen darauf schließen, dass das Problem auch in Deutschland existiert.

Eine BKA-Sprecherin teilte der FR am Dienstag mit, dass am 1. Januar 2016 genau 4749 unbegleitete Flüchtlinge im Kindes- und Jugendlichen-Alter als vermisst galten. 431 davon waren jünger als 13 Jahre, 4287 zwischen 14 und 17 Jahren und 31 über 18. Am 1. Juli 2015, also ein halbes Jahr zuvor, lag die Zahl der vermissten unbegleiteten Flüchtlinge im Kindes- und Jugendlichen-Alter noch bei 1637.

Verschwinden liegt im System

Zwar unterstrich die Sprecherin, dass dies jeweils „Momentaufnahmen“ seien. Oft tauchten Vermisste nach kurzer Zeit wieder auf. Oft gebe es Mehrfachregistrierungen. Freilich konnte sie nicht ausschließen, dass ein Teil der zu Jahresbeginn verschwundenen minderjährigen Flüchtlinge Kriminellen in die Hände gefallen sein könnte. Genaue Erkenntnisse habe das BKA dazu bislang nicht.

Niels Espenhorst, Referent beim Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF), macht für das Verschwinden die Fluchtstrukturen verantwortlich. „Es ist nicht nur das System, wie Flüchtlinge nach Europa kommen, sondern auch die Aufnahme in Deutschland.“ Die seit November 2015 geltende Umverteilung der minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge auf die Bundesländer verschärfe die Situation. „Die Jugendämter registrieren die Jugendlichen teils bei der vorläufigen Inobhutnahme nicht.“ Dann könne der Weg der Betroffenen ohne aufgenommene Fingerabdrücke nicht mehr nachvollzogen werden. Ihre Spuren verlören sich im Sande.

Zudem führe die Verteilung dazu, dass minderjährige Flüchtlinge an Orte gebracht würden, die ihnen keine Perspektive böten. „Sie entziehen sich dann in die Illegalität und sind extrem verletzlich“, so Espenhorst. Einen letzten Grund für das Verschwinden sieht er in Menschenhandelsstrukturen der Herkunftsländer.

Kinderschutzbund-Präsident Hilgers macht schließlich der Bundesregierung schwere Vorwürfe. „Die erste Möglichkeit, dem Missbrauch von Flüchtlingskindern zu begegnen, ist eine geordnete Flucht“, sagte er der Frankfurter Rundschau. „Und da ist natürlich das, was die Bundesregierung mit der Begrenzung des Familiennachzugs macht, nicht hilfreich. Denn die ganzen Kinder- und Frauenrechte werden ausgehebelt mit dem Taschenspielertrick, dass es ein paar Menschen in Syrien gibt, die einen subsidiären Schutz haben.“ Hilgers fuhr fort: „Bei schönem Wetter lassen sich die Kinderrechte leicht einhalten. Doch sie sind für den Ernstfall da.“ Und in dem würden sie jetzt nicht geachtet.

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