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Flucht und Zuwanderung

27. November 2014

Studie: Ausländer bringen Deutschland Milliarden

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Deutschland profitiert von seinen Zuwanderern.  Foto: Andreas Arnold

Die Wahrheit widerspricht den Stammtischparolen: Einer Studie zufolge zahlen Ausländer deutlich mehr Steuern und Sozialabgaben, als sie an staatlichen Leistungen erhalten.

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„Ausländer rein“ muss jeder rufen, der sich um den deutschen Sozialstaat und seine Finanzierbarkeit  sorgt. Eine Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung räumt mit dem verbreiteten Vorurteil, die hier lebenden Türken, Rumänen, Chinesen und Amerikaner würden die sozialen Sicherungssystem belasten, auf.

Das Gegenteil ist der Fall, wie die Untersuchung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)  zeigt. Demnach sorgten die 6,6 Millionen Menschen ohne deutschen Pass für einen Überschuss von insgesamt 22 Milliarden Euro. Jeder Ausländer zahlt demnach im Schnitt pro Jahr 3300 mehr an Steuern und Sozialabgaben als er an staatlichen Leistungen erhält.

Dieser Gewinn für Deutschland ist in den vergangenen Jahren gestiegen, berichtete ZEW-Forscher Holger Bonin. Dieser Profit dürfte weiter zunehmen, da deutlich mehr Ausländer so jung beziehungsweise alt sind, dass sie arbeiten und Steuern und Sozialabgaben abführen. Der demographische Vorteil dieser Bevölkerungsgruppe verstärkt also in der Zukunft den ökonomischen Nutzen. Noch mehr könnte er zunehmen, wenn sich das Bildungs-und Qualifikationsniveau erhöhte.

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Wenn die bereits in Deutschland lebenden Ausländer unter 30 Jahren das gleiche Bildungsniveau erreichten wie die Deutschen und damit im Job entsprechend besser verdienten, würden sie laut ZEW unterm Strich über ihre gesamte Lebenszeit 118 400 Euro pro Kopf mehr an Steuern und Abgaben leisten. Das ist eine theoretische Betrachtung, da dies realistisch kaum zu schaffen. Sie zeigt aber aus Sicht von Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, dass sich selbst erhebliche zusätzliche Bildungsinvestitionen finanziell für den Staat lohnen würden. „Gute Bildungspolitik ist die beste Integrationspolitik“, sagte Dräger.

Nur Menschen mit ausländischem Pass erfasst

Die Studie erfasst nicht die Menschen mit Migrationshintergrund, da dafür keine ausreichenden Daten vorliegen. Sie blickt auf die Leute mit ausländischem Pass. Alles spricht dafür, dass der positive Beitrag der Menschen mit Migrationshintergrund noch höher ausfiele. Denn die deutsche Staatsbürgerschaft nehmen eher Leute an, die besser integriert sind. Als Einzahlungen berücksichtigt die Studie alle Steuern (etwa auf Einkommen, Verbrauch, Mineralölkonsum etc.) und Sozialabgaben (vor allem Rente, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung).

Als Ausgaben definiert sie Bildungsleistungen, Rentenzahlungen, Arbeitslosengeld, Kindergeld und ähnliches. Nicht dazu zählen die Ausgaben des Staates für Verteidigung, Straßen und andere Infrastruktur. Diese sind nicht einzelnen Personen anzurechnen, sondern müssen von der Gemeinschaft erwirtschaftet werden.


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Man kann die Ergebnisse auch so lesen: Um diese Anliegen der Allgemeinheit zu finanzieren, trägt jeder Ausländer im Schnitt 3300 Euro bei. Jeder Deutsche leistet dafür sogar 4000 Euro, einfach weil die Arbeitnehmer mit deutschen Pass besser ausgebildet sind und mehr verdienen.

Doch bei den Ausländern verteilt sich diese Last auf mehr Schultern. 67 Prozent von ihnen leisten einen positiven Beitrag für die öffentlichen Kassen, bei den  Deutschen sind es nur knapp 60 Prozent. Das liegt an der günstigeren demographischen Lage. Bei den Deutschen schlägt – finanziell - besonders der hohe Rentneranteil negativ zu Buche.

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