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Berlin und das Flughafen-Debakel
Berlin und das Debakel um den Flughafen BER

12. September 2014

BER Flughafen Berlin: "Zwei Jahre nur sauber gefegt"

Symbolisch: Ein Vollsperrungsschild am Terminal des Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) in Schönefeld.  Foto: dpa

Während es auf dem Flughafen Berlin weiter nur im Schneckentempo vorangeht, hat einer Architekten des BER vor dem Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhaus ausgesagt. Dabei nennt er auch Verantwortliche für das Chaos am Flughafen BER.

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Berlin –  

Die Probleme am neuen Hauptstadtflughafen haben aus Sicht seines Architekten Meinhard von Gerkan in erster Linie die Bauherren zu verantworten. "Wir wurden nie gefragt, wir kriegten nur Anweisungen", sagte der 77-Jährige am Freitag mit Blick auf die früheren Geschäftsführer Rainer Schwarz und Manfred Körtgen. Als der Aufsichtsrat nach der Eröffnungsabsage 2012 die Planungsgemeinschaft BBI rauswarf, an der Gerkan beteiligt war, sei das Projekt im Chaos versunken.

Drei Ursachen für Verzögerungen

Die PG BBI

Die Generalplaner arbeiteten in der Planungsgemeinschaft (PG) BBI zusammen - nach dem damaligen Projektkürzel Berlin Brandenburg International (BBI). Bekanntester Partner war das Hamburger Büro Gerkan, Marg und Partner des Architekten Meinhard von Gerkan.

Hinzu kam das Frankfurter Büro JSK Architekten und die IGK-IGR Ingenieur-Gesellschaft Kruck für die Haustechnik. Gerkan spricht von einer «Zwangsehe».

Als die IGK-IKR 2010 in die Insolvenz ging, wurde die Flughafen-Eröffnung zum ersten Mal verschoben - auf den 3. Juni 2012. Als auch dieser Termin platzte, setzte der Aufsichtsrat die PG BBI vor die Tür.

Der Flughafen nahm aber viele der Architekten direkt wieder unter Vertrag. (dpa)

"Der Flughafen ist zwei Jahre nur sauber gefegt worden", sagte Gerkan am Freitag im Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhaus. Es gebe nichts Schlimmeres, als ein eingearbeitetes Team von heute auf morgen vor die Tür zu setzen - "auch wenn es nicht das beste Team der Welt ist", sagte Gerkan im Untersuchungsausschuss zum Flughafendebakel. So ein Rauswurf könne nur zu Chaos führen. Er habe ihn als Demütigung verstanden.

Für den Neubau in Schönefeld gibt es wegen Planungsfehlern, Baumängeln und Technikproblemen noch immer keinen Eröffnungstermin. Gerkan nannte im Wesentlichen drei Ursachen: den Brandschutz, den die groß angelegte Ladenpassage im Terminal ebenso verkompliziert habe wie verschärfte Sicherheitsbestimmungen, zudem Hunderte von Planänderungen in der Bauphase sowie eine mangelhafte Kommunikation mit der Flughafen-Geschäftsführung.

Die Brandschutzanlage sei nur am Computer geplant worden, erläuterte Gerkan. Jedoch seien die Luftströme nur schwer vorherzusagen. "Man muss sie ein halbes Jahr lang ausprobieren. Es ist learning-by-doing."

Der Architekt betonte, bei anderen seiner Flughafen-Projekte seien regelmäßige Beratungen mit den Bauherren üblich gewesen - nicht so in Schönefeld mit Schwarz und Körtgen. Gerkan sprach von wiederkehrenden "Verdurst- und Verhungerstrecken", in denen auf der Baustelle niemand wusste, was passieren sollte. Gerkan sagte, sein Büro habe dagegen zu wenig Widerstand geleistet. "Das ist mit Abstand unser größter Fehler."

Der Aufsichtsrat um Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) entließ Körtgen im Mai 2012 zeitgleich mit dem Büro Gerkan. Schwarz musste im Januar 2013 gehen.

Gerkans Büro entwarf neben Flughäfen und Stadien in zahlreichen Ländern auch den Flughafen Tegel und den Berliner Hauptbahnhof. Er versicherte: «Ich bin trotzdem guter Hoffnung, dass dieser Flughafen, wenn er fertig ist, ins Herz der Berliner wächst."

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