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Berlin und das Flughafen-Debakel
Berlin und das Debakel um den Flughafen BER

05. November 2012

Lärmbelästigung am BER: Flugrouten sorgen wieder für Streit

 Von Peter Neumann
Wieder Ärger im Anflug: Der Streit um Lärmbelästigung durch die Flugrouten am neuen Berliner Großflughafen geht in die nächste Runde.  Foto: dpa

Die Lärmzonen sind größer und betreffen mehr Menschen als bisher dargestellt, warnt die Bürgerinitiative FBI. Die breiten Korridore gelten nur für Notfälle, entgegnet die Flugsicherung.

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Die Lärmzonen sind größer und betreffen mehr Menschen als bisher dargestellt, warnt die Bürgerinitiative FBI. Die breiten Korridore gelten nur für Notfälle, entgegnet die Flugsicherung.

Berlin –  

Lange Zeit schien es so zu sein, als wäre das brisante Thema in Vergessenheit geraten. Doch jetzt ist der Streit um die künftigen Flugrouten in Berlin und Brandenburg plötzlich wieder aufgeflammt. Der Anlass: Die Friedrichshagener Bürgerinitiative (FBI) hat eine Karte mit Flugkorridoren veröffentlicht, die deutlich breiter als die bisher bekanntgewordenen Flugrouten sind. Darin sind anders als bisher dargestellt auch das Allende-Viertel in Köpenick, Mahlsdorf, große Teile Zehlendorfs sowie Dahlems und selbst der Spandauer Ortsteil Kladow als Fluglärmerwartungsgebiete eingezeichnet. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) versuchte am Montag erfolglos, die Wogen zu glätten.

„Wäre diese Karte schon bekanntgewesen, als wir noch gegen Nachtflüge am neuen Schönefelder Flughafen BER Stimmen gesammelt haben, wäre unser Volksbegehren bestimmt anders ausgegangen“, sagte ein Sprecher der Bürgerinitiative. „Viele Bürger wussten nicht, dass sie von Fluglärm betroffen sein werden.“ Die FBI sei eher zufällig auf die Karten der DFS gestoßen.

Kritik an Geheimniskrämerei

„Eine solche Informationspolitik passt nicht ins 21. Jahrhundert. Die Bürger richten ihre Lebensplanung danach aus, wo mit Fluglärm zu rechnen ist und wo nicht“, hieß es in Friedrichshagen weiter. „Solche Geheimniskrämerei trägt dazu bei, dass Bürgerbewegungen wachsen.“

DFS-Sprecher Axel Raab wies die Befürchtungen zurück. „Zum einen: Die Karten sind nicht neu, sie wurden im Zusammenhang mit der Festlegung der An- und Abflugverfahren für den BER erstellt, die Ende Januar festgelegt worden sind. Seitdem sind die dargestellten Bereiche nicht erweitert worden“, bekräftigte Raab am Montag. Zum anderen zeigten diese Karten nicht die Flugrouten für den täglichen Normalbetrieb.“

Aufgeführt seien stattdessen hindernisfreie Gebiete, in die Flugzeuge ausweichen können, wenn es Probleme gibt. „Zum Beispiel, wenn eine reguläre Route wegen einer Gewitterfront oder wegen Windböen nicht nutzbar ist. Oder wenn es technische Probleme gibt und eine Strecke abgekürzt werden muss“, sagte Raab. Dort gebe es die Sicherheit, dass den Flugzeugen keine Hindernisse wie Hochhäuser oder hohe Schornsteine im Weg stehen. Für den regulären Betrieb gelte weiterhin die Regel: Bis ein Flugzeug 5 000 Fuß, mehr als 1 500 Meter Höhe, erreicht hat, müsse es sich an die festgelegten Routen halten.

Demo am 24. November

Eine Zusicherung, die der Berliner Grünen-Verkehrspolitiker Harald Moritz nicht recht glauben will. Der Abgeordnete sprach am Montag mit dem Berliner DFS-Niederlassungsleiter Hans Niebergall. Der habe ihm bestätigt, dass die Flugzeuge selbstverständlich „nicht auf dem Strich“ fliegen werden. In der Realität wären Flugrouten Korridore, die auf ganzer Breite „mit nach außen abnehmender Häufigkeit“ beflogen werden, berichtete Harald Moritz.

Die Friedrichshagener Bürger bleiben ebenfalls skeptisch. Sie befürchten, dass die Korridore auf voller Breite beflogen werden. Davon werde die östliche Siedlungskante Köpenicks mit dem Allende-Viertel und dem Krankenhaus betroffen sein. Die „Hindernisbetrachtungsgebiete“ der DFS stimmten nicht mit Berliner Landesplanung und dem Landesentwicklungsplan Flughafenstandortentwicklung überein.

Am 24. November wird in Berlin wieder demonstriert – für ein Nachtflugverbot auf allen stadtnahen Flughäfen. Der Protestzug beginnt um 14 Uhr am Potsdamer Platz. Bereits am kommenden Freitag treffen sich Lärmbetroffene aus dem Umfeld des Flughafens Tegel, um über Aktionen zu beraten (18 Uhr, Casino Ziegelhof 10, Spandau).

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