Berlin und das Flughafen-Debakel
Berlin und das Debakel um den Flughafen BER

28. Februar 2013

Flughafen Berlin-Brandenburg BER: Lichtermeer am BER

 Von P. Neumann und E. Schütze
Flughafen-Technikchef Horst Amann hat viel zu tun, um das "havarierte Projekt" BER voranzubringen. Foto: dpa

Die Lage an Berlins Problembaustelle ist schlimmer als gedacht. BER-Technikchef Horst Amann sagt nun, wie es auf dem neuen Hauptstadtflughafen weitergehen soll. Derweil sorgt die Personalie Wilhelm Bender weiter für Wirbel.

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Die Lage an Berlins Problembaustelle ist schlimmer als gedacht. BER-Technikchef Horst Amann sagt nun, wie es auf dem neuen Hauptstadtflughafen weitergehen soll. Derweil sorgt die Personalie Wilhelm Bender weiter für Wirbel.

Teuer, teurer, BER. 4,3 Milliarden Euro sind bislang für den neuen Flughafen eingeplant. Doch die Bestandsaufnahme auf der Baustelle könnte dazu führen, dass weitere Ausgaben nötig werden. Das hat die Flughafengesellschaft erstmals öffentlich eingeräumt. Es sei nicht auszuschließen, dass es bei den Kosten zu „Mehrungen“ kommt, sagte Technikchef Horst Amann am Mittwoch nach einer Veranstaltung des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI). „Wir müssen mehr umbauen, als wir gedacht hatten.“ Das genaue Ausmaß der Probleme ist aber weiter unklar – ebenso wie der Eröffnungstermin.

Der Andrang in der Industrie- und Handelskammer war groß. „Wir mussten mehr als 100 Interessenten abweisen“, sagte VBKI-Präsident Markus Voigt. Es war einer der seltenen öffentlichen Auftritte des neuen Geschäftsführers. Kritiker hatten vom Management immer wieder Transparenz gefordert.

Schonungslose Bilanz

Zumindest Amanns Bilanz für die bisherigen Akteure war schonungslos. „Das Projekt ist havariert. Diese bittere Pille müssen wir verkraften“, sagte er. Amann monierte die einstige „Im-Himmel-ist-Jahrmarkt“-Mentalität, die Probleme ausblendete, und sprach von politischen Erwartungen, die Terminzusagen mitbestimmt hätten. Außerdem kritisierte er die Entlassung der Generalplaner im Mai: „Es wäre besser gewesen, sich vorher zu überlegen, wie ich etwas kompensiere, wenn ich es nicht mehr habe.“ Der Geschäftsführer versprach: „Wir bringen den Bau zurück auf die Erfolgspur.“ Nun gelte: ein Schritt nach dem anderen. „Wir lassen uns nicht verrückt machen.“

Erst komme die Bestandsaufnahme auf der Baustelle, auf der derzeit nur 200 bis 300 Menschen am Werk seien: „Es führt kein Weg daran vorbei, alle Decken aufzumachen und 300.000 Quadratmeter Geschossfläche zu begehen.“ Im Juni oder Juli soll das Ergebnis vorliegen.

Dann werde geplant, was noch zu tun ist, wobei es „punktuell“ zu Zusatzkosten kommen könnte. Absehbar sei, dass die Entrauchungsanlage umgebaut und besser steuerbar gemacht wird. Dass auch die Leittechnik nicht funktioniert, ist weithin zu sehen: Dies sei der Grund dafür, dass im neuen Terminal Tag und Nacht das Licht brenne.

Im dritten Quartal 2013 könne er den sehnlichst erwarteten neuen Eröffnungstermin bekanntgeben – ob im Sommer oder kurz vor Oktober, ließ Amann offen. Er wollte nicht einmal sagen, ob das erste Flugzeug 2014 oder später starten wird. „Das wäre reine Spekulation.“ Fest stünde: Wenn der BER öffnet, arbeite er „am Rande der Kapazitätsgrenze“. Darum lässt Amann nun die langfristigen Perspektiven des Berliner Luftverkehrs ermitteln, damit 2014 entschieden werden kann, ob der BER mit einem „Satelliten“ erweitert werden muss.

Rätselhafte Absage von Bender

Weiter für Wirbel sorgt die Personalie Wilhelm Bender. Der 68-Jährige sollte am Nachmittag auf der Baustelle als neuer Chefberater der Geschäftsführung vorgestellt werden. Kurz vorher kam die Absage, aus „kurzfristigen terminlichen Gründen“, wie es hieß.

Offenbar hatte das Bundesverkehrsministerium den Termin initiiert, obwohl Bender noch keinen Vertrag unterschrieben hat. Die Absage soll aber keinesfalls als Nein Benders an den BER verstanden werden. „Ich gehe davon aus, dass sich am Wort von Herrn Bender nichts ändert“, sagte Thomas Braune, Sprecher der brandenburgischen Landesregierung. Die Senatskanzlei war dagegen „in den Termin nicht eingebunden“, sagte Sprecher Richard Meng.

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