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Berlin und das Flughafen-Debakel
Berlin und das Debakel um den Flughafen BER

23. Januar 2013

Fluglärmgegner: Gericht verhandelt Klage gegen Wannsee-Route

 Von Jürgen Schwenkenbecher
Direkt unter den Flugrouten ist der Lärm am größten. Foto: dapd

„Außen ’rum statt oben ’drüber“: Das Oberverwaltungsgericht verhandelt erstmals über eine Abflugstrecke vom künftigen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg. Kläger wollen die umstrittene Wannsee-Route kippen.

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„Außen ’rum statt oben ’drüber“: Das Oberverwaltungsgericht verhandelt erstmals über eine Abflugstrecke vom künftigen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg. Kläger wollen die umstrittene Wannsee-Route kippen.

Berlin/Potsdam –  

Das Debakel um den künftigen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg (BER) hat den Streit um das Reizthema Flugrouten in den Hintergrund verschwinden lassen. Statt Lärm, Gesundheitsgefahren und Vogelschutzgebiete beherrschen seit neun Monaten Terminabsagen und eine fehlkonstruierte Entrauchungsanlage die öffentliche Diskussion, wenn es um das Milliardenprojekt südlich Berlins geht.

Doch jetzt erreichen die Flugrouten, wenn man so sagen darf, wieder Berlin. Vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin-Brandenburg hat am Mittwochvormittag eine Verhandlung über die Flugroute vom künftigen Hauptstadtflughafen über den Wannsee begonnen.


Die Kläger, unter anderem die Stadt Teltow sowie die Gemeinden Kleinmachnow und Stahnsdorf, befürchten Fluglärm und andere Umweltbelastungen. Beklagter ist das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF). Es hatte die Routenverläufe fast auf den Tag genau vor einem Jahr, am 26. Januar 2012, beschlossen.

Zu Beginn der Verhandlung sagte der Richter, dass die Kläger bis Februar Gelegenheit bekommen sollen, zu neuen Dokumenten Stellung zu nehmen. Insofern dürfte an diesem Mittwoch noch kein Urteil gesprochen werden.

83 Überflüge täglich

„Die Wannsee-Route ist komplett überflüssig“, sagt Klägeranwalt Remo Klinger. „Man könnte sie einfach rausschmeißen und die Flugzeuge in einen Bogen um Berlin herumleiten.“ Diese Variante hatte auch die Fluglärmkommission empfohlen. Allerdings wären die Maschinen dann auf ihrem Weg nach Osten zwei bis fünf Minuten länger unterwegs. Für ausgewählte, besonders schwere Flugzeugtypen ist diese Strecke, die sich etwa am Autobahn-Ring orientiert, bereits vorgeschrieben.

Das Motto „außen ’rum statt oben ’drüber“ soll nach dem Willen der Kläger für alle Flugzeuge gelten. Die kürzere Wannsee-Route sollte zunächst täglich 48 Mal beflogen werden. Doch nach der Routenfestlegung durch das BAF kam heraus, dass es jeden Tag bis zu 83 Flugzeuge sein werden.

Anwalt Klinger, der Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf, die Deutsche Umwelthilfe sowie fünf Privatkläger vertritt, sieht eine Reihe von Verstößen gegen das Planungsrecht und verweist darauf, dass auch der Forschungs-Atomreaktor des Helmholtz-Zentrums in Wannsee überflogen wird. „Das ist schon einzigartig“, sagt er. Seine Kanzlei Geulen & Klinger zählt zu den renommiertesten, wenn es vor Gericht um planungsrechtliche Großverfahren geht. Die Anwälte haben unter anderem dafür gesorgt, dass die Bundeswehr 2009 mit ihren Plänen für einen Bombenabwurfplatz („Bombodrom“) in Nordbrandenburg scheiterte.

Neuer Chef nicht in Sicht

Experten sehen die Erfolgsaussichten diesmal eher skeptisch. Denn noch nie ist bundesweit ein Fall bekanntgeworden, bei dem ein Gericht Flugrouten-Klägern Recht gab. Möglicherweise verkündet das OVG noch am Mittwoch sein Urteil.

Wohl erst im April wird sich das OVG mit der Müggelsee-Route beschäftigen, von der unter anderem der Köpenicker Ortsteil Friedrichshagen betroffen ist. Die EU-Kommission in Brüssel klärt derzeit, ob bei der Festsetzung der Flugrouten negative Folgen für die Umwelt ausreichend geprüft wurden.

Unabhängig vom Flugroutenstreit dauert die Suche nach einem neuen Chef für den Flughafen BER an. Auch der Paderborner Airport-Manager Elmar Kleinert stehe nicht zur Verfügung, berichtet der RBB. Zuvor hatten schon der Finanzgeschäftsführer des Münchner Flughafens, Thomas Weyer, sowie der Flughafenchef in Köln/Bonn, Michael Garvens, abgesagt.

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