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Berlin und das Flughafen-Debakel
Berlin und das Debakel um den Flughafen BER

02. März 2013

Hauptstadtflughafen: Beim BER ist guter Rat teuer

 Von Regine Zylka
Damals arbeiteten sie noch Hand in Hand: Klaus Wowereit und Matthias Platzeck beim ersten Spatenstich für den Großflughafen im September 2006.  Foto: ddp/Michael Urban

Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Berater der Flughafengesellschaft in Schönefeld werden. Doch nun streiten die Eigner über sein Honorar: 4000 Euro am Tag fordert der 68-Jährige.

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Wie viele Krisentreffen zum Flughafen BER es schon gab, weiß niemand. Comedy-Autor Peter Rütten, der einen Fernsehauftritt von Klaus Wowereit bei Markus Lanz im Januar umgetextet hat und damit Furore machte, würde vermutlich den Senatschef schätzen lassen, wie in seiner BER-Parodie: „Ich sag mal Millionen, Oktillionen, Milliarden.“

Nach Scherzen ist den drei BER-Gesellschaftern bestimmt nicht zumute, wenn sie Anfang nächster Woche mal wieder versuchen, Flughafenprobleme zu bewältigen. Die Stimmung zwischen Berlin, Brandenburg und dem Bund ist angespannter denn je. Wowereit, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) und Staatssekretär Rainer Bomba (CDU) aus dem Bundesverkehrsministerium dürften bei dem Treffen am Montag größte Mühe haben, ihre Konflikte der vergangenen Tage beizulegen.

Punkt eins auf der Krisen-Tagesordnung ist eine Personalie. Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Berater der Flughafengesellschaft in Schönefeld werden. Darauf hatten Wowereit, Platzeck und Bomba sich eigentlich schon geeinigt, jedenfalls im Prinzip. Nun streiten sie über Benders Honorar.

Nach Informationen der Berliner Zeitung hatte Bomba mit Bender vereinbart, dass dieser 100 Tage im Jahr arbeitet und dafür inklusive Fahrtkosten und Spesen rund 4000 Euro pro Tag erhält. Der Gesamtumfang des Vertrags liegt also bei 400.000 Euro. Zum Vergleich: Ex-Flughafenchef Rainer Schwarz kam auf 555.000 Euro, allerdings war er für den Flughafen verantwortlich – das ganze Jahr über.

Bis ein neuer Flughafen-Chef gefunden ist, soll Bender zwei Tage in der Woche nach Schönefeld reisen und dort als Chefberater der Geschäftsführung fungieren. Er soll vor allem für ein besseres Klima im Unternehmen sorgen und Kontakte etwa zu den Airlines pflegen, heißt es in Potsdam. Bender stehe für einen erfolgreichen Flughafen und könne das beschädigte Image des BER ein Stück weit wieder aufpolieren, hofft Platzeck. Zugleich soll der Ex-Manager dem amtierenden Flughafenchef Horst Amann den Rücken freihalten, damit dieser sich mehr auf seine eigentliche Aufgabe konzentrieren kann: den Flughafenbau.

BER-Aufsichtsratschef Platzeck soll in die Verhandlungen mit Bender eingeweiht gewesen sein und den Konditionen zugestimmt haben. Für vergangenen Mittwoch wurde kurzfristig eine Pressekonferenz in Schönefeld anberaumt, wo Bender öffentlich vorgestellt werden sollte. Die Senatskanzlei in Berlin intervenierte jedoch, woraufhin der Termin wieder abgesagt wurde. Wowereit pochte angeblich darauf, dass der Vertrag erst in einem Flughafen-Gremium erörtert werden müsse, was nun geschehen soll. Offenbar war der Senatschef nicht informiert, er soll Benders Honorar für zu hoch halten.

Bei dem Treffen am Montag dürfte es auch um Brandenburgs Forderung gehen, das Nachtflugverbot am BER auszuweiten. Platzeck hatte kürzlich entschieden, das Brandenburger Volksbegehren für mehr Nachtruhe anzunehmen und mit diesem Alleingang die anderen Gesellschafter verärgert. Der Bund und Berlin wollen die geltende Regelung nicht antasten. Bisher sind Flüge zwischen Null und fünf Uhr morgens untersagt. Das Volksbegehren plädiert dafür, das Verbot auf 22 bis sechs Uhr auszuweiten. Platzeck ist in diesem Punkt vage. Er hatte angekündigt, dass er mit Berlin und dem Bund verhandeln will. Wann, sagte er noch nicht. Wowereit sieht bisher keinen Gesprächsbedarf, weshalb sich das Verhältnis zwischen den beiden Regierungszentralen noch mehr verschlechtert hat. Auf die Frage, wie man in dieser Lage wieder zueinander finden wolle, heißt es beiderseits: „Das wissen wir nicht.“ Vor allem in Potsdam hofft man aber inständig, dass Bender wegen der Streitereien nicht noch absagt.

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