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Berlin und das Flughafen-Debakel
Berlin und das Debakel um den Flughafen BER

24. Januar 2013

Hauptstadtflughafen: Controller fordert Aufklärung über seine Baustelle

 Von Thomas Rogalla
Christian Manninger ist für die BER-Gesamtprojektsteuerung zuständig.  Foto: dpa/sven hoppe

Der Bauausschuss des Abgeordnetenhauses hört Firmen und Planer an, die am Bau des Flughafens BER beteiligt sind. Heraus kommen kaum neue Fakten, aber ein Bild organisierter Desorganisation.

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Der Bauausschuss des Abgeordnetenhauses hört Firmen und Planer an, die am Bau des Flughafens BER beteiligt sind. Heraus kommen kaum neue Fakten, aber ein Bild organisierter Desorganisation.

Eigentlich, so hatten die Abgeordneten im Bauausschuss des Abgeordnetenhauses wohl gehofft, würden die sechs Mittfünfziger in den dunklen Anzügen, die man am Mittwoch zur Anhörung zum Bauskandal am Flughafen BER geladen hatte, endlich etwas detailliertere Antworten liefern. Vor allem auf die Frage, wer von den Bauausführenden konkrete Mitverantwortung für den milliardenschweren Schlamassel in Schönefeld trägt.

Von den Aufsichtsratsmitgliedern Klaus Wowereit (SPD) und Frank Henkel (CDU), die geladen waren, gab es dazu erwartungsgemäß wenig Neues zu hören. Bei der Anhörung der Firmenvertreter von Siemens und Bosch, die für die komplexe Brandschutztechnik mitverantwortlich sind, sowie der Controllingfirma WSP CBP Airport GmbH ergaben sich zwar keine Erkenntnisse über einzelne Verantwortungen – aber ein Bild organisierter Desorganisation.

Systemische, organisatorische und planerische Mängel

Das war vor allem beim Vortrag von Christian Manninger der Fall, Geschäftsführer der WSP CBP Airport GmbH, seit 2004 zuständig für die Gesamtprojektsteuerung des BER-Ausbaus. Die weltweit agierende Ingenieurfirma sollte beim Flughafenprojekt für Millionen Euro Honorar den Überblick und die Fäden in der Hand behalten. Aber Manningers Vortrag wirkte, als betrachte er das BER-Baudebakel als Außenstehender. Er berichtete von „systemischen, organisatorischen und planerischen Mängeln“, von zahlreichen Änderungswünschen der Bauherrn, von der Entlassung der Generalplanungsfirma PG BBI. Der sei wegen vieler Planungsmängel richtig gewesen, da waren sich auch die anderen Angehörten einig, habe aber zu vielen Verzögerungen geführt.

Sicher, er habe als Controller einen Generalnetzplan vertreten, demzufolge der Bau im Mai 2013 fertig sein sollte. Aber die dazu notwendigen „Prämissen“ seien eben nicht erfüllt worden, vor allem gebe es, wie Tests im Dezember gezeigt hätten, keine genehmigungsfähige Entrauchung. Und ja, intern habe er den geplanten Fertigstellungstermin vor der Aufsichtratssitzung im April 2012 „sehr kritisch“ gesehen und dies der Geschäftsführung auch mitgeteilt. Die aber habe gelbe statt rote Ampeln in den Controllingbericht gemalt, und dass sie eigentlich schon auf Rot standen, habe man als Controller den Eigentümern Berlin, Bund und Brandenburg wegen der mit den Airportchefs vereinbarten Verschwiegenheit nicht mitteilen können.

"Es muss nichts abgerissen werden"

Der SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz war insbesondere empört darüber, dass der Projektsteuerer dem Ausschuss einen Forderungskatalog präsentierte, der vor allem belegt, dass der Controller vom Zustand der Baustelle keine Ahnung hat. Jetzt müsse eine „umfassende Bestandsaufnahme“ der Baustelle erfolgen, sagte Manninger und „ein Abgleich zwischen der Planung und dem gebauten Zustand“. Die Frage, warum er das nicht schon vor Jahren gemacht habe, ließ er weitgehend offen. Manninger deutete weitere zeitaufwendige Maßnahmen an. Es könne sein, dass weitere Planungsleistungen erst EU-weit ausgeschrieben werden müssen.

Die Vertreter von Siemens und Bosch verwandten viel Mühe darauf darzulegen, dass sie für die Gesamtplanung nicht zuständig seien, sondern nur für die Brandmeldeanlage (Bosch) und die Steuerung der Entrauchungsanlage (Siemens). Man müsse sich das so vorstellen, so der Ingenieur Jörg Marks von Siemens: „Siemens baut nur die Steuerung für eine Ampelanlage. Aber wir bauen nicht die Straßen, legen nicht die Verkehrsrichtung fest und bauen auch nicht die Ampeln.“ Diese Rahmendaten müsse der Bauherr verlässlich liefern, das sei aber am BER bis jetzt nicht der Fall. An Bosch und Siemens liege die Verzögerung jedenfalls nicht, „unsere Anlagen sind auf dem Stand vom November funktionsfähig“.

Technikchef Horst Amann richtete den Blick nach vorn. Erstens sei der Flughafen kein Schwarzbau, „es muss nichts abgerissen werden“, tröstete er. „Wir finden für alles eine Lösung, aber nicht bis zum Oktober.“ Seine Botschaft: Rechnet nicht mit einer schnellen Inbetriebnahme.

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