Berlin und das Flughafen-Debakel
Berlin und das Debakel um den Flughafen BER

11. Mai 2012

Terminsuche BER: Im August wird’s auch nichts

 Von Peter Neumann
Totgesagte leben länger: Der Flughafen Tegel wird weit über den 3. Juni hinaus noch Start- und Landepunkt für Flugzeuge aus aller Welt sein. Foto: Getty Images

Der August ist als Eröffnungsmonat für den neun Hauptstadtflughafen definitiv vom Tisch. Die Lufthansa will ihre angekündigte Expansion nun erst einmal in Tegel realisieren – auf einem Flughafen, der seit langem als überlastet gilt.

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Der August ist als Eröffnungsmonat für den neun Hauptstadtflughafen definitiv vom Tisch. Die Lufthansa will ihre angekündigte Expansion nun erst einmal in Tegel realisieren – auf einem Flughafen, der seit langem als überlastet gilt.

Berlin –  

Ursprünglich sollte der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) am 3. Juni eröffnet werden. Dann war von August die Rede – so hatten es der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) am Dienstag gefordert.

Doch jetzt steht fest: Der August ist als Eröffnungsmonat definitiv vom Tisch, sagte Henning Heidemanns, Staatssekretär im Brandenburgischen Wirtschaftsministerium, am Freitag. Er hält es für möglich, dass der neue Flughafen im Oktober oder November 2012 den Betrieb aufnimmt. In Potsdamer Regierungskreisen hieß es, eine Eröffnung am 28. Oktober wäre realistisch – zum Beginn des Winterflugplans. Air Berlin und Easyjet stimmen zu. Iberia geht bereits in ihrem Buchungssystem davon aus.

„Vor der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung, die am 11. bis 16.September stattfindet, wäre eine Eröffnung nicht anzuraten“, sagte Heidemanns der Berliner Zeitung. Er erwartet, dass es am Mittwoch Klarheit darüber gibt, wie viel Zeit die Arbeiten am BER noch in Anspruch nehmen.

Dann befassen sich der Flughafen-Aufsichtsrat und dessen Projektausschuss mit dem Thema. Möglich, dass es dann auch Angaben zu den Zusatzkosten gibt. Wahrscheinlich werden diese noch über den monatlich 15 Millionen Euro liegen, von denen bislang die Rede war, sagen Beobachter.

Lufthansa will kürzere Nachtruhe

Bis zur BER-Eröffnung muss der Flughafen Tegel noch mehr Verkehr aufnehmen. Nach der Air Berlin hat am Freitag auch die Lufthansa gefordert, die Nachtflugbeschränkungen in Tegel zu lockern. „Ich halte das für notwendig“, sagte das Lufthansa-Vorstandsmitglied Carsten Spohr der Berliner Zeitung. „Behörden und Fluggesellschaften müssen zusammenarbeiten, um eine praktikable Lösung zu finden, so lange der BER noch nicht zur Verfügung steht.“

Die Lufthansa will ihre angekündigte Expansion erst einmal in Tegel realisieren – auf einem Flughafen, der seit langem als überlastet gilt. Derzeit gibt es an beiden Berliner Airports wöchentlich rund 650 Flüge von Lufthansa-Konzerngesellschaften, davon ein großer Teil in Schönefeld. Vom 3. Juni an sollen es tausend sein – die meisten in Tegel. Dort nimmt auch die Zahl der stationierten Flugzeuge mit dem Kranich-Emblem zu: von 10 auf 15.

Behörde will Anwohner schützen

„Dieser Flughafen ist zu klein. Aber es gibt keine Alternative“, sagte Spohr. „Wir stehen vor einer großen Herausforderung.“ So reicht dem Vernehmen nach die Wartungskapazität in Tegel nicht aus. Folge ist, dass es Leerflüge zu anderen Technikstandorten geben muss.

Lufthansa-Experten halten es auch für notwendig, dass kleinere Airlines nach Schönefeld umziehen, damit Platz geschaffen wird. Es könnte auch nötig werden, einige wenige Flüge außerhalb der jetzigen Tegeler Betriebszeiten abzuwickeln, vor allem spätabends. In Tegel ist eine rigidere Regelung als am neuen Schönefelder Flughafen in Kraft: Von 23 bis 6 Uhr gelten Beschränkungen.

„Das wird der schlimmste und lauteste Flugsommer, den wir je hatten“, sagte der Spandauer Reinhardt Wilk von der Bürgerinitiative gegen das Luftkreuz auf Stadtflughäfen. „Es wäre eine Riesensauerei“, meinte sein Mitstreiter Rolf-Roland Bley.

In einem Brief an die Oberste Luftfahrtbehörde bittet er darum, im Interesse „von über 200.000 von Fluglärm und Abgasen betroffenen Anwohnern im Einflugbereich von Tegel diese Ausweitungen zu verhindern und nicht den Forderungen der Airlines nachzugeben“. Weil die Nachtflugbeschränkungen Ausnahmen zulassen, seien die Anwohner ohnehin schon stark betroffen: 2011 gab es in Tegel jeweils von 23 bis 5.59 Uhr insgesamt 1211 Flüge.

Jetzt wartet die Verwaltung darauf, dass die Airlines Ausnahmegenehmigungen beantragen. Nach Informationen der Berliner Zeitung strebt sie allerdings an, dass die zusätzlichen Flüge in Tegel innerhalb der jetzigen Zeiten abgewickelt werden. „Das wäre die beste Lösung“, hieß es – und die schonendste.

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