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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

18. Juni 2013

Lärmindex Frankfurt: Auf der Verliererseite

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Im Anflug auf die Nordwestbahn.  Foto: dapd

Die Inbetriebnahme der Nordwestlandebahn im Herbst 2011 hat die Lärmbelastungen am Tag verändert. Laut Frankfurter Lärmindex sind die Frankfurter und Offenbacher auf der Verliererseite.

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Frankfurt –  

Fast die gesamte Rhein-Main-Region hat von dem gerichtlich erstrittenen Nachtflugverbot profitiert: Viele können jetzt nachts ungestörter schlafen als früher, als auch zwischen 23 und 5 Uhr die Jets über ihre Dächer donnerten. Doch die Bewohner dreier Orte sind die Verlierer des Flughafenausbaus, der das Nachtflugverbot ermöglichte: In Frankfurt, Büttelborn und Kelsterbach hat der nächtliche Lärm nach der Eröffnung der neuen Landebahn zum Teil deutlich zugenommen. Das heißt, in zwei Stunden ist es lauter als früher in acht. Denn so lange dauert die gesetzliche Nacht, die der Berechnung des Ökoinstituts Darmstadt zugrunde liegt: Sie beginnt um 22 Uhr und endet um 6 Uhr.

Nachzulesen ist diese Entwicklung im Frankfurter Lärmindex, den das Forum Flughafen & Region (FFR) am Dienstag in Kelsterbach vorstellte. Dort sind alle 30 untersuchten Kommunen aufgelistet. Demnach hat die Inbetriebnahme der Nordwestlandebahn im Oktober 2011 auch die Belastung am Tag verändert. Im Süden ist es vor allem in Darmstadt lauter geworden und in Nauheim im Kreis Groß-Gerau, weil die Menschen dort direkt unter der viel genutzten Südumfliegungsroute wohnen. Betrachtet man die Kommunen im Osten des Flughafens, nahm der Krach in Hanau minimal zu, in Neu-Isenburg ging er sogar leicht zurück. Verlierer sind die Frankfurter und die Offenbacher, die mit Abstand am höchsten belastet sind.

Hier leiser, dort lauter

So weit die pauschale Sicht. Bei differenzierterer Betrachtung lässt sich erkennen, dass sich der Fluglärm nicht an Ortsgrenzen orientiert: „Auffällig sind natürlich die Gebiete, die erstmals neu vom Fluglärm betroffen sind“, sagte Oliver Quilling (CDU), Landrat des Kreises Offenbach und Vorstandsmitglied des FFR. „Es gibt aber auch Städte und Gemeinden, die an einer Stelle Entlastungen, an anderer Stelle neue Belastungen erfahren haben.“ Unterm Strich gebe es dort dann keine Veränderung.

Beispiel Rüsselsheim: Während es über der Innenstadt seit dem Herbst 2011 ruhiger geworden sei, müssten die Menschen im Stadtteil Königstädten mehr Krach ertragen. Selbst für Flörsheim und Raunheim lasse sich aus dem Lärmindex in puncto Lebensqualität ein positiver Trend ablesen. Trotzdem handele es sich bei beiden Orten um hochbelastete Gebiete.

Menschen immer lärmempfindlicher

Seit 2007 erarbeitet das Ökoinstitut den Lärmindex, der auf von Fraport gelieferten Daten basiert. Die Wissenschaftler picken sich die sechs lautesten Monate heraus. Sie ermitteln die Zahl der Flugbewegungen, die Windrichtungen und kommen unter anderem zu dem Schluss, dass immer seltener lautes Fluggerät auf dem Airport landet. Um festzustellen, wie der Lärm wirkt, orientieren sie sich an einer internationalen Lärmwirkungsforschung. Die sei schon ein paar Jahre alt, räumt Regine Barth vom Ökoinstitut ein. Und die Menschen würden immer lärmempfindlicher. Deshalb warte sie mit Spannung auf die Ergebnisse der Norah-Lärmwirkungsstudie, die voraussichtlich in zwei Jahren veröffentlich werden.

Für Quilling ist die kontinuierliche Datensammlung wichtig, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, ob die Bemühungen um mehr aktiven Lärmschutz Wirkung zeigen, etwa Änderung von Routen oder Modernisierung des Fluggeräts. Er eigne sich gut, um die Entwicklung der Belastungen der Region darstellen zu können. Er lobte die gute Zusammenarbeit im FFR zwischen Kommunen, Vertretern des Landes und der Luftverkehrsbranche: „Noch zu Zeiten des Regionalen Dialogforums schien dies nicht möglich.“

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