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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

24. Januar 2012

Demonstration gegen Fluglärm: "Oberrad ist Fukushima"

 Von Claus-Jürgen Göpfert
Montagsdemo am Airport: Erneut machen sich 2500 Menschen gegen den Lärm stark. Viele fordern: „Bouffier muss weg!“  Foto: Sascha Rheker

Die Stadtverordneten sind verdutzt: Lärmgegner protestieren erstmals direkt im Römer, CDU und Grüne sitzen fast stumm da. Vielleicht wird man sich auf eine Ortsbegehung in Niederrad einigen können. Am Ende stimmen nur die Linken für die Stilllegung der Landebahn.

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Am Ende nimmt Helmut Mader eine Lehre mit: „Sie werden nichts für uns tun – diese Diskussion ist peinlich!“ Das ruft der Mann aus Niederrad noch den verdutzten Stadtverordneten im Römer-Planungsausschuss zu, bevor er mit den anderen Bürgern aus dem Frankfurter Süden weiterzieht zur Montagsdemonstration im Flughafen-Terminal.

Eine Lehrstunde geht voraus. Angst, Wut, Empörung treffen auf den Politikbetrieb im Rathaus. „Der Gestank nach Kerosin in allen Straßen war so stark, dass man um sein Leben fürchten musste“, berichtet Wilhelm Scholz aus Niederrad. Andreas Leimbach stellt sich als ehemaliger Bankier vor, der einmal Verantwortung trug für 1000 Beschäftigte. „Oberrad ist Fukushima, Niederrad ist Fukushima – unbewohnbar“, sagt der distinguierte Rentner. Er prophezeit den Politikern „die Zerstörung von Milieus: Diese schöne Stadt wird ihr Gesicht verändern, sie ist dabei, zur lärmschmutzigsten Stadt der Welt zu werden.“

Aus Sachsenhausen ist Nina Hauk gekommen. „Früher habe ich immer gedacht, es wird nicht so schlimm, wenn ich von Fluglärm gelesen habe“, sagt sie. Heute hat sie „Angst vor Stickoxiden und dem Kerosin, das vom Himmel kommt“. Hauk will wissen, wie viele der Stadtverordneten sich schon vor Ort in den betroffenen Stadtteilen informiert haben – fast alle heben die Hand, nur die CDU-Fraktion nicht.

Für CDU und Grüne wird diese Stunde hochnotpeinlich. Sie haben vereinbart, den Antrag des Ortsbeirates 5 auf Stilllegung der neuen Landebahn mit „Verwaltungsweg“ zu votieren – keine politische Stellungnahme, sondern nur der Auftrag an einen Mitarbeiter in der Stadtverwaltung, eine Antwort zu formulieren.

„Das ist ein Ausweichen vor der Konsequenz – Sie können doch dieses zentrale Thema nicht behandeln wie eine Fußgängerampel in Sindlingen“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Oesterling. Die SPD lehnt die Stilllegung ab. Auf dem Tisch liegt auch der Antrag der Freien Wähler, der Planungsausschuss möge im verlärmten Niederrad tagen – CDU und Grüne lehnen ihn ab. „Das ist eine riesige Unverschämtheit“, schimpft die SPD-Stadtverordnete Imren Ergindemir. Wolfgang Hübner, der Fraktionschef der Freien Wähler, ruft den Protestierenden zu: „Vertrauen Sie auf Ihre eigene Kraft – die Politik wird nur etwas machen, wenn der Widerstand nicht mehr besiegbar ist!“

CDU und Grüne sitzen fast stumm, wie gelähmt. Nur der planungspolitische Sprecher der CDU, Jan Schneider, fasst sich ein Herz: „Viele aus unseren Reihen leben in den betroffenen Stadtteilen.“ Der grüne Polit-Veteran Uli Baier („Ich bin seit 20 Jahren Stadtverordneter“) begrüßt die Idee einer Ortsbegehung durch den Ausschuss. Die Sitzung des Gremiums am 19. März wird wohl in Niederrad organisiert. Baier sagt, die Grünen gäben sich nicht her „für Schaufenster-Anträge“. Am Ende stimmen nur die Linken für Stilllegung der Landebahn. Die protestierenden Bürger sind auf dem Weg zur Montagsdemo.

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