Ende Februar will Ministerpräsident Bouffier einen Plan vorlegen, um den Lärm am Flughafen zu begrenzen. "Am Ende stehen wieder nur Ankündigungen", kritisiert die SPD schon im Vorfeld. Bouffiers Auftritt sei nur eine weitere inhaltslose Inszenierung.
Ministerpräsident Bouffier verspricht viel. Die Frage ist, ob er sein Versprechen hält. Foto: dpa
Ministerpräsident Bouffier verspricht viel. Die Frage ist, ob er sein Versprechen hält. Foto: dpa
Am 29. Februar will die Landesregierung erläutern, wie sie den Lärm am Frankfurter Flughafen verringern will. Das kündigte Regierungschef Volker Bouffier (CDU) am Mittwoch nach einem Gespräch mit Managern der Luftverkehrswirtschaft an.
Einige Maßnahmen, so Bouffier, seien sofort, andere mittelfristig umsetzbar, einige bräuchten noch mehr Zeit, weil sie zum Beispiel Regeln auf der Ebene der Europäischen Union beträfen. Deshalb wolle er keine Zeitangaben zur Lärmreduzierung machen.
„Wir Berliner wollen zeigen, dass wir solidarisch sind, deshalb sind wir nach Frankfurt gekommen. Der Müggelsee ist überall. Das Problem mit dem Fluglärm ist national.“
Harald Steiger aus Sachsenhausen.
„Man wird geopfert. Das hat nichts mit Demokratie zu tun.“
Wolfgang Ruppert aus Flörsheim.
„Das Limit ist weit überschritten. Den Betroffenen kann nicht noch mehr zugemutet werden.“
Klaus Huber aus Oberrad.
„Die Politiker haben versagt, jetzt müssen sie ihre Fehler wiedergutmachen.“
Ursula Gross aus Sachsenhausen
„Hier wird der schönste Teil Frankfurts und meine Heimat zerstört und die Politiker sehen weg.“
Außerdem müssten einige der Schritte noch genauer geprüft werden. Details wollte der Ministerpräsident nicht nennen.
Bouffier sagte aber auch, dass es eben unmöglich sei, einen Weltflughafen ohne Belastungen in dicht besiedeltem Gebiet zu betreiben. Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Klaus-Dieter Scheurle (CSU), verwies darauf, die Sicherheit in der Luft dürfe nicht leiden. Scheurle wird als möglicher Chef der Deutschen Flugsicherung (DFS) gehandelt.
Psst! Hier heißt es genau hinhören: Das Ticken einer Armbanduhr ist mit 20 Dezibel (db) enorm leise - selbst Flüstern ist mit 30db lauter.
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Ein Kühlschrank findet sich in jedem Haushalt. Springt die Kühlung an, beginnt das Gerät zu brummen. Dieses Brummen bringt es immerhin schon auf etwa 30 db.
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Von hinten naht ein Fahrradfahrer - und macht sich mit der Klingel bemerkbar. Das Klingeln erreicht eine Lautstärke von mindestens 75 db.
Foto: picture-alliance/ dpa
Oft Anstoß für heiße Debatten: Spielen Kinder auf einem Spielplatz, kann es laut werden. Sie bringen es auf eine ähnliche Lautstärke wie Staubsauger in der Wohnung: 80 db.
Foto: Michael Schick
Wenn die Flaschen, die hier nicht mehr in den Container passen, doch noch eingeworfen werden, erreicht das Klirren auch in zehn Meter Entfernung noch 65 bis 85 db.
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Noch lauter ist ein Rasenmäher. Mit 85 bis 88 db röhrt er über das Grün.
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Ein vorbeifahrendes Auto erreicht zwischen 70 und 90 db - wenn es sich nicht gerade um einen Formel-1-Wagen handelt. Letzerer rast mit einem Lärmpegel von 130 db an den Zuschauern vorbei.
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Ständiger Begleiter im Stau - und noch mehr im zähen Verkehr - ist die Autohupe. Mit 90 db drängen hupende Fahrer ihre Vordermänner und -frauen zur Weiterfahrt. So laut wie die Hupe ist auch ein vorbeifahrender Lkw.
Foto: dapd
Fast schon Ruhestörung im Wald: Eine Motorsäge im Einsatz lärmt genauso stark wie...
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... Musiker während eines Rockkonzerts. Den Fans dürfte die Musik aber deutlich lieber sein. Motorsäge und Musik schaffen es auf bis zu 115 db.
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Noch lauter als Rockmusik kann Techno werden - hier eine Archivaufnahme der Berliner Loveparade aus dem Jahr 2000. Die Musik schafft 120 db.
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Klar am Lautesten sind Düsentriebwerke. Hier wird ein Motorrad mit einem Düsentriebwerk und zwei Nachbrennern angetrieben. Der Lärm ist enorm.
Foto: dpa
Und eben jene Düsentriebwerke werden in Flugzeugen verbaut. Diese dröhnen mit 130 db über die Köpfe der Menschen im Rhein-Main-Gebiet hinweg.
Flugzeuge donnern im Halbminutentakt über das Rhein-Main-Gebiet. Die Anwohner ächzen unter der hohen Fluglärmbelastung durch die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen. Lärm ist ungesund, aber ein ständiger Begleiter unseres Alltags. Wir zeigen, wo wieviel Lärm steckt.
SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel bezeichnete Bouffiers Auftritt als „inhaltsleere Inszenierung“: „Am Ende stehen wieder nur Ankündigungen, aber nichts Konkretes“, sagte er. Das sei auch kein Wunder, denn die Landesregierung könne nicht innerhalb weniger Tage die Versäumnisse aus zehn Jahren ausbügeln. Es sei „das Markenzeichen dieser Landesregierung, dass sie wartet, bis das Kind im Brunnen liegt."
„Glücklicherweise haben wir ein Schaltjahr“, höhnten die Grünen – so habe die Landesregierung einen Tag länger Zeit, die für Februar angekündigten Maßnahmen hinauszuschieben. „Vielleicht gibt es dann tatsächlich Ergebnisse von Ministerpräsident Bouffier“, sagte Fraktionschef Tarek Al-Wazir, „wir glauben das erst, wenn wir sie tatsächlich präsentiert bekommen, Ankündigungen gibt es genug.“
Schallschutz schon vor zwölf Jahren versprochen
Die Lärmschutzmaßnahmen, so Schäfer-Gümbel, hätten schon zur Inbetriebnahme der Landebahn umgesetzt sein müssen. Ein Fluglärmgipfel mit Erkenntnissen wie „Luft ist nicht so fest“ (Scheurle) sei wenig hilfreich. Auch die Grünen erinnerten daran, aktiver Schallschutz sei bereits im Rahmen der Mediation im Jahr 2000 und vor dem Planfeststellungsbeschluss 2007 versprochen worden: „Geschehen ist nichts. Schwarz-Gelb hatte nur den Ausbau im Kopf.“
Bouffiers Stellvertreter, Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP), präzisierte frühere Aussagen zum Wachstum des Flughafens. Der Lärm, sagte er, dürfe nicht so stark ansteigen wie die Kapazität. Trotzdem sei vollkommen klar, dass der Flughafen weiter wachse.
An dem „Arbeitsgespräch“ hatten neben den Vertretern der Landes- und der Bundesregierung die Spitzen des Flughafenbetreibers Fraport, der Lufthansa und der DFS teilgenommen.
Die Proteste von Anrainern haben nach Eröffnung der neuen Nordwest-Landebahn im Oktober vergangenen Jahres massiv zugenommen. Die Demonstranten fordern ein dauerhaftes Nachtflugverbot, manche verlangen auch die Stilllegung der neuen Landebahn.
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.