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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

19. Oktober 2012

Flughafen Frankfurt Fluglärm: Der Kampf gegen den Lärm geht weiter

 Von Jutta Rippegather
Wir sind laut...Foto: dpa

Die Bürgerinitiativen rufen heute zur Großdemonstration auf. Ein Jahr nach der Eröffnung der Nordwestbahn ziehen Befürworter und Gegner Bilanz und blicken nach vorn. Die Luftfahrt hadert mit dem Nachtflugverbot.

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Ein Jahr Nordwestbahn, ein Jahr Nachtflugverbot von 23 bis 5 Uhr. Pünktlich zum Jahrestag teilt die Lufthansa mit, dass das neue Logistikzentrum der Airline kleiner werden solle als ursprünglich geplant. Die neue Anlage werde für einen Frachtumschlag von 1,6 Millionen Tonnen pro Jahr ausgelegt und damit für 20 Prozent weniger als einst vorgesehen, ließ das Unternehmen am Freitag über die Mitarbeiterzeitung Lufthanseat wissen. Grund sei das Nachtflugverbot.

Es ist die Zeit der Rück- und Ausblicke. Hessens Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) stellt fest: „Hessen profitiert vom Flughafenausbau, die Minimierung des Fluglärms bleibt vordringliche Aufgabe.“ Die Psychotherapeutenkammer Hessen fordert „hochwertige Studien“ über die Auswirkung von Fluglärm auf die seelische Gesundheit der Bevölkerung. „Allein im Jahr der Inbetriebnahme der neuen Landebahn ist die Anzahl der Beschäftigten am Flughafen von 71000 auf 75000 gewachsen“, zieht Flughafenbetreiberin Fraport Bilanz.

"Nichts begriffen"

„Die Politik hat bis heute anscheinend nicht begriffen, dass es ernst ist“, meint Ingrid Kopp, Sprecherin des Bündnisses der Bürgerinitiativen (BBI) und versichert: „Wir geben keine Ruhe und wir geben auch nicht nach.“ Mehrere Tausend Teilnehmer erwartet die BBI bei der Großdemonstration am Sonntag am Ort des einstigen Bannwalds, wo jetzt die Jets landen. Ihre Forderungen sind geblieben: Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr, die Schließung der neuen Landebahn und eine Begrenzung der Flugbewegungen auf 380000 im Jahr statt 480000.

Demonstration

"Schluss! Aus! Basta!" So lautet das Motto der Großdemonstration zum ersten Jahrestag der Eröffnung der Landebahn am Sonntag, 21. Oktober.

Mit einer Mahnwache um 13 Uhr auf der Ankunftsebene von Terminal 1 des Frankfurter Flughafens geht es los.

Die Kundgebung beginnt gegen 15 Uhr neben der Landebahn am nördlichen Rand der Okrifteler Straße in Kelsterbach. Es gibt einen Bus-Shuttle vom Bahnhof Kelsterbach.

www.flughafen-bi.de

Das Bündnis ist in diesem einen Jahr gewachsen: Rund 80 Gruppen sind unter dem Dach vereint. Genug Schultern, um die Organisation der Montagsdemonstrationen zu verteilen. Mindestens bis zur Landtagswahl in gut einem Jahr wollten die Aktivisten die wöchentlichen Protestaktionen im Flughafenterminal fortsetzen, kündigt Kopp im Gespräch mit der FR an. „Das ist unser Druckmittel, damit bleiben wir im Gespräch.“ Auch an der juristischen Front geht es weiter.

Da sind die Verfassungsklagen der Städte Offenbach, Mörfelden-Walldorf und die des Ehepaars Herrlein, das die BI Sachsenhausen unterstützt. Da sind die 240 beim Verwaltungsgerichtshof Kassel noch anhängigen Klagen. Auch der Lärmaktionsplan könnte ein Hebel sein, meint Kopp. „Das hängt davon ab, wie ernst das Regierungspräsidium unsere Vorschläge zur Lärmminderung nimmt.“

Fraport zufrieden

Bei Fraport fällt die Bilanz positiv aus. Bis auf die Tatsache, dass wegen des Nachtflugverbots 175 Starts nicht stattfinden konnten, war alles im grünen Bereich. Die Pünktlichkeit steige ständig, liege mittlerweile bei durchschnittlich 80 Prozent. Die Zahl der Arbeitsplätze sei gestiegen und die der Passagiere ebenfalls. „In den ersten neun Monaten 2012 waren es 44,1 Millionen Fluggäste und damit 3,3 Prozent mehr als in den ersten drei Quartalen des Jahres 2011“, resümiert Fraport-Sprecher Christopher Holschier. Die Prognose aus dem Planfeststellungsverfahren hat Fraport freilich schon vor geraumer Zeit korrigiert. 88 Millionen Passagiere sollten es im Jahr 2020 sein. „Heute“, so Holschier, „gehen wir davon aus, dass diese Zahl erst einige Jahre später erreicht wird.“

Der Ausbau von Deutschlands wichtigstem Drehkreuz für den Luftverkehr geht weiter. Jüngst eröffnete der neue Flugsteig A-Plus. In vier Jahren soll Terminal 3 in Betrieb gehen. Lufthansa investiert in die Wartungshalle für den A380 und das neue Cargo-Zentrum. Außerhalb des Flughafengeländes werden die Immobilien-Projekte Gateway Gardens und das Zentrum Squaire über dem Flughafenbahnhof entwickelt. Längst ist der Airport kein Airport mehr, sondern eine kleine Stadt.

Hessen bemüht sich

Neuer Verlust von Wald und Flächen seien programmiert, warnt Dirk Treber, Vorsitzender der Interessengemeinschaft zur Bekämpfung des Fluglärms, und prognostiziert: „Diese neue Metropole wird eine Stadt ohne Bewohner sein.“ Die Besucher flögen zum Geschäftemachen ein, danach wieder aus. Ein Gebilde jenseits demokratischer Strukturen. „Die Airportcity Frankfurt wird die gesamte Region beherrschen, wenn es nicht gelingt, diese Entwicklung zu stoppen.“

Hessens Wirtschaftsminister Rentsch beschwichtigt und brüstet sich mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das die Ausbaugegner erstritten hatten. Hessen und die Rhein-Main-Region würden vom Flughafen profitieren. Das Land werde sich bemühen, die Belastungen zu minimieren. Zwischen 23 und 5 Uhr gebe es keine geplanten Flüge mehr, was einmalig für einen internationalen Großflughafen sei und nur dem Ausbau zu verdanken. „Damit hat die Landesregierung das Ergebnis der Flughafen-Mediation vollständig umgesetzt und einen Ausgleich zwischen den Interessen der Anwohner und denen der Luftfahrt gefunden.“

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