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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

17. Dezember 2012

Flughafen Frankfurt Fluglärm: Ohrenstöpsel unterm Baum

 Von 
Laaa-haute Nacht... Foto: peter-juelich.com

1200 Menschen demonstrieren zum letzten Mal in diesem Jahr im Flughafenterminal. So viel zählt die Polizei. Die Veranstalter sprechen von 4000, die FR schätzt, um die 2500. Aber egal wie viele es sind: Nächstes Jahr werden sie wieder montags demonstrieren.

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1200 Menschen demonstrieren zum letzten Mal in diesem Jahr im Flughafenterminal. So viel zählt die Polizei. Die Veranstalter sprechen von 4000, die FR schätzt, um die 2500. Aber egal wie viele es sind: Nächstes Jahr werden sie wieder montags demonstrieren.

Glaube, Liebe, Hoffnung - vielleicht ist es die dritte der Kardinaltugenden, die Hoffnung, die die Menschen an diesem Montagabend wieder scharenweise ins Terminal 1 des Frankfurter Flughafens treibt. „Wenn ich keine Hoffnung hätte, warum sollte ich hier sein?“, sagt Felix Eckert.

Der 72-Jährige ist mit seiner Frau Renate (70) und Freunden aus Hochheim zur letzten Montagsdemo in diesem Jahr gekommen, gegen den Fluglärm, für Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr, für weniger Flugbewegungen. Wie 1200 andere, so die Schätzung der Polizei. Dabei sind nicht einmal die Menschen aus Mainz dabei, weil deren S-Bahnen wegen technischer Probleme auf der Strecke geblieben sind.

Es ist der letzte Montagabend vor dem Heiligen Abend, der Stillen Nacht. „Die aber werden wir kaum haben“, sagt Angelika Reuter-Buxmann. Die 55-Jährige wohnt in Sachsenhausen-Süd, hat Glühwein und selbst gebackene Plätzchen mitgebracht, auch wenn ihr alles andere als festlich zumute ist. Schon im vergangenen Jahr war sie unter dem Motto Stille Nacht hier zum Protestieren – zu Hause aber, rund um das Einfamilienhaus im Frankfurter Süden, „da waren die Häuser viel weniger geschmückt als sonst.“ Lärm kann zynisch machen: „Die Lichterkette hatte wir ja am Himmel“, sagt sie und meint die dichte Reihe von Flugzeugen, die nachts bis 11 auf die Landebahnen einschweben.

"Es kann sich noch was tun"

Angelika Reuter-Buxmann wird auch nächstes Jahr wieder zur Montagsdemo kommen, wie fast jedes Mal. „Es kann sich noch was tun“, ist sie sicher. Schließlich ist bald Landtagswahl. „Politischer Druck hilft, und wir werden den machen, die werden uns nicht los“, gibt sie sich kämpferisch.

Die bevorstehende Wahl macht auch anderen Hoffnung. „Wir haben doch keine übertriebenen Forderungen, wir wollen den Flughafen ja nicht schließen“, sagt Ulla Haider (68) aus Hochheim. „Wir fliegen ja selbst“, sagt ihr Mann. „Aber das muss ja nicht nachts sein.“ Oliver Petrausch (37) aus Hanau allerdings erwartet von der Politik nicht mehr allzu viel. „Ich fühle mich vom Staat jeden Morgen angespuckt“, schimpft er. Um 5 wach werden, wenn man um 7 zur Arbeit muss - oder am Wochenende ausschlafen wollte. „Wir brauchen keinen Wecker mehr“, sagt seine Lebensgefährtin. Was hilft? „Es tut jedenfalls gut zu sehen, dass man nicht ganz allein ist“, sagt sie. Trost finden in einer Schicksalsgemeinschaft. Das klingt mehr nach Resignation als nach Hoffnung.

"Stille Nacht, fünf Uhr acht"

Sie zünden Kerzen an, bilden eine Kette draußen vor dem Terminal - es ist eine lange Kette. Weiter im Osten schweben die Jets ein, ihre Lichter am Abendhimmel, auch das ist heute wieder eine lange Kette. Sie singen „I have a dream“ – „Ich habe einen Traum, die Bahn kommt weg“, auf eine Melodie von Abba. Und dann noch „Stille Nacht, fünf Uhr acht / Deutschland schläft, wir sind wach.“

Nächste Woche also ist Weihnachten. Iris aus Frankfurt hat schon eingekauft. „Es gibt dieses Jahr für alle richtig gute Ohrenstöpsel“, sagt sie. Es ist eine Demonstration zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Im Jahr zwei nach Eröffnung der Bahn.

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