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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

11. Februar 2016

Flughafen Frankfurt: Lärmpausen kaum bemerkt

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Unter den Wolken soll der Lärm nicht grenzenlos sein.  Foto: dpa

Die sogenannten Lärmpausen am Flughafen verringern den Krach in Frankfurt und im nördlichen Offenbach deutlich. Der Minister sieht sich auf dem richtigen Weg. Doch die Ausbaugegner des Frankfurter Flughafens bleiben unzufrieden.

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Die sogenannten Lärmpausen am Flughafen verringern den Krach in Frankfurt und im nördlichen Offenbach deutlich. Im Süden Offenbachs und in Neu-Isenburg ist die Belastung in der abendlichen „Lärmpause“ hingegen gestiegen. Doch die meisten Menschen bemerken keine Veränderungen. Diese Ergebnisse hat Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Donnerstag in Wiesbaden vorgelegt.

Im vergangenen April hatte Flughafenbetreiber Fraport damit begonnen, die Lärmpausen bei Westwind auszuprobieren. In den Zeiten zwischen 5 und 6 Uhr sowie zwischen 22 und 23 Uhr werden einzelne Start- und Landebahnen nicht genutzt. Da von 23 bis 5 Uhr ein Nachtflugverbot gilt, werden bestimmte Anwohner dann sieben Stunden lang von Fluglärm verschont.

Insgesamt sei die Lärmbelastung „messbar gesenkt“ worden, betonte Al-Wazir. Denn an allen drei Messstationen in Neu-Isenburg falle die Verbesserung in der morgendlichen Lärmpause größer aus als die Verschlechterung am Abend.

Der Minister widersprach Bürgerinitiativen, die lediglich eine „Verschiebung des Lärms“ registrieren. „Es ist eben nicht nur ein Nullsummenspiel“, betonte Al-Wazir. „Die Entlastungen sind größer als die Belastungen.“

Die betroffene Bevölkerung nimmt den Effekt aber kaum wahr. Rund 90 Prozent der über 1600 befragten Bürger in der Einflugschneise sagten, sie hätten keine Veränderung bemerkt. Von den Übrigen berichteten manche über eine Verbesserung, andere über eine Verschlechterung – sogar in der morgendlichen Lärmpause, während der es nach den Messdaten in keinem bewohnten Gebiet lauter wird.

Dennoch befürworteten 71 Prozent der betroffenen Bürger eine Fortsetzung der Lärmpausen. Al-Wazir sprach sich dafür aus, das Modell in den Regelbetrieb zu übernehmen. Bisher wird es nur testweise betrieben. Am 9. März könnte eine Entscheidung darüber in der Fluglärmkommission fallen.

Der Minister kündigte zugleich weitere Initiativen an, um den Lärm zurückzufahren, ohne den wirtschaftlichen Betrieb des Flughafens zu gefährden. So will er Möglichkeiten prüfen, um die Anwohner bei Ostwind zu entlasten. Die Fluglärmkommission hatte es abgelehnt, die Lärmpausen auch bei Ostwind einzusetzen – weil sie befürchtet, dass zu viele Menschen zusätzlich belastet werden könnten.

Opposition höhnt

Die Opposition sieht in den Lärmpausen kein Erfolgsmodell. SPD, Linke und FDP wiesen darauf hin, dass 90 Prozent der Bevölkerung in der Region keine Veränderungen bemerkt habe. Das bestätige die Erwartung der SPD, „dass von den hohen Versprechungen der Lärmpausen subjektiv bei den Menschen nichts ankommt“, sagte der Abgeordnete Marius Weiß.

Linken-Fraktionschefin Janine Wissler kommentierte, es sei „kein Erfolg, den Lärm zeitweise von der einen auf die andere Bahn zu verschieben“. Zudem befürchtet sie, dass es mit Terminal 3 „rund um den Flughafen noch lauter“ wird.

Der FDP-Abgeordnete Jürgen Lenders nannte die Lärmpausen „eine reine Show-Veranstaltung des Ministers“. Darüber täusche „auch die fünfte Pressekonferenz“ nicht hinweg, bei der Al-Wazir versuche, die Lärmpausen zu einem Erfolg zu erklären.

Die CDU sieht das anders. Die Bilanz der Lärmpausen falle „eindeutig positiv“ aus, urteilte CDU-Fraktionschef Michael Boddenberg. Der Regierung sei es „ernst damit, alles technisch Mögliche und ökonomisch Vertretbare zu tun, um für eine weitere Fluglärmreduzierung zu sorgen“.

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