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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

17. April 2012

Fluglärm am Flughafen Frankfurt: Jeder vierte Flug durch Zugfahrt ersetzbar

 Von Pitt von Bebenburg
Die Linken fordern einen Umstieg vom Flugzeug auf die Bahn.  Foto: Sascha Rheker

Etwa jeder sechste Flug verbindet Frankfurt mit einem Zielort, der in höchstens vier Stunden vom Hauptbahnhof aus erreichbar wäre. Wären alle Projekte zum Ausbau des Schienenverkehrs verwirklicht, könnte es jeder vierte Flug sein. Die Linken fordern nun einen Umstieg auf die Bahn.

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Etwa jeder sechste Flug verbindet Frankfurt mit einem Zielort, der in höchstens vier Stunden vom Hauptbahnhof aus erreichbar wäre. Wären alle Projekte zum Ausbau des Schienenverkehrs verwirklicht, könnte es jeder vierte Flug sein. Die Linken fordern nun einen Umstieg auf die Bahn.

Kurze Flüge machen einen beträchtlichen Teil der Flugbewegungen auf dem Frankfurter Airport aus. Das geht aus der aktuellen Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor, die der Frankfurter Rundschau vorliegt. Die Linke sieht sich durch die Zahlen darin bestätigt, dass ein erheblicher Teil des Flugverkehrs „auf die weitaus umweltfreundlichere Bahn verlagert“ werden könnte.

Nach Angaben der Bundesregierung verbindet etwa jeder sechste Flug, der auf Rhein-Main startet oder landet, Frankfurt mit einem Zielort, der in höchstens vier Stunden vom Frankfurter Hauptbahnhof aus erreichbar wäre. 2011 gab es 72.816 derartige Flüge. Das entsprach knapp 16 Prozent aller Passagierflüge.

Bemerkenswert ist, wie stark dieser Anteil steigen könnte, wenn alle geplanten Projekte zum Ausbau des Schienenverkehrs verwirklicht wären und die Bahnverbindungen noch schneller würden. Dann ginge es nämlich um 114.151 Flüge, die durch Zugfahrten von maximal vier Stunden Dauer ersetzt werden könnten. Das wäre ein Anteil von 23,4 Prozent aller Passagierflüge, also fast jeder vierte. Das Szenario geht davon aus, dass „alle Maßnahmen des Bedarfsplans Schiene und der vertraglich von der Bundesregierung vereinbarten internationalen Schienenprojekte“ umgesetzt worden wären.

Zahlen für andere Flughäfen noch höher

Die Linke hat auch abgefragt, wie viele Flüge durch Bahnfahrten von höchstens sechs Stunden Dauer zu ersetzen wären. Das sind knapp 30 Prozent (134355) der Passagierflüge – und beim umfangreichen Ausbau der Bahnstrecken sogar 33,8 Prozent (153637 Flüge). Die Zahlen sind also für das internationale Drehkreuz Frankfurt beachtlich. Für andere deutsche Flughäfen liegen sie aber noch deutlich höher.

So teilte die Regierung auf eine frühere Anfrage der Linken mit, dass in Berlin-Schönefeld fast 40 Prozent der Flüge zu Zielen führen, die in sechs Stunden per Bahn erreichbar sind. In Berlin-Tegel sogar 73,7 Prozent. Mit dem Ausbau des Schienennetzes lägen die Zahlen gar bei 54,7 Prozent für Schönefeld und 93 Prozent für Tegel. In dieser Antwort vom Januar hatte die Regierung auch mitgeteilt, dass der Energieverbrauch pro Person pro 100 Kilometer „bei Kurz- und Mittelstreckenflügen (bis 500 Kilometer) rund 4,4-mal so hoch wie bei einer Fahrt mit der Bahn“ sei. Sie begrüße die Verlagerung vom Flugzeug auf die Bahn, wenn dadurch Vorteile für die Umwelt erzielt würden.

Die hessische Linken-Verkehrspolitikerin Sabine Leidig, die die Zahlen erfragt hatte, kommentierte: „Immer mehr Flugverkehr macht krank, ist klimaschädlich und heizt den globalen Kampf um Treibstoff an.“ Die Antworten der Regierung zeigten, dass Deutschland „diesen zerstörerischen Weg verlassen“ könne. Angesichts dieser Notwendigkeit sei es „geradezu pervers“, dass „die Fliegerei noch immer steuerlich begünstigt und subventioniert“ werde, urteilte Leidig. Stattdessen müsse die Politik in mehr und bessere Bahnverbindungen investieren.

Auch die Grünen wünschen sich eine Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene. Der Landtagsabgeordnete Frank Kaufmann sagte, für Ziele wie Stuttgart oder Hamburg halte er einen Umstieg auf die Bahn für zumutbar. Sie bringe Reisende spätestens in der anderthalbfachen Zeit ans Ziel, wenn man Anfahrts- und Abfertigungszeit berücksichtige.

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