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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

11. April 2013

Fluglärm Flughafen: „Kritische Studien werden immer angezweifelt“

 Von 
Zur jüngsten Demo gegen Fluglärm brachten die Teilnehmer am Montagabend, 9. April, Dachziegel mit – Protest gegen die sogenannten Wirbelschleppen von niedrig fliegenden Jets, die in der Main-Taunus-Stadt Flörsheim Dächer abgedeckt haben. Die nach Veranstalterangaben etwa 2000 Teilnehmer – die Polizei sprach von 1150 – hatten aber auch Tröstliches dabei: Kinder verteilten süße Marienkäfer ans Fraport-Personal, als Dank für die allmontägliche Geduld.  Foto: Monika Müller

Etwa 3400 Menschen werden bis zum Jahr 2021 infolge des nächtlichen Fluglärms sterben. Das sagt der Epidemiologe Eberhard Greiser. Das Forum Flughafen & Region kritisiert seine Studie. Die Kritik lässt den Wissenschaftler kalt.

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Etwa 3400 Menschen werden bis zum Jahr 2021 infolge des nächtlichen Fluglärms sterben. Das sagt der Epidemiologe Eberhard Greiser. Das Forum Flughafen & Region kritisiert seine Studie. Die Kritik lässt den Wissenschaftler kalt.

Der nächtliche Fluglärm rund um Frankfurt fordert bis zum Jahr 2021 rund 3400 zusätzliche Todesfälle. Das Mehr an Kosten beziffert der Epidemiologe Eberhard Greiser in seiner neuen Studie mit 1,6 Milliarden Euro. Seine Arbeit lässt viele Fragen offen, kritisiert das Forum Flughafen & Region (FFR).

Herr Greiser, das FFR reagiert ungewöhnlich rasch auf Ihre Publikation. Freut Sie das?

Die konnten nicht anders.

Zur Person
        

privat

Eberhard Greiser, Arzt und Professor für Epidemiologie, hat im Auftrag des Umweltbundesamts eine Studie über die gesundheitlichen Folgen von Fluglärm am Beispiel Köln/Bonn ausgewertet.

Über den Frankfurter Flughafen hat er geforscht und seine Erkenntnisse jetzt in der Fachzeitschrift „Das Gesundheitswesen“ veröffentlicht. Externe Wissenschaftler haben sie geprüft.

Es hat Fragen ins Internet gestellt. Liefern Sie Antworten?

Ich denke nicht daran. Das FFR ist eine Lobby-Organisation. Ich werde ihnen nicht den Gefallen tun, die Methodik, die sie selbst nicht verstanden haben, im Detail zu erläutern. Auf anonym gestellte Fragen antworte ich prinzipiell nicht. Ich wüsste zu gern, wer die Fragen tatsächlich gestellt hat.

In dem Fragenkatalog klingt sehr viel Kritik an.

Das war nicht anders zu erwarten. In früheren Jahren hatten die Herrschaften auch immer neue wissenschaftliche Studien angezweifelt, in denen ein Zusammenhang zwischen Fluglärm und Gesundheit dargestellt wurde.

Wenn dies nun das übliche Zucken der Flughafenlobby auf eine für sie negative Studie ist: Wie bewerten Sie die Gesundheitsstudie Norah?

Sie wird im Auftrag des Flughafens und der Landesregierung durchgeführt. Es gibt darin einen hervorragenden Teil, das ist die Kinderstudie. Beim epidemiologischen Teil muss man einiges hinterfragen, der könnte aber gut werden. Der Teil, an dem unter anderem die Schlafstudie hängt, ist wissenschaftlich absolut unvertretbar und gehört in die Tonne.

Kommen wir zu den aktuellen Vorwürfen beziehungsweise Fragen des FFR. Warum unterscheiden Sie nicht zwischen Männern und Frauen, wie bei Ihrer Studie zum Flughafen Köln-Bonn?

Uns kam es auf die Gesamtkosten an, nicht auf Unterschiede der Kosten bei Männern und Frauen. Als Epidemiologe bin ich frei zu untersuchen, was ich möchte.

In wessen Auftrag wurde die Studie erstellt?

Ich habe dafür keinen Cent bekommen, musste für die Aufbereitung der Daten sogar 10.000 Euro aus eigener Tasche bezahlen.

Warum berücksichtigen Sie die Zeit zwischen 22 bis 23 Uhr, in der laut FFR 60 Prozent der Erwachsenen noch nicht schlafen?

Ich bezweifele diese Aussage. Die 60 Prozent stammen von der Belastungsstudie, die in wesentlichen Teilen der Responserate getürkt wurde. Die Datenbasis ist nicht ausreichend.

Das FFR sagt, Sie verschweigen den vom Regionalfonds finanzierten Schallschutz.

In der Studie zu Köln-Bonn haben wir relativ genau differenzieren können zwischen denjenigen, die Schallschutz hatten, und denen, die nicht. Schallschutz wird in der Regel erst ab einer Belastung von 50 Dezibel gewährt, also nur für die ganz stark Belasteten.

Haben Sie deshalb schon bei 40 Dezibel anfangen?

Ja. Denn in der Gruppe von 40 bis 55 Dezibel Dauerschallpegel sind besonders viele ohne irgendwelchen Schallschutz. Die meisten Effekte kommen nicht von den ganz wenigen Hochbelasteten, sondern denjenigen, die mit 40 bis 50 Dezibel belastet sind. Alles andere ist Augenwischerei.

Trotz Unsicherheiten hätten Sie die Köln-Bonn-Ergebnisse auf Frankfurt übertragen, heißt es.

Ich habe mich in der Methodik mit Akustikern und Fachbeamten im Umweltbundesamt abgestimmt. Deren Ratschläge habe ich natürlich berücksichtigt.

Eine Kritik ist auch, dass Sie nicht berücksichtigen, wie lange die Leute im vom Fluglärm belasteten Gebiet gewohnt haben.

Das ist ein Scheinargument. Die Krankenkassen haben die Daten nicht, aber wir sind auf der sicheren Seite, weil wir eine Minimalschätzung angewandt haben.

Das Interview führte Jutta Rippegather

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