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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

07. August 2012

Fluglärm Flughafen Frankfurt: Viel Krach um Fluglärm-Studie

 Von Felix Helbig und Jutta Rippegather
Ärzte fordern den Abbruch der Fluglärm-Studie - die Wissenschaftler wollen nun aufklären.  Foto: Michael Schick

Ärzte aus dem Rhein-Main-Gebiet fordern die großangelegte Norah-Fluglärm-Studie abzubrechen. Die Studienleiter laden die kritischen Ärzte nun zum Dialog und wollen aufklären. Für sie wäre ein Abbruch des Sieben-Millionen-Euro-Projekts reine Geldverschwendung. Doch ob die Ärzte zum Dialog kommen, ist fraglich.

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Ärzte aus dem Rhein-Main-Gebiet fordern die großangelegte Norah-Fluglärm-Studie abzubrechen. Die Studienleiter laden die kritischen Ärzte nun zum Dialog und wollen aufklären. Für sie wäre ein Abbruch des Sieben-Millionen-Euro-Projekts reine Geldverschwendung. Doch ob die Ärzte zum Dialog kommen, ist fraglich.

Ein Drittel der Arbeit für die Norah-Studie ist geschafft. Doch nun gefährdeten die 90 Ärzte mit ihrem offenen Brief das Sieben-Millionen-Euro-Projekt, befürchtet Modulleiter Dirk Schreckenberg vom Zentrum für angewandte Psychologie, Umwelt und Sozialforschung in Hagen. Mehrere Probanden hätten sich erkundigt, ob und wie es nun weitergeht, sagt er im FR-Gespräch. Für Schreckenberg keine Frage: „Die Studie jetzt abzubrechen, das wäre eine echte Geldverschwendung.“ Auch beim Geschäftsführer des Umwelt- und Nachbarschaftshauses, Günter Lanz, stößt die Kritik auf Unverständnis. Für Freitag hat er die Initiatoren des Briefs zum Gespräch eingeladen, der Vorstandsvorsitzende des Forums Flughafen und Region, Johann-Dietrich Wörner, moderiert. „Offenbar gibt es eine Reihe Missverständnisse.“ Die könnten im Dialog ausgeräumt werden.

Aus Kreisen der Unterzeichner des Briefes, die inzwischen auf mehr als 100 Mediziner angewachsen sind, verlautete am Dienstag, man werde auf die Einladung des Umwelthauses nicht ohne weiteres eingehen, womöglich erst schriftlich reagieren. Dabei werde es auch um präzisere Informationen über die beteiligten Ethikkommissionen gehen. Die Unterzeichner wollen sich heute ausführlich äußern.

Norah-Studie

Bei der Lärmwirkungsstudie werden Krankenkassen-Stammdaten von rund zwei Millionen Bewohnern in einem Radius von rund 80 Kilometern um den Flughafen ausgewertet. Weitere 13.000 Personen nehmen direkt daran teil – geben Interviews, messen ihren Blutdruck, lassen ihren Schlaf überwachen.

Auftraggeber ist das Umwelt- und Nachbarschaftshaus, eine Einrichtung des Landes, das den Großteil der Kosten in Höhe von rund 7,3 Millionen Euro übernimmt. Je eine Million kommen von den Kommunen und der Fraport.

Neun Institute, 20 Wissenschaftler diverser Disziplinen und ihr technisches Personal erforschen in drei Jahren, wie sich der Krach von Flugzeugen, aber auch von Autos und Bahnen auf den Menschen auswirkt.

Wie Lanz erläutert, waren für die Studie an drei verschiedene Ethikkommissionen Anträge ergangen. Für die Blutdruckstudie sei die Kommission der Uniklinik Gießen, für die Schlafstudie die der Ärztekammer Nordrhein und für die Kinderstudie das hessische Kultusministerium zuständig.

Die Ärzte hatten in ihrem Brief argumentiert, die Norah-Studie sei überflüssig, weil vorhandene Arbeiten bereits erschöpfend Auskunft über Gesundheitsgefahren durch Fluglärm und -emissionen geben würden. Bei den Risiken für Kinder führen sie etwa eine multinationale Studie von 2005 an, die eine Minderung kognitiver Fähigkeiten durch Fluglärm belege wie schon zuvor eine Untersuchung zum Münchener Flughafen. Auch eine Studie an den Airports London-Heathrow und Amsterdam-Schiphol zeige, wie der Blutdruck bei Kindern durch Fluglärm steige. Die darauf folgenden Schäden seien hinlänglich bewiesen. Ähnlich, so die Ärzte weiter, sei es bei den Gefahren durch Luftschadstoffe. Hier gebe es Studien aus der Schweiz und England, die Erkrankungen der Atemwege bei Kindern belegten. Bei Erwachsenen sei die Studienlage, etwa mit der Hyena-Studie von 2008 an vier europäischen Großflughäfen, erschöpfend.

Ebenfalls in einem offenen Brief haben die an Norah beteiligten Wissenschaftler am Dienstag reagiert. Es bestünden noch „erhebliche Forschungslücken hinsichtlich der Beziehung zwischen Belastung durch einzelne oder kombinierte Verkehrslärmquellen und Lärmwirkung“. Viele Untersuchungen erfolgten über drei Jahre in mehreren Wellen, so dass etwa die Folgen von Flugroutenänderungen erforscht werden könnten. Zudem würde mit Berlin-Brandenburg ein weiterer Airport einbezogen, an dem sich die Lärmbelastung für die Bevölkerung verändere.

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