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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

19. Juli 2012

Fluglärm Frankfurter Flughafen: Fraport kratzt am Nachtflugverbot

 Von Jutta Rippegather
Acht Flüge nach 23 Uhr gab es am vergangenen Sonntag.  Foto: dpa

Das Nachtflugverbot ist weiter heftig umstritten. Flughafen-Chef Schulte fordert „mehr Flexibilität im Minutenbereich“, sprich Ausnahmen. Die Gegner laufen dagegen Sturm und prangern organisatorische Mängel an.

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Weniger starre Bestimmungen für Starts kurz nach 23 Uhr fordert der Fraport-Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte. Das bedeute aber nicht, dass der Flughafen-Chef das Nachtflugverbot aushebeln wolle, stellt Unternehmenssprecher Christopher Holschier klar. „Es geht lediglich um Flexibilität im Minutenbereich.“

Es komme immer wieder vor, dass Reisende wieder aus Maschinen aussteigen müssten, weil sich der Start um wenige Minuten verzögere. Seit Eröffnung der Landebahn Ende Oktober bis Ende Juni sei dies 122-mal der Fall gewesen. Die Betroffenen hätten die Nacht in Frankfurt verbringen müssen, manche sogar den Tag danach.

Fluglärm-Gegner protestieren scharf

Die Initiative gegen Fluglärm in Rheinhessen protestiert scharf: Das Recht auf körperliche Unversehrtheit sei im Grundgesetz verankert. „Diesem Recht steht die ungebremste Profitgier eines Unternehmens entgegen, das sich in einem der am dichtesten besiedelten Gebiete Deutschlands inzwischen bereits zu einem Mega-Hub im Umsteiger-Geschäft etabliert hat.“

Tatsächlich seien die Reisenden, die in Frankfurt von einer auf die andere Maschine umsteigen, mit ein Grund dafür, dass die Flüge nicht ohne weiteres zeitlich nach vorne gezogen werden könnten, sagt Holschier. Das Umsteigen brauche Zeit, die einkalkuliert werden müsse. „Die Zeiten müssen praktikabel sein.“

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Rechtsanwältin Ursula Philipp-Gerlach vertritt einen Fluglärmgeplagten aus Frankfurt-Oberrad. Und bei dem beißt Fraport damit auf Granit: „Aus Sicht meines Mandanten gibt es organisatorische Probleme, die lösbar wären“, meint Philipp-Gerlach und sagt auch wie: „Schon in der Flugplangestaltung muss dafür Sorge getragen werden, dass ein ausreichender Puffer da ist.“ Ihr zweiter Vorschlag: Ein verspäteter Flug sollte erst einmal komplett herausgenommen werden – dann müssten die nachfolgenden Maschinen nicht ebenfalls unpünktlich starten.

Die Regeln

Verspätete Flüge zwischen 23 Uhr und 24 Uhr sind nur zulässig, wenn die Fluggesellschaft sie nicht verschuldet. Laut Planfeststellung darf es pro Kalenderjahr nicht mehr als 7,5 tägliche
Verspätungslandungen geben.

Ab Mitternacht sind verspätete Landungen oder Starts nur in besonderen Ausnahmefällen erlaubt, verfrühte Landungen vor 5 Uhr ebenfalls. Ausnahmen sind Landungen aus meteorologischen, technischen oder sonstigen Sicherheitsgründen sowie Flüge bei Katastrophen- oder medizinischen Hilfseinsätzen.

Übersicht über die genehmigten Flüge: www.wirtschaft.hessen.de; www.dfld.de

Der Vorstoß Schultes für mehr Flexibilität nach 23 Uhr ist für die Anwältin indiskutabel: „Grundsätzlich fordern wir Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr. Das ist die gesetzliche Nacht.“ Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig habe zumindest die Mediationsnacht von 23 bis 5 Uhr bestätigt. Und doch würden auch in dieser Zeit noch Maschinen abheben. Etwa am vergangenen Sonntag. Wie auf der Homepage des Deutschen Fluglärmdienstes nachzulesen ist, starteten in der Zeit zwischen 23 und 24 Uhr acht Maschinen.

Fraport halte sich ans Nachtflugverbot

Die letzte, eine Condor, drei Minuten vor Mitternacht. „Wie“, fragt Philipp-Gerlach, „will Fraport seine Kapazitäten erhöhen, wenn sie schon jetzt Probleme mit der Abwicklung hat?“ Durchschnittlich 46 Starts finden derzeit in der Zeit zwischen 22 und 23 Uhr statt, sagt Holschier. Laut Bundesverwaltungsgericht darf es in den Nachtrandstunden (22 bis 23 Uhr, 5 bis 6 Uhr) maximal 133 Flugbewegungen geben. „Da liegen wir noch drunter.“

Die geplanten Abflugzeiten lägen keinesfalls zu nahe am Beginn des Nachtflugverbots. „Der letzte geplante Flug ist bereits so koordiniert, dass er um 22.35 Uhr die Parkposition verlassen soll.“ Allerdings gebe es Unwägbarkeiten wie „schwierige Wetterlagen“.

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