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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

12. September 2014

Fluglärm II: Viel Kritik an Al-Wazir

Verkehrsminister Tarek Al-Wazir bei der Vorstellung seiner Vorschläge für längere nächtliche Lärmpausen am Frankfurter Flughafen.  Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Bürgerinitiativen und die Opposition im Landtag weisen die von Verkehrsminister Tarek Al-Wazir vorgeschlagenen Lärmpausen als ungenügend zurück. Der Begriff Lärmpause sei „politische Schönfärberei“.

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Das Bündnis der Bürgerinitiativen fühlt sich in seiner Einschätzung bestätigt, dass bestenfalls Lärmbündelungen und Lärmverschiebungen möglich seien. „Schon die hohe Zahl der Modelle lässt auf einen verzweifelten Versuch schließen, die Quadratur des Kreises zu schaffen“, schreibt BBI-Sprecher Thomas Scheffler. Wieder einmal erweise sich die Nordwestbahn mit ihrer beschränkten Nutzbarkeit als „krasse Fehlplanung“. Der Lärm werde nicht vermindert, sondern an „anderer Stelle konzentriert“. Der Begriff Lärmpause sei „politische Schönfärberei“. Ein Eingeständnis, dass siebenstündige Nachtruhen nicht möglich seien, wäre ehrlicher gewesen.

Für die BI Sachsenhausen fasst Klaus Rehnig seinen Eindruck mit den Worten zusammen: „Viel Lärm um nichts.“ Der 69-jährige Alt-Verleger und Journalist war eigens nach Wiesbaden gefahren, um an der Pressekonferenz von Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir teilzunehmen. So erfuhr er als einer der ersten von den fünf Modellen pro Betriebsrichtung. Die Frankfurter, so Rehnig, würden ja vor allem unter der Nordwestbahn leiden, die aber nur in einem Modell eine Rolle spiele. Käme dieses Modell zum Zuge, hätten die Menschen in Sachsenhausen und Niederrad am Abend zwischen 22 und 23 Uhr eine Stunde mehr Ruhe. Die BI habe eine etwas größere Lärmpause vorgeschlagen, sagte Rehnig, nämlich den Verzicht auf die Nutzung der Nordwestbahn, wie die beiden alten Parallelbahnen und die Startbahn West für die Abwicklung des Flugverkehrs ausreichen. Dies sei bis zu einer Zahl von 520.000 Flugbewegungen im Jahr möglich.

Die Mainzer Initiative gegen Fluglärm spricht von einer „Mogelpackung“. Tarek Al-Wazir wolle die Menschen offenbar für dumm verkaufen. „Das Konzept gehört in den Schredder.“ Der in seiner Glaubwürdigkeit bereits schwer angeschlagene Minister gaukle eine Entlastung nur vor. Er und Ministerpräsident Bouffier seien „Lärmpausenclowns“.

Flughafenbetreiberin Fraport zeigte sich aufgeschlossen: „Wir werden in den Gremien engagiert mitarbeiten“, sagte Sprecher Dieter Hulick. Die Materie sei sehr komplex, aber: „Der Weg ist das Ziel.“

Die SPD-Fraktion sagte, das schwarz-grüne Versprechen der siebenstündigen Lärmpausen werde nicht erfüllt. „Unsere Sorge, dass der Lärm nur neu verteilt wird, hat sich bestätigt“, sagte Marius Weiß. Die fünf Modelle seien „im Hinterzimmer“ erarbeitet wollen. Die zuständigen Gremien und Bürger seien nicht eingebunden worden. Alle fünf Modelle seinen problematisch. Deshalb schiebe Minister Tarek Al-Wazir (Grüne) die Verantwortung für die Entscheidung jetzt auf die Region ab.

Die FDP warf Al-Wazir vor, mit seinen Vorschlägen „heftige Konflikte in den Regionalparlamenten“ zu provozieren. Die vorgestellten Modelle seien „reine PR-Maßnahmen“, sagte ihr Landtagsabgeordneter René Rock. Der Nutzen dieses „Lärm-Verschiebebahnhofs“ nicht erkennbar. Wenn Flüge künftig statt über die Südbahn über die sogenannte Centerbahn abgewickelt würden, betrage die Distanz rund 400 Meter. Das bedeute keine Verbesserung.

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Die Linken-Fraktion nannte die Lärmpausen „eine Bündelung des Lärms“. Al-Wazir habe keine Modelle zur Lösung des Problems vorgelegt, sondern lege es darauf an, Fluglärmgegner zu spalten und einzelne Kommunen gegeneinander auszuspielen, sagte Janine Wissler. Auch seien die Modelle nicht mehr realisierbar, wenn die genehmigten 133 Flüge pro Tag in den Nachtrandstunden tatsächlich stattfänden.

Die hessische Unternehmerverbände reagieren mit Lob und Kritik zugleich: Einerseits begrüßen sie siebenstündige Lärmpausen als Entlastung für die Anwohner. Sie seien aber nur dann zulässig, wenn die Flughafenkapazität dadurch nicht beeinträchtigt werde. ft/jur

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