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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

27. Dezember 2011

Fluglärm: Neue Landebahn: "Auch über Vorteile reden"

Von Frankfurt in die Welt: Der Airport macht's möglich.  Foto: dpa

Die Bürgeraktion PRO Flughafen ist eine der wenigen Stimmen, die neben Fraport und Lufthansa ohne Wenn und Aber zum Frankfurter Airport stehen. Geschäftsführer Ernst Müller kritisiert: Die Debatte um den Flughafen ist einseitig.

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Ernst Müller ist Geschäftsführer der 2000 gegründeten Bürgeraktion PRO Flughafen. Der 71-Jährige ist studierter Bau-Ingenieur und leitet die Geschäftsstelle hauptamtlich.
Die Mitglieder setzen sich seit Jahren für den Ausbau des Frankfurter Flughafens ein. Prominente Vertreter sind der Frankfurter Unternehmer Claus Wisser und der Intendant des Rheingau Musikfestivals, Michael Herrmann.

Herr Müller, Sie werfen den gegen den Fluglärm protestierenden Bürgern Egoismus vor.

Den Vorwurf des Egoismus gebrauche ich so nicht mehr. Ich nenne das ein eindimensionales Denken. Natürlich ist Lärm etwas Unangenehmes. Auch wir sind dafür, Lärm zu reduzieren, allerdings nicht dadurch, dass nicht mehr geflogen wird. Wir sehen die Schutzzonen auch als zu eng gezogen an.

Die Klagen der Anwohner, die sich vom Fluglärm terrorisiert und ihrer Lebensqualität beraubt fühlen, reißen nicht ab. Die Tagesschau berichtet über die Montags-Demo. In dem Klima fällt es schwer, eine dezidiert andere Position zu vertreten. Sie sind schwer in die Defensive geraten – oder?

Das sehe ich nicht so. Der Name PRO Flughafen ist das eine; was dahintersteckt, ist das andere. Unser Hauptthema ist die Zukunftsfähigkeit der Rhein-Main-Region. Und die hängt unserer Ansicht untrennbar mit dem Flughafen zusammen. Im Moment kochen die Emotionen hoch, und darüber wird berichtet. Es ist natürlich nicht einfach, sich da Gehör zu verschaffen und Argumente in die Debatte einzubringen. Wir als Bürgeraktion wägen in unseren Köpfen immer ab. Gerade das findet derzeit in der veröffentlichten Meinung keinen Niederschlag. Es wird über den Flughafen derzeit nur in einer Richtung diskutiert. Die Vorteile werden alle ausgeklammert.

Wer in der Einflugschneise wohnt, wo sehr tief geflogen wird, der denkt bestimmt nicht an die Vorteile des Fliegens.

Wer in Flörsheim wohnt, und ich habe dort selbst schon gestanden, der hat es ganz gewiss nicht einfach. Da sind dringend Maßnahmen notwendig. Aber andererseits melden sich jetzt Leute zu Wort, die bisher Flugzeuge nur von innen gesehen und die Vorteile eines internationalen Flughafens mit kurzen Wegen in die Region genossen haben.

Warum halten Sie unbeirrt an den Nachtflügen fest?

Ein Nachtflugverbot, da stütze ich mich auf Angaben von Fluggesellschaften, Frachtunternehmen und Fraport, würde erhebliche Probleme mit sich bringen.

Die Bürger fühlen sich aber auf den Arm genommen, weil es hieß: kein Ausbau ohne Nachtflugverbot. Zu Recht?

Ich hielt das Versprechen schon immer für einen Fehler. Man sollte niemals nie sagen. Die gesetzliche Mediationsnacht gibt es ja bisher nicht. Immerhin waren die 17 Ausnahmen für die Zeit von 23 bis 5 Uhr schon vor der Landtagswahl bekannt. Die Bürger hätten die Wahl gehabt. Alle wissen, wie die Wahl ausgegangen ist. Fakt ist: Es gibt viele Flughafenanrainer, die gar nichts gegen den Flughafen, den Ausbau und das Fliegen in der Nacht haben. Die Diskussion, warum wir den Flughafen brauchen, ist viel zu kurz gekommen. Die Menschen in der Region haben hier ein einmaliges Angebot für Flüge rund um die Welt. Das muss so bleiben.

Auffallend ist, dass immer mehr Politiker umfallen, sich dem Protest beugen.

Das Verhalten ist ja hinreichend bekannt. Das ist die Angst vor uns Wählern. Dabei sollten sich die Bürgermeister auch mal wieder trauen, ihren Bürgern die Vorteile dieses Wirtschaftsmotors zu erklären. Wer grundsätzlich positiv über den Flughafen denkt, kann auch Nachteile besser ertragen. Das ist eine Frage der Einstellung. In Frankfurt ist im März 2012 Oberbürgermeisterwahl. Mich hat die Rolle rückwärts von Boris Rhein schon gewundert. Frankfurt will doch eine internationale Stadt sein. Da gehört auch ein Weltflughafen dazu. Siemens macht seine Meetings hier, nicht in München, weil die Herrschaften direkt hierherkommen können und am selben Tag wieder zu Hause sind.

Leichtfertig reden die vielen Betroffenen ganz sicher nicht vom Terror aus der Luft, oder?

Wir arrangieren uns auf vielen Gebieten täglich mit Dingen, die uns nicht gefallen. Ich wiederhole mich, das ist eine Kopf- und Einstellungssache. Wir sind ja von allerlei Lärm umgeben. Von der Straße, Lärm, den der Nachbar macht, und so weiter. In Raunheim, so habe ich gehört, werden immer noch Baugrundstücke von 300 Euro pro Quadratmeter bezahlt. In Dillenburg, wo ich herkomme, kostet ein Bauplatz etwa ein Drittel dessen. Denken Sie mal nach, warum.

Wenn man Sie so anhört, dann scheinen Sie ein lupenreiner Lobbyist der Luftfahrtwirtschaft zu sein. Hinter ihrer Bürgeraktion stehen bestimmt auch einige Unternehmen, die eng mit dem Flughafen verbunden sind?

PRO hat rund 200 Mitglieder: Personen, die von der hervorragenden Bedeutung des Frankfurter Flughafens für die Region Frankfurt-Rhein-Main(z) überzeugt sind. Leben tun wir von 38 Unternehmen, die uns unterstützen. Und wenn ich bei anderen Firmen werben würde, ohne dass ich von der Flugseite Unterstützung hätte, könnte ich einpacken. Die müssen schon dabei sein.

Das Interview führte Jürgen Ahäuser

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