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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

21. Oktober 2013

Fluglärm Nordwestlandebahn: Betrieb unter Protest

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Am, Flughafen ist ganz schön was los, sowohl in der Luft als auch am Boden.  Foto: Boris Roessler/ dpa

Seit 24 Monaten ziehen Fluglärmopfer montags zum Flughafen und Gemeinden vor die Gerichte, um gegen den Betrieb der neuen Landebahn zu protestieren. Derweil bereitet Fraport den Bau eines neuen Terminals vor. Auch dagegen regt sich heftiger Protest.

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Exakt zwei Jahre ist es her. Um 14.40 Uhr setzte die Regierungsmaschine mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf. In dem Zelt neben der neuen Landebahn applaudierte die Prominenz aus Politik und Luftwirtschaft. Es gab Schnittchen, Sekt und Selters. Die Euphorie ist passé. Bei Flughafenbetreiberin Fraport ist Ernüchterung eingekehrt. Und die lärmgeplagte Bevölkerung kämpft wie ein Löwe.

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Zwar haben sich die Erwartungen, was den Flugbetrieb betrifft, erfüllt. Die Zeiten, „in denen kleinste Wetterkapriolen alles durcheinandergewirbelt haben“, seien vorbei, sagt Fraport-Pressesprecher Dieter Hulick. „Wir haben wieder die Luft nach oben, die wir brauchen“, vor allem konnte die Pünktlichkeit stark verbessert werden. Doch auch die vielen Beschwerden über den Fluglärm nehme das Unternehmen „ernst“.

Zu den Montagsdemos im Terminal 1 sagt der Pressesprecher nur: „Wir respektieren das Recht auf freie Meinungsäußerung.“ Hulick verweist auf die Bemühungen der Fraport beim aktiven und passiven Schallschutz und erinnert an das Nachtflugverbot von 23 bis 5 Uhr. Das habe es vor Inbetriebnahme der Landebahn Nordwest nicht gegeben.

In diesem Jahr ist die Zahl der Flugbewegungen weiter zurückgegangen. Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) im Zeitraum 1. Januar bis 6. Oktober um 2,4 Prozent. Schon im vergangenen Jahr wurde mit insgesamt 482.000 Starts und Landungen ein Minus von einem Prozent verzeichnet. Die Ausbaugegner halten deshalb die Nordwestbahn für überflüssig.

Fraport-Sprecher Hulick argumentiert dagegen mit einer „langfristigen“ Wachstumsprognose: Danach soll sich der Luftverkehr bis zu Jahr 2031 „weltweit mehr als verdoppeln“. Deshalb will Fraport auch wie geplant das dritte Terminal im Süden des Flughafengeländes bauen.

Nach Einschätzung von Günter Lanz, dem Chef des Umwelt- und Nachbarschaftshauses in Kelsterbach, muss es dadurch nicht unbedingt lauter werden. „Ich bin heute optimistischer als vor drei Jahren“, sagt Lanz, der unter anderem den Dialog zwischen Bevölkerung und Luftfahrt-Unternehmen fördern soll. Lanz setzt vor allem auf Verbesserungen beim aktiven Schallschutz, etwa neue Anflugverfahren und leisere Flugzeuge. „Es gibt Potenziale, aber es geht nicht von heute auf morgen.“ Das Umwelt- und Nachbarschaftshaus, das eine Einrichtung der Landesregierung ist, wurde ebenso wie Fraport und Deutsche Flugsicherung mit der „Hilflosigkeit und Verzweiflung“ vieler Fluglärmopfer konfrontiert. Diese Menschen, so die Einschätzung von Lanz, wollten eine schnelle Lösung, die ihnen aber niemand bieten könne.

Für die Deutsche Flugsicherung ist die Arbeit nach Angaben von Pressesprecher Axel Raab durch die Nutzung der Nordwestbahn einfacher geworden. „Es gibt mehr Kapazität“, Warteschleifen, die früher zur Tagesordnung gehörten, kämen nur noch bei schlechten Wetterlagen vor. Neu seien die ständigen Änderungen bei den An- und Abflugverfahren. Die Flugsicherung müsse viele Wünsche prüfen. Politiker hätten sich stärker eingemischt als in der Vergangenheit. Auch wenn die Sicherheit nach wie vor oberste Priorität genieße, sei das Thema Fluglärm „viel mehr in den Vordergrund gerückt“. So wurde etwa die sogenannte Südumfliegung „so gestrickt“, dass die Belastung durch Fluglärm möglichst gering gehalten wurde. Dass ausgerechnet diese Abflugroute von der Centerbahn bei Westbetrieb vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof für rechtswidrig erklärt wurde, hat viele Experten überrascht. Eine Urteilsbegründung, so Raab, liegt bis heute nicht vor. „Wir wissen nicht ob und wann das Urteil rechtskräftig wird.“

Den ersten Jahrestag hatte das Bündnis der Bürgeriniativen (BBI) noch mit einer Demonstration begangen. Diesmal verzichtet die Dachorganisation von rund 80 Initiativen auf einen großen Aufschlag. Es ist Urlaubszeit, viele Mitstreiter sind verreist. Stattdessen wird es, wie jeden Montag in den Ferien, eine Mahnwache geben. Dem Anlass entsprechend eine besondere: Die Demonstranten statten dem Terminal 2 einen Besuch ab. Per Sky-Liner, wie die kleine Hochbahn heißt. Um nicht den Reiseverkehr lahmzulegen, werden sie in 30er-Grüppchen in das Bähnchen einsteigen. Auch zu den Mahnwachen kommen zwischen 100 und 200 Teilnehmer. Die Transparente müssen sie aufrollen, lautet die Auflage des Ordnungsamts.

75 Montagsdemonstrationen hat das BBI inzwischen in Terminal 1 abgehalten. Am Anfang waren es Tausende, die wutentbrannt die Halle, vor der großen Tafel mit den Anflugdaten, mit Trillerpfeifen und Tröten beschallten. Inzwischen ist der Zulauf geringer. Doch mindestens 1000 kommen immer noch, sagt Thomas Scheffler. Deshalb redet derzeit keiner von aufhören: „Wir setzen das fort“, sagt der BBI-Sprecher.

Optimal im Sinne der Ausbaugegner seien die Landtagswahlen nicht ausgegangen. Doch immerhin werde die FDP in der nächsten Legislaturperiode keinen Verkehrsminister in Wiesbaden mehr stellen: „Wir haben es geschafft, dass Schwarz-Gelb nicht mehr so weitermachen kann“, sagt Scheffler. Die Ausbaugegner setzen ihre Hoffnung nun auf die Koalitionsgespräche: Auf die Linke, die die BBI-Forderungen übernommen haben. Auf die Grünen, die eine Ausdehnung des Nachtflugverbots befürworten und das Terminal 3 nicht bauen wollen. Und auf die SPD, die sich im Wahlkampf für eine Moratorium zum Bau des Terminal 3 ausgesprochen haben. „Begrenzte Kapazitäten am Boden limitieren die in der Luft“, so Scheffler. Ohne drittes Terminal könne Fraport sich die für das Jahr 2020 angepeilten 700.000 Flugbewegungen abschminken.

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