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22. August 2014

Fluglärm: Risiko für Herzpatienten

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Die Bewohner wissen es schon lange: wie hier in Flörsheim.  Foto: Michael Schick

Nach einer neuen Fluglärm-Studie aus Mainz ist Fluglärm besonders gefährlich für Herzkranke. Die Expansion des Flughafens müsse deshalb umgehend gestoppt werden, sagt der Studienleiter

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Für Herzkranke ist Fluglärm besonders gefährlich. Er kann Bluthochdruck auslösen, Herzinfarkte und Schlaganfälle, so das Ergebnis einer am Freitag veröffentlichen Studie der Universitätsmedizin Mainz. Angesichts dieser Risiken müsse die weitere Expansion des Frankfurter Flughafens umgehend gestoppt werden, sagte Studienleiter Thomas Münzel, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik sowie Vorstandsmitglied der Stiftung Mainzer Herz. „Terminal 3 darf nicht gebaut werden.“

Die Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin, Babette Simon, forderte einen runden Tisch, um die akute Gefahr für die Patienten zu mindern. „Wir müssen schnell zu einer nachhaltigen Lösung kommen.“ Flugzeuge müssten deutlich höher über das Klinik-Gelände fliegen. Seit Eröffnung der neuen Nordwest-Landebahn vor zweieinhalb Jahren sei die einzige Universitätsklinik von Rheinland-Pfalz massiv von Fluglärm betroffen, so Münzel. Es gebe bis zu 5000 Überflüge im Monat.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Kardiologe mit seinem Team nachgewiesen, dass Fluglärm der Gesundheit schadet. Damals dienten ihnen gesunde Studenten zwischen 20 und 35 Jahren als Testpersonen. Für die neue Studie wählten sie Patienten mit einer Herzerkrankung oder einem erhöhten Risiko dafür. Das Durchschnittsalter der Probanden lag bei knapp 62 Jahren. Sie bekamen in das heimische Schlafzimmer einen Apparat gestellt, der in einer Versuchsnacht insgesamt 60 Nachtflüge mit einem mittleren Schallpegel von 46 Dezibel simulierte. Zur Gegen-Kontrolle übernachteten sie an einem anderen Tag in der Stille.

Ursprünglich sollten 100 Personen an der Studie teilnehmen. Doch das Ergebnis, sagte der Studienverantwortliche Arzt, Frank Schmidt, sei schon bald überraschend eindeutig gewesen: „Die Verschlechterung der Gefäßfunktionen war so ausgeprägt, dass nach einer Zwischenanalyse von 60 Patienten die Studie vorzeitig beendet wurde.“ Die bei den Probanden gemessene Erweiterungsfähigkeit der Arterien, genannt Endothelfunktion, habe unter Nachtfluglärm „deutlich“ abgenommen, ergänzte Schmidt.

Da nutzen auch keine Pillen. Wie die Mainzer Wissenschaftler herausfanden, wird die Gefäßfunktion auch geschädigt, wenn der Patient Herz-Kreislauf-Medikamente nimmt. Selbst Lärmempfindlichkeit oder die individuelle Schlafqualität spiele in dem Zusammenhang keine Rolle.

„Politik muss handeln“

Für Münzel steht inzwischen außer Frage: „Nächtlicher Fluglärm muss als wichtiger, neuer Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bewertet werden.“ Ein Arzt könne Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin und Diabetes behandeln. Ein Patient das Rauchen aufgeben. Doch wenn es um den Krach am Himmel gehe, müsse die Politik handeln. Seit Jahren würden die Gesundheitsgefahren ignoriert, speziell in einem stark besiedelten Gebiet wie der Rhein-Main-Region. Schon 2006 hätten Wissenschaftler auf den Zusammenhang zwischen Fluglärm und Herz-Kreislauf-Erkrankungen hingewiesen. „Darüber hätte man schon im Rahmen des Baus der Landebahn Nordwest nachdenken müssen.“

Mehr dazu

Die Universitätsmedizin Mainz und die Stiftung Mainzer Herz werden weiter am Thema bleiben. Wie der Kardiologe ankündigte, soll untersucht werden, ob nur ganz laute Schallereignisse ungesund sind oder auch die „mittleren Schallpegel“.

www.herzstiftung-mainz-herz.de

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