Klaus Zimmer hat beim Thema Fluglärm das Vertrauen in die Politik verloren. Der Hochheimer will mit seiner Bürgerinitiative „Unser Hochheim“ nun eine eigene Partei gründen. Sie solle „ein Sammelbecken für alle Betroffenen sein, die verbittert sind und in ihrer Wut der Demokratie nicht verloren gehen dürfen“, sagt Zimmer. Der 64-Jährige hofft bei der Parteigründung auf die Unterstützung anderer Bürgerinitiativen gegen Lärm jeglicher Art, etwa auch der Anwohner im vom Bahnlärm geplagten Mittelrheintal.
Mit der noch namenlosen Partei, die vorerst unter dem Arbeitstitel „laermfolter@arcor.de“ agiert, will Zimmer bei der kommenden Landtagswahl in Hessen antreten. Die Gründungsversammlung soll „in geraumer Zeit“ abgehalten werden. Zuvor will der ehemalige Ministerialbeamte aus Rheinland-Pfalz das Fundament der neuen Partei aber auf eine breitere Basis stellen und das Gespräch mit anderen Initiativen im Rhein-Main-Gebiet suchen. Neben dem Fluglärm im Umkreis des Frankfurter Flughafens gilt der Kampf auch sonstiger vom Luftverkehr ausgehender Umweltbelastung.
Lärm ist inzwischen eine der schlimmsten Umweltbelastungen in Deutschland. Gerade wer nachts unter Lärm zu leiden hat, geht häufiger zum Arzt. Wir untersuchen, was die Dauerbeschallung mit dem Körper anstellt.
Foto: dpaAuf die Idee zu der Parteigründung habe ihn der hessische Grünen-Chef Tarel Al-Wazir gebracht, berichtet Zimmer. Jener sagte ihm im Dezember, eine Stilllegung der Landebahn Nordwest stehe nicht mehr in der Macht der Politik. „Das ist desillusionierend“, sagte Zimmer, der in jungen Jahren für die CDU im Wiesbadener Stadtparlament saß.
Mehr als nur ein Thema
Den derzeit aktiven Parteien wirft Zimmer vor, über das Land Hessen, die Stadt Frankfurt und den Bund hinter Fraport und der Deutschen Flugsicherung zu stehen. „Sie haben uns das Problem aus der Luft eingebrockt, wer glaubt, dass sie daran noch etwas ändern, ist ein Träumer“, sagt er. Den Vorwurf, eine rein monothematische Partei gründen zu wollen, weist Zimmer zurück: „Es geht um unsere Gesundheit und Lebensqualität. Wenn das monothematisch sein soll, verstehe ich die Welt nicht mehr.“
1936 wurde der „Flug- und Luftschiffhafen Rhein-Main“, wie der Airport damals noch hieß, in Betrieb genommen. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Frankfurter Flughafen immer wieder zur Großbaustelle. Oft wurden die Wachstumspläne von Widerstand aus der Bevölkerung begleitet. In den 1950er Jahren allerdings ging es noch beschaulich auf und am Rande des Startfeldes zu, wie dieses Foto zeigt.
Foto: FraportZimmer ist seit 17 Jahren Vorsitzender der Bürgerinitiative „Unser Hochheim“. In anderen Initiativen in Hessen und Rheinland-Pfalz will er ausreichend Unterstützer für die neue Partei finden. „Wir Bürger müssen uns unsere Heimat zurückwählen“, sagt Zimmer. So könnten sie mit den Parteien auf Augenhöhe und nicht bloß als Bittsteller verhandeln sowie parlamentarische Initiativen starten. Die neue Partei werde „nicht die sofortige Lösung sein, aber der Weg dahin“. (dapd)
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.