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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

03. September 2012

Frankfurt Flughafen Lärmaktionsplan: Wichtige Fakten zum Fluglärm

Lärm ist inzwischen eine der schlimmsten Umweltbelastungen in Deutschland. Gerade wer nachts unter Lärm zu leiden hat, geht häufiger zum Arzt. Wir untersuchen, was die Dauerbeschallung mit dem Körper anstellt.  Foto: dpa

Wie viele Menschen leiden unter Flugzeuggeräuschen und was könnte ihnen helfen? Antworten finden sich im veröffentlichten Entwurf zum Lärmaktionsplan.

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Wie viele Menschen leiden unter Flugzeuggeräuschen und was könnte ihnen helfen? Antworten finden sich im veröffentlichten Entwurf zum Lärmaktionsplan.

Viele Grafiken und viele Zahlen, 113 Seiten lang. Am gestrigen Montag hat das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt den Entwurf des Lärmaktionsplans für den Frankfurter Flughafen auf seiner Internetseite veröffentlicht. Sechs Wochen haben Bürger jetzt Zeit, ihre Anregungen und Kritik zu äußern. Der Verein Institut zur Abwehr von Gesundheitsgefahren durch Lärm (Iagl) kritisierte, dass der Plan auf Lärmkarten von 2007 basiere, die Situation nach Eröffnung der neuen Bahn also nicht abbilde. Die Frankfurter Rundschau fasst die wichtigsten Fakten zusammen.

Prognose Der Plan geht davon aus, dass im Jahr 2020 rund 304.000 Menschen in Lärmschutzbereichen wohnen – davon rund 277.700 in der Tag-Schutzzone, rund 196.900 in der Nachtschutzzone. Die drei am stärksten betroffenen Kommunen mit mindestens 1000 Gebäuden in der Tag-Schutzzone 1 sind Flörsheim, Nauheim und Raunheim. In Darmstadt, Frankfurt, Offenbach und Rüsselsheim liegen rund 55 Prozent aller von der Tag-Schutzzone 2 erfassten Wohngebiete.

Lärmminderung Das RP führt zunächst aus, was seit 1999 geschah, um die Bevölkerung zu entlasten. Interessant wird es ab Kapitel 7 „Geplante und zu prüfende Lärmminderungsmaßnahmen“. Wobei: Viel Neues ist nicht in dem Aktionsplan zu finden. Die Vorschläge kommen vom Regionalen Dialogforum, diversen Forschungsprojekten, dem Expertengremium zum „Ersten Maßnahmenpaket Aktiver Schallschutz“ sowie der Initiative „Allianz für Lärmschutz 2012“.

Schutz vor Lärm

Eine EU-Richtlinie verpflichtete alle Mitglieder, bis Juli 2008 einen Lärmminderungsplan erarbeitet zu haben. Er soll Probleme und Auswirkungen darstellen, erforderliche Schritte zur Minderung des Lärms aufzeigen.

Betroffen sind Orte in der Nähe der Hauptverkehrsstraßen mit einem Aufkommen von jährlich mehr als sechs Millionen Kraftfahrzeugen, Haupteisenbahnstrecken mit einem Aufkommen von mehr als 60.000 Zügen pro Jahr, Großflughäfen und Ballungsräume mit mehr als 250.000 Einwohnern.

Die Öffentlichkeit muss die Möglichkeit bekommen, „rechtzeitig und effektiv“ an der Ausarbeitung und der Überprüfung der Aktionspläne mitzuwirken“.

In Hessen trat der Teilplan Straßenverkehr im November 2010 in Kraft, der für die Schiene im vergangenen Mai.

Der Entwurf des Lärmaktionsplans, Teilplan Großflughafen Frankfurt am Main, steht unter www.laermaktionsplan.hessen.de und ist zu den Geschäftszeiten im Frankfurter Umweltamt, Galvanistraße 28, einsehbar.

Reduktion an der Quelle Hier ist die von Lufthansa bereits angekündigte Flottenmodernisierung genannt und Umrüstung von zwei Flugzeugtypen. Den Bodenlärm sollen mehr Elektro-Spezialfahrzeuge zur Flugzeugabfertigung mindern.

Abflüge Hier wird das Steilstartverfahren beschrieben, samt seiner Nachteile – etwa der höhere Kerosinbedarf. Eine „horizontale Abflugoptimierung“ soll dicht bewohnte Gebiete oder sensible Einrichtungen wie Kliniken oder Schulen entlasten – auch bei dieser Variante erhöhten sich Flugzeit und Schadstoffausstoß. Gemeint sind damit unter anderem die Optimierung der Abflugstrecke „König kurz“, die Darmstadts Norden entlasten soll; oder eine neue Route 07 Nord Frankfurts westliche Stadtteile, auf Kosten von Sachsenhausen und Oberrad. Die Südumfliegung würde den Menschen in den Kommunen westlich des Flughafens mehr Ruhe bringen.

Anflüge Der kontinuierliche Sinkflug soll Treibstoff sparen und Lärm vermeiden. Der Frankfurter Flughafen testet ihn seit Jahren. Die Erfahrung zeigt, dass das Verfahren nur bedingt möglich ist – es ist abhängig etwa von Flugzeugtyp, Beladung, Wetter. Auch eignet es sich derzeit vorwiegend in verkehrsarmen Zeiten. Geplant ist eine „Optimierung“. Alternative Landeklappenstellung, die Anhebung des Anfluggleitwinkels auf 3,2 Grad auf der Nordwestbahn oder des Gegenanflugs sind aufgeführt; außerdem „Point Merge“, wobei die Maschinen bis zu 40 Kilometer vom Flughafen entfernt – vor dem kontinuierlichen Sinkflug – auf bis zu 4000 Meter Höhe in einen virtuellen Trichter hintereinander sortiert werden.

Umverteilung In den verkehrsarmen Nachtzeiten könnten bei Ostbetrieb alle Abflüge auf die Startbahn West gelegt werden, bei Westbetrieb sieht das „alternative Betriebszenario“ vor, Starts über das Parallelbahnsystem abzuwickeln. Im tageweisen Wechsel mit dem konventionellen Betriebskonzept könnte dies Lärmpausen für die Betroffenen schaffen. Der Lärm würde verteilt. Dieses Verfahren soll zwischen 5 und 6 Uhr zum Einsatz kommen. Üblicherweise wird gegen den Wind gestartet und gelandet, das heißt die Richtung geben die Windverhältnisse vor. Bei normalem Wetter gibt es Spielräume, ab welcher Windstärke sich die Betriebsrichtung ändert (Rückenwindkomponente). Die derzeit gültige maximale Rückenwindkomponente von fünf Knoten Windgeschwindigkeit soll besser ausgenutzt werden, so dass bei wechselnden Winden häufiger die Betriebsrichtung 25 gewählt wird. Auch wird eine Anhebung der Rückenwindkomponente auf sieben Knoten geprüft. Der Vorteil: Hoch betroffene Gebiete würden Lärmpausen bekommen. Der Nachteil: Der Frankfurter Süden bekäme noch mehr Krach ab.

Lärmkontingente Hier geht es um Beschränkungen für bestimmte Flugzeugtypen, wirtschaftliche Anreize für die Verlagerung der Flüge auf andere Zeiten, Verkehrsträger, Standorte. Die nach Lärm differenzierten Entgelte sollen weiterentwickelt, die Fluggesellschaften einem „umfassenden Monitoring auf der Basis von Lärmergebnissen unterzogen werden“.

Verlagerung nach Hahn Potenzial zur Entlastung mittels des Flugplatzes Hahn im Hunsrück gibt es vor allem bei Fracht- und Charterflügen in der Nacht, die nicht auf die Hub-Funktion von FRA angewiesen sind. Die Spielräume für eine zwangsweise Verlagerung nach Hahn sind rechtlich beschränkt.

Auf die Schiene Eine gesteigerte Attraktivität der Bahn als Zubringer zu Interkontinentalflügen könnte Kurzstreckenflüge entlasten oder auch ersetzen. Den Lärm würde es kaum mindern, weil der Rhein-Main-Airport überwiegend Mittel- und Langstrecken abwickelt. Es kann keine Verpflichtung zur Verlagerung ausgesprochen werden. Das Potenzial, heißt es weiter, bleibt beschränkt auf wenige Orte mit guten Schnellverkehrs-anbindungen.

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