Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

23. November 2012

Frankfurter Flughafen: Flughafen setzt Körperscanner ein

 Von Jutta Rippegather
Hände hoch: In Frankfurt können USA-Reisende jetzt zwischen Durchleuchten und Abtasten wählen.  Foto: dpa/Boris Rössler

Der Frankfurter Flughafen ist der erste deutsche Airport, der jetzt bei Sicherheitskontrollen Körperscanner einsetzt. Passagiere können selbst entscheiden, ob sie sich mit diesen umstrittenen Geräten überprüfen lassen wollen.

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Der Frankfurter Flughafen ist der erste deutsche Airport, der jetzt bei Sicherheitskontrollen Körperscanner einsetzt. Passagiere können selbst entscheiden, ob sie sich mit diesen umstrittenen Geräten überprüfen lassen wollen.

Das Design erinnert an eine große Duschkabine. Gelbe Fußabdrücke auf dem Boden zeigen, wo der Reisende sich hinzustellen hat. Hände über den Kopf, drei Sekunden ruhig halten – dann erscheint auf dem Bildschirm ein Piktogramm, das die Umrisse eines Menschen von vorne und hinten zeigt. Und – falls vorhanden – auch Dinge, die nicht zu ihm gehören. „Der Scanner zeigt mögliche Anomalien des Körpers“, sagt Christian Altenhofen, Leiter der Pressestelle der Bundespolizeidirektion am Flughafen Frankfurt.

Die Regeln

Die Europäische Kommission hat vor einem Jahr verbindliche Regeln für den Einsatz von Körperscannern an Flughäfen in der gesamten Europäischen Union festgelegt.

Untersagt ist demnach, von den Geräten angefertigte Aufnahmen zu speichern, aufzubewahren, zu kopieren oder zu drucken.

Das Sicherheitspersonal, das die Aufnahmen analysiert, muss sich in einem abgetrennten Raum befinden und darf keinen direkten Kontakt zu den Gescannten haben.

Passagiere haben das Recht, alternative Kontrollmethoden zu verlangen. Es ist jedem EU-Staat selbst überlassen, ob er die Geräte einsetzt.

Dort gingen am Freitag um 6 Uhr in der Früh die bundesweit ersten Körperscanner an einem Airport in Betrieb. Drei sind es zu Anfang. Eingesetzt werden sie bei den Kontrollen von Passagieren mit Ziel USA. Für diese Reisenden gelten erhöhte Sicherheitsanforderungen, ein gewisser Prozentsatz wird stets manuell kontrolliert. Wer sich nicht gerne von Fremden anfassen lassen mag, kann jetzt als Alternative die Kabine wählen. Das Angebot ist freiwillig. Schlägt der Scanner an, muss der Passagier freilich doch Handarbeit über sich ergehen lassen. Voll und ganz den Menschen kann und soll die neue „aktive Millimeterwellentechnologie“ nicht ersetzen, betont Altenhofen. „Der Scanner ist ein sehr gutes Hilfsmittel. Er zeigt möglicherweise Dinge an, die wir noch mal prüfen müssen.“ Nach einem Tag könne er auch noch nicht sagen, wie das neue Angebot angenommen wird. Auch nicht, ob es so funktioniert, wie es funktionieren soll. Denn das ist nicht selbstverständlich.

Der erste Versuch mit Körperscannern in Deutschland jedenfalls war ein Flop. 2010/2011 war die Technologie am Hamburger Flughafen erprobt worden. Die Geräte schlugen auch bei Schweißflecken aus, bei Falten oder Knöpfen. Nach zehn Monaten wurde der Test abgebrochen. Rund 800000 Passagiere hatten bis dahin die Apparate freiwillig genutzt. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) informierte im September 2011, dass es in Deutschland zunächst keine Körperscanner zur Sicherheitskontrolle geben werde. Für einen flächendeckenden Einsatz sei es noch zu früh – die häufigen Fehlalarme machten zu viele Nachkontrollen nötig. Daher müssten die Geräte noch weiterentwickelt werden.

Inzwischen sollen die Kinderkrankheiten geheilt sein. „Es wurde eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit erreicht“, versichert Altenhofen. Das jetzt in Frankfurt sei kein Testbetrieb, sondern ein „Wirkbetrieb“, betont er. „Wir haben nicht vor, die Scanner wieder abzubauen.“

Scanner erkennt nicht alles

Kritiker hatten in der Vergangenheit davor gewarnt, sich zu sehr auf Technik zu verlassen. Das Sicherheitspersonal solle besser geschult werden, um verdächtige Fluggäste schon an ihrem Verhalten zu erkennen. Denn Sprengstoffe könnten auch in Körperhöhlen oder im Darm transportiert werden, wo auch der Scanner sie nicht erkennen könne.

Bei jedem Reisenden kann die Technik ohnehin nicht zum Einsatz kommen. Auch wenn keine Gesundheitsgefahr von ihnen ausgeht, sollten Träger von Herzschrittmachern die Mikrowellen meiden. Wer länger als zwei Meter ist oder kürzer als 1,20 Meter, kann auch nicht gescannt werden.

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