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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

30. Juni 2014

Frankfurter Flughafen: Grummeln beim Nachtflugverbot

Ein Passagierflugzeug befindet sich bei Vollmond im Landeanflug auf den Flughafen von Frankfurt am Main  Foto: dpa

Das Nachtflugverbot am größten deutschen Airport in Frankfurt bleibt ein Zankapfel. Die Fluggesellschaften haben sich zwar auf die Vorgaben eingestellt. Trotz guter Zusammenarbeit mit den Genehmigungsbehörden im Alltag herrscht aber keine Harmonie.

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Bei der Genehmigung von Flügen während der Lärmpause am Frankfurter Flughafen klappt die Zusammenarbeit der Airlines mit dem zuständigen Verkehrsministerium immer besser. Rund 90 Prozent der gestellten Anträge für Flüge zwischen 23.00 und 05.00 Uhr werden auch genehmigt, sagte der verantwortliche Abteilungsleiter Luftverkehr, Bernhard Maßberg, der Nachrichtenagentur dpa in Wiesbaden. «Wir sind mittlerweile in sehr guten Gesprächen mit den Fluggesellschaften, so dass keine sinnlosen Anfragen mehr kommen.» Richtig zufrieden sind die Airlines trotzdem nicht: Zu starre Regelauslegungen sind der Hauptkritikpunkt.

«Das Damoklesschwert, um 23.00 Uhr geht das Licht aus, ist fatal», sagte der Generalsekretär des Airline-Verbands Barig, Michael Hoppe, der dpa in Langen. «Wir wollen keine Änderung des Planfeststellungsbeschlusses, aber wir brauchen eine größere Flexibilität gerade in den sensiblen Randstunden.» Es gehe bei Flügen, die nicht abheben können, teilweise um Kosten von einer halben bis zu einer Million Euro.

Der Verband wolle kein Aufweichen der Regelung, die eine Lärmpause von 23.00 bis 05.00 Uhr an Deutschlands größtem Flughafen vorsieht, betonte Hoppe. «Aber wenn die Prozesse am Abend ordentlich ablaufen und dann etwas Unvorhergesehenes passiert, dann darf ein Abflug nicht an formalen Gründen scheitern.»

Pragmatische Auslegung

Auch die Lufthansa plädierte im Sinne ihrer Kunden für eine pragmatische Auslegung der Regelung. «Flüge, die rechtzeitig das Gate verlassen haben, sollten auch eine Startfreigabe erhalten», erklärte ein Sprecher. Bei einer zu starren Auslegung der Regelung droht dem Luftverkehrsstandort Frankfurt ein Reputationsschaden. Als Beispiel nannte der Sprecher einen nicht genehmigten Start im Juni, der durch einen Fluglotsenstreik in Frankreich verursacht worden sei. Diese Situation habe nicht im Einflussbereich der Airline gelegen, die Ablehnung des Flugs sei daher nicht nachvollziehbar.

Grundsätzlich habe sich das Prozedere mit der Genehmigungsbehörde bei den Ausnahmeregelungen während des Nachtflugverbots aber eingespielt, erklärten die größte deutsche Fluggesellschaft und der Airline-Verband, der die Interessen von rund 100 nationalen und internationalen Fluggesellschaften vertritt.

Nach Angaben von Abteilungsleiter Maßberg wird im Alltag zwar auch noch oft zum Telefon gegriffen, um vor dem eigentlichen Antrag über die Erfolgsaussichten zu sprechen. Die Zahl der Anträge sei aber deutlich zurückgegangen. Gerade mit den großen Fluggesellschaften gebe es eine gute Zusammenarbeit. Einige ausländische Airlines stellten aber trotz zu erwartender Absage noch Anträge, um ihren Unternehmenszentralen zu zeigen, dass sie alles getan haben.

135 Euro Bearbeitungsgebühr

Die Airlines müssen sich diesen Schritt jedoch genau überlegen: Pro Antrag muss eine Fluggesellschaft 135 Euro Bearbeitungsgebühr bezahlen. «Das wird auch bei einer Ablehnung fällig», betonte Maßberg. «Wird der Antrag genehmigt, nach 23 Uhr zu starten, müssen zusätzlich pro Passagier vier Euro und pro Tonne Fracht 20 Euro gezahlt werden.»

Der Hauptgrund für Ausnahmegenehmigungen während der sechsstündigen Lärmpause seien Verspätungen wegen schlechten Wetters, erklärte Jörg Arne Egerter, Referatsleiter und zuständig für die Sicherheit des Luftverkehrs am Frankfurter Airport. Diese gelten bis 00.00 Uhr. Danach dürfen Starts und Landungen nur im Fall einer besonderen Härte genehmigt werden.

Es gebe aber keine Liste, bei welchen Vorkommnissen Flüge nach 23 Uhr genehmigt werden, betonte Maßberg. «Jeder Fall wird einzeln geprüft.» Grundsätzlich gelte, dass alles, was im und am Flugzeug passiert - also technische Probleme oder bei verspäteter Crew -, in der Regel Sache der Airlines ist und kein Grund für einen Start während der Nachtflugverbotszeit.

Für eine Genehmigung können neben dem Wetter Sicherheitsaspekte sowie Katastrophen oder medizinische Hilfseinsätze angeführt werden. Als sich vor einiger Zeit bei einer schwangeren Frau auf einem Flug von Tel Aviv nach Brüssel die Geburt ankündigte, durfte die Maschine auch nach 00.00 Uhr in Frankfurt landen.

Kuriose Voranfragen

Bei der Entscheidung über Verspätungsstarts zähle daher alleine, ob der Grund der Verspätung außerhalb des Einflussbereiches der Luftverkehrsgesellschaft gelegen hat, betonte der Abteilungsleiter. «Dabei spielt es keine Rolle, ob 500 oder fünf Passagiere an Bord sind, oder ob es sich um einen Frachtflug handelt.» Medizinische Hilfsflüge, beispielsweise für Organspenden, könnten dagegen rund um die Uhr erfolgen.

Ein Team von 20 Leuten kümmert sich um die Anfragen der Fluggesellschaften. Im Wechselschichtsystem arbeiten zehn Kollegen. «Abends sind immer mindestens zwei bis vier Leute da; es ist nie einer alleine», versicherte Egerter. Die Fluggesellschaften können ihre Anträge per Fax, E-Mail oder Anruf stellen. «Auch mündliche Anträge nehmen wir an, gerade wenn es gegen 23 Uhr geht und die Zeit drängt», erklärte der Experte. Wegen fehlender Formalien solle es keine unnötigen Verzögerungen geben. Die Anträge müssten allerdings anschließend schriftlich nachgereicht werden.

Mit kuriosen Voranfragen werden die Experten auch immer wieder konfrontiert: «Im Vorfeld der Bambi-Verleihung in Wiesbaden wurde gefragt, ob einige Stars gegebenenfalls auch noch nach 3.00 Uhr mit ihren Privatluftfahrzeugen starten dürften», erzählte Maßberg. Dies sei aber abgelehnt worden, weil es keine Härtefälle waren und auch kein öffentliches Interesse vorlag. (dpa)

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