Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

25. Mai 2013

Frankfurter Flughafen: Lufthansa Cargo baut neues Zentrum

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Lufthansa Cargo investiert in den Standort Frankfurt. Foto: Andreas Arnold

Deutschlands größte Airline investiert rund 700 Millionen Euro in das Frachtgeschäft. Bis 2018 soll am Frankfurter Flughafen das „modernste und effizienteste Luftfrachtzentrum der Welt“ entstehen.

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Größte Arbeitsstätte Deutschlands

Die Airport City erstreckt sich über eine Fläche von 24,6 Quadratkilometer. 550 Betriebe und Behörden haben am Flughafen Frankfurt ihren Sitz. Mit 79000 Beschäftigten gilt der Flughafen als größte Arbeitsstätte der Republik. Zurzeit stehen am Flughafen mehr als 300 Hektar Land für die Entwicklung von Büro- und Industrieflächen zur Verfügung.

Der Rhein-Main-Airport ist Deutschlands größter Flughafen. 56 Millionen Passagiere flogen 2011 von Frankfurt aus in die Welt. Im vergangenen Jahr wurden zudem mehr als 2,1 Millionen Tonnen Fracht abgefertigt. An Fraport sind das Land Hessen, die Stadt Frankfurt und Lufthansa beteiligt. Etwa ein Drittel der Aktien befinden sich im Streubesitz.
Die Fraport AG als Eigentümer ist längst nicht mehr nur ein Flughafenbetreiber. Der Konzern hat sich zu einem großen Immobilien- und Handelsunternehmen gemausert. Die Sparte Retail & Real Estate steuerte 2011 fast ein Fünftel zum Konzernumsatz in Höhe von knapp 2,4 Milliarden Euro bei. Der Anteil beim Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) liegt gar bei 38 Prozent.

Ein neuer Stadtteil mit Grundstücken für Büros, Hotels und Einzelhandel entsteht derzeit auf dem früheren US-Areal Gateway Gardens im Nordosten des Airports. Auf dem Mönchhof-Gelände nordwestlich und in der Cargo City siedeln sich vor allem Logistikanbieter und Frachtfirmen an. Sie nutzen die direkte Anbindung an den Luftverkehr.


Vor etwas mehr als einem Jahr hat Karl Ulrich Garnadt das Rhein-Main-Gebiet mit einer düsteren Drohung aufgeschreckt. Wenn es beim Nachtflugverbot bliebe und der Ruf nach einer längeren Nachtruhe am Frankfurter Flughafen erhört werde, dann müsse sich die Lufthansa überlegen, ob sie sich weiter im Frachtgeschäft betätige, sagte der Vorstandsvorsitzende von Lufthansa Cargo in einem Interview mit dieser Zeitung. Mit dieser Aussage stellte der Manager wenige Wochen vor dem Urteil des Leipziger Bundesverwaltungsgerichts auch die 2700 Arbeitsplätze in Frankfurt „langfristig“ in Frage. Weltweit drehen 4500 Lufthanseaten am Frachtrad.

Fünf neue Maschinen

Am Freitag hat Cargo-Vorstand Karl-Rudolf Rupprecht trotz des höchstrichterlichen Urteils zum Flugverbot zwischen 23 und fünf Uhr und trotz der weiterhin auch vom Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) vertretenen Forderung nach einer Nachtruhe am Himmel zwischen 22 und sechs Uhr den Blick in eine (nahezu) rosige Zukunft des Luftfrachtverkehrs gerichtet und Pläne zum Neubau des „Lufthansa Cargo Centers neo“ vorgestellt. Deutschlands größte Airline investiert bis 2018 rund 700 Millionen Euro in das dann „wahrscheinlich modernste und effizienteste Luftfrachtzentrum der Welt.“ Zudem schafft Lufthansa Cargo trotz nach wie vor schwieriger Weltwirtschaftslage fünf neue Maschinen des Typs Boeing 777F an, die gegenüber der derzeit aus 18 MD-11 bestehenden Flotte 20 Prozent weniger Schadstoffe ausstoßen sollen, weniger Treibstoff verbrauchen werden und nach Angaben des Unternehmens auch erheblich leiser sein sollen.

Nachdem Lufthansa Cargo den Neubau auch wegen der schlechten Konjunktur der Weltwirtschaft über ein Jahr auf Eis gelegt hatte, baut der Konzern nun ein um 20 Prozent abgespecktes Frachtzentrum, an dem 1,6 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen werden sollen.

Gebaut wird bei laufendem Betrieb, wegen der höheren Effizienz wird aber nur noch die Hälfte der bisherigen Fläche benötigt. „Jammern ist keine Strategie“, sagt Unternehmenssprecher Matthias Eberle und gibt damit die neue Linie des Vorstandes wider. Selbst einer erweiterten Nachtruhe sehen die Logistiker relativ gelassen entgegen. „Für unsere vergleichsweise kleine Flotte ist das kein großes Thema mehr. Allerdings hätte das unabsehbare, negative Folgen für den Passagierverkehr des Lufthansa-Konzerns“, betonte Eberle.

Das Nachtflugverbot hat die Cargo-Sparte schwer getroffen. Mit 40 Millionen Euro Verlust pro Jahr rechnet der Konzern. Damit habe sich der Profit halbiert. Nach dem Leipziger Urteil hat LH-Cargo den „Nachtsprung“ nach den USA komplett gestrichen und erhebliche Einbußen beim Güterumschlag auf den Strecken nach Asien und Südafrika hinnehmen müssen. Der Standort Frankfurt ist für die Luftfracht praktisch unverzichtbar, weil 50 Prozent der Güter in Passagiermaschinen transportiert werden, betonte Rupprecht. Deshalb seien auch alle Überlegungen, den größten Lufthansa-Standort Frankfurt zu verlassen, unsinnig.

Kosten sollen sinken

Durch die Modernisierung des Umschlagplatzes erhofft sich Lufthansa Cargo eine Kostenersparnis von 20 Prozent. Im harten Wettbewerb des Frachtverkehrs sei Lufthansa Cargo immer noch eines der wenigen Unternehmen, das überhaupt Gewinn macht und dies, „obwohl die Konkurrenz nur 100 Meter zu laufen braucht und wir aufgrund der Beschränkungen einen 110-Meter-Hürdenlauf hinlegen müssen“, sagte Eberle.

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