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Flughafen: Lärm, Ausbau, Wachstum
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten.

19. Mai 2014

Frankfurter Flughafen Montagsdemo: 4000 heizen Fraport ein

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Die 100. Montagsdemo am Frankfurter Flughafen.  Foto: Andreas Arnold

Es war ein Massenspektakel wie damals, kurz nach Eröffnung der Nordwest-Landebahn: Rund 4000 Fluglärmgegner haben am Montag in Terminal 1 des Frankfurter Flughafens demonstriert.

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Zum 100. Mal hatte das Bündnis der Bürgerinitiativen zum Protest gegen die Nordwestlandebahn und für ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr aufgerufen. Die älteste Teilnehmerin war eine 93-Jährige aus Oberrad, die jüngste ein sechs Monate altes Mädchen. „Eher wird Fraport-Schulte abgelöst, als dass wir aufhören zu demonstrieren“, sagte Jochen Krauß aus Niederrad. Es gebe ein einfaches Mittel, um die Montagsdemonstrationen zu stoppen, sagte Ursula Fechter aus Sachsenhausen. „Stoppt den Ausbau, vergesst Terminal 3, schließt die Landebahn.“

Aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet waren die Teilnehmer angereist. Darunter auch Politiker, die man sonst nicht sieht: Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), die beiden Minister für Gesundheit und Umwelt aus Rheinland-Pfalz, die Fraktionschefs der hessischen SPD, der Grünen und der Linken mit Parteifreunden, die Oberbürgermeister aus Frankfurt, Offenbach, Mainz und Wiesbaden, Bürgermeister und Politiker aus den betroffenen Städten und Gemeinden.

Arbeitsauftrag erteilt

„Sie sind nicht nur hier, Sie sind auch Mitdemonstranten“, sagte Fechter in ihrer Rede und erteilte ihnen den Arbeitsauftrag, die Forderung der Demonstranten zu erfüllen. Den Mitstreitern rief sie zu, sie hätten schon viel erreicht: „Unser Kampf zeigt Erfolge. Wir haben das Thema Lärm- und Umweltverschmutzung zu einem gesellschaftspolitischen Thema gemacht.“

Noch vor dem offiziellen Beginn um 18 Uhr hatte die Brass-Band Rheingold aus Mainz mit ihren weiß-blauen Uniformen den Teilnehmern eingeheizt. Danach begrüßte Startbahn-Veteran Jossy Oswald aus Mörfelden-Walldorf die Leute. „Jetzt haben wir die 100. Montagsdemo. Das hätte ich nie gedacht.“

Er dankte der Abschiebegegnerin Julia Kümmel, die mit einem Verfassungsgerichtsurteil erst ermöglicht habe, „dass wir hier, im Wohnzimmer von Fraport, demonstrieren können“. Viele Menschen hätten in den vergangenen zweieinhalb Jahren die Bewegung am Leben gehalten. Oswald dankte auch der Polizei für ihre „Loyalität und Souveränität“. Und fügte hinzu: „Wir kennen sie auch anders.“

Zum Jubiläum gab es ein längeres Programm. So gaben nach dem Demonstrationszug durch die Flughalle die singenden Stewardessen aus Flörsheim/Hochheim eine Einlage. „Wir sind hier, wir sind laut, denn wir haben keine andere Wahl.“ Am Ende ihres Auftritts stellten die drei Frauen aber auch klar, dass dies keine Juxveranstaltung sei. „Wir stehen hier nicht zum Spaß“, sagte eine von ihnen und geißelte die Wirbelschleppen, die Umweltverschmutzung und den Lärm: „Das ist krank und das macht uns krank.“

„Ihr macht Geschichte“

Ganz Europa schaue auf die Proteste, sagte Mela Krauß aus Niederrad, bevor die Gäste aus dem Ausland ein paar Worte an die Demonstranten richteten: „Ihr macht Geschichte“, rief John Stewart von der Bürgerinitiative London-Heathrow den Teilnehmern zu. Er trug ein deutsch-britisches T-Shirt mit der Aufschrift: „Die Landebahn muss weg!“

Aus Amsterdam kamen ebenfalls Solidaritätsgrüße. „Wir möchten euch unsere große Bewunderung aussprechen“, sagte Lony Wesseling, in deren Nachbarschaft vor Jahren ein Transportflugzeug abstürzte und mehr als 40 Menschen tötete. Die Frankfurter hätten das Nachtflugverbot durchgesetzt. Und kämpften trotzdem weiter. „Lasst uns in Europa streben nach einem besseren Leben für alle Menschen, die im Umfeld von Flughäfen leben.“ Die Demonstration sei nicht die letzte, hieß es am Ende. „Es geht weiter, Herr Schulte, wir sind hier, wir sind laut, weil Fraport uns die Ruhe klaut.“

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